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Aus Lust am Töten

  • Werner Sabitzer
  • vor 3 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Ein junges Dienstmädchen brachte in den 1760er-Jahren aus Mordlust mindestens vier Kinder um. Zwei weitere Kinder überlebten ihre Attacken. Die Serienmörderin wurde im Februar 1769 in Wien geköpft.



Der 16. Februar 1769 hatte in Wien wieder einmal Volksfestcharakter. Tausende Schaulustige pilgerten zur Richtstätte vor dem Schottentor, eine von mehreren Hinrichtungsstätten in Wien. Hier wurden auf einer Plattform vorwiegend im 18. Jahrhundert Delinquenten gehenkt, gerädert, enthauptet oder gevierteilt. An diesem Tag sollte ein Dienstmädchen enthauptet werden, das aus reiner Lust am Töten mindestens vier Kinