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Gestohlen wird, was der Markt verlangt

  • Julia Brunhofer, Herbert Zwickl
  • vor 5 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Was früher das Brecheisen, der nachgemachte Schlüssel oder das Kurzschließen eines Motors war, nennt sich heute Jamming, Code-Grabbing oder Hacking – der KFZ-Diebstahl ist moderner oder digitaler geworden. Die ausgetüftelte Fahrzeugtechnik verlangt ebensolche Diebstahlmethoden und die Ermittler sollten all dem immer einen Schritt voraus sein. Wie die SOKO KFZ arbeitet.



Während Herr und Frau Österreicher nachts noch schlafen, passiert unser gestohlenes Fahrzeug meist gerade die Grenze ins nahe Ausland. Zwischen 2 und 3 Uhr Früh ist die ideale Zeit für Täter. Denn sind gestohlene Fahrzeuge einmal außer Landes gebracht, ist es extrem schwierig, sie wiederzufinden. Zudem werden sie meist zügig in ihre Einzelteile zerlegt – damit lassen sich höhere Gewinne erzielen. „Die typischen Autodiebe agieren in Banden“, weiß Kontrollinspektor Christian Wuschitz, stv. operativer Leiter der SOKO KFZ. „Es handelt sich meist um organisierte Tätergruppierungen aus dem Ausland. 99 % der in Österreich gestohlenen Fahrzeuge verbleiben nicht im Land.“ Wer glaubt, dass sein Auto danach irgendwo auf den Straßen Europas unterwegs ist, der irrt. „Fast 80% davon werden in Einzelteilen verkauft – meist ältere Modelle, bei denen es bereits eine Nachfrage an Ersatzteilen gibt. Neuwertige Fahrzeuge werden meist in Fälscherwerkstätten im Ausland manipuliert, sprich individuelle Merkmale gezielt verändert und im Anschluss verkauft.“

 

Hohe Aufklärungsquote. Über 7000 KFZ-Diebstähle wurden noch im Jahr 2009, zum Zeitpunkt der Gründung der SOKO KFZ, verzeichnet. Das bedeutet, dass in Österreich pro Tag rund 20 Autos gestohlen wurden. Im Jahr 2024 waren es nur noch 1871 KFZ-Diebstähle – das sind immer noch 4 Fahrzeuge pro Tag. Ein dennoch deutlicher Rückgang, mit einer Aufklärungsquote von 39,4 %. Nach der morgendlichen Dienstbesprechung werden von den Ermittlern unzählige Erhebungen und Überprüfungen im Zuge der Ermittlungen im ständigen Austausch mit den zuständigen Staatsanwaltschaften getätigt. Tägliche Aktualisierung von Statistiken und Analysen zum Thema KFZ-Diebstahl gehö­ren ebenso zum Tagesgeschäft der SOKO, wie die Koordination von diversen Maßnahmen, Unterstützungstätigkeiten für andere Dienststellen oder die Durchführung von Schwerpunktaktionen an den Grenzen.

 

Der Markt bestimmt das Diebesgut. „Gestohlen wird, was der Markt verlangt“, so Wuschitz. „Derzeit stehen SUV besonders hoch im Kurs – bei den Käufern und damit unweigerlich auch bei den Tätern. Aktuell werden am meisten die Marken Toyota und Lexus gestohlen. Der Grund dafür: die weltweiten Sanktionen gegen Russland aufgrund seines Angriffskrieges gegen die Ukraine. Daher liefert TOYOTA keine Neuwägen und Ersatzteile nach Russland. Diese Marken sind jedoch in Russland weit verbreitet. Klassiker wie VW, Audi und Skoda sind immer noch gefragt, wenn auch leicht rückgängig. Die ständig steigende Beliebtheit an asiatischen Fabrikaten wirkt sich auch auf die KFZ-Diebstahlstatistik aus.“

 

Teures Equipment nötig. Die immer ausgereiftere Technik in den Fahrzeugen ist für die Täter dabei Fluch und Segen zugleich. „Kommt eine neue Technik auf den Markt, arbeiten die Diebe schon an Tools, welche sie umgehen können“, weiß Wuschitz. „Der Vorteil an der modernen Technik ist, dass es oft nur wenige Minuten dauert, ein Auto zu öffnen und zu starten. Der Nachteil für die Diebe sind die Kosten der Anschaffung dieser Tools, und da reden wir von bis zu 40.000 Euro.“ Die Methoden sind vielfältig, die moderns­te Art des KFZ-Diebstahls nennt sich heute Hacking. Dabei nutzen die Diebe Schwachstellen in der Software der Fahrzeuge für sich. Code-Grabbing kopiert das Signal des Schlüssels beim Ver- und Entriegeln des Fahrzeuges. Ein Jammer wiederum stört das Funksignal zwischen Schlüssel und Fahrzeug und gaukelt somit dem Besitzer vor, dass es verschlossen sei. Starten lässt es sich dadurch jedoch nicht. Dazu braucht es ein sogenanntes Relay. Mit zwei Geräten wird das Schlüsselsignal abgefangen und zum Auto hin verlängert. Das Auto geht so davon aus, dass sich der Schlüssel in der Nähe befindet, entriegelt sich und lässt sich starten. Der Tipp vom Profi: „Wenn man ein Auto mit Keyless-System besitzt, sollte man den Schlüssel nicht im Bereich der Eingangstüre oder unmittelbar hinter den Außenwänden aufbewahren“, so Wuschitz.

 

Die Täter verstehen lernen. Genauso müssen die KFZ-Ermittler immer mit der Zeit gehen, neue Techniken an den Fahrzeugen oder den neuen Modus Operandi der Täter verstehen lernen. „Dieses Verstehen, wie die Täter vorgehen, ist heutzutage auf Grund der modernen Technik komplizierter geworden. Auch muss man oft sehr viel Geduld haben“, sagt Wuschitz. „Oft dauert es mehrere Diebstähle lang, bis die Handschellen klicken. Auch die Tätergruppierungen lernen ständig dazu und vermeiden schon gemachte Fehler.“ Den typischen KFZ-Diebstahl wird es wohl immer geben. Was sich aber jetzt schon abzeichnet, ist eine steigende Zahl an Betrugsfällen – Stichwort Leasingbetrug. Es geht schneller und ist einfacher. Kurz gesagt werden dabei Autos mit Fremdfinanzierung geleast und gleich im Anschluss illegal weiterverkauft.

 

Verfolgungsjagd vermeiden.  Spektakulär für die Ermittler wird ein Autodiebstahl etwa, wenn es sich um ein außergewöhnliches Modell handelt. „Da meine ich z.B. seltene Luxusautos oder Supersportwägen“, so Wuschitz. „Aber auch, wenn es zu einer Serie mit einer hohen Schlagzahl in kurzen Abständen kommt. Oder wenn es unmittelbar nach dem Diebstahl zu Verfolgungsjagd kommt. Da diese jedoch eine hohe Gefährdung für jeden Beteiligten und auch für andere Verkehrsteilnehmer darstellen, hat es für uns jedoch oberste Priorität, wenn möglich, solche zu vermeiden. Sitzt der Dieb einmal im Auto und setzt dieses in Bewegung, wird es schwierig, kompliziert und gefährlich oder wie wir es nennen ‚wenn das gehad wird, wird’s oasch‘.“

 

Prävention ist alles. Um es gar nicht soweit kommen zu lassen, ist es wichtig, sein Auto oder Motorrad bereits bestmöglich vor Diebstahl zu sichern. „Präventiv kann ich diverse Gadgets wie GPS-Sender empfehlen“, erklärt Wuschitz. „Die Täter nutzen zwar diverse Tools, welche die Signale stören, jedoch kann es unter gewissen Umständen hilfreich sein. Die altbewährte Lenkradkralle hilft auch, da dadurch der Diebstahl selbst längere Zeit in Anspruch nimmt und somit gegenüber der Täterschaft abschreckend wirkt. Sollte man eine Garage besitzen, ist das ein sicherer Ort. Zwecks noch höheren Schutzes gegen Diebstahl sollte man das Auto, auch wenn es in der Garage abgestellt ist, versperren. Unsere Autos zu Hause sind stets verschlossen in der Garage abgestellt.“









 

 

 

 

 

 

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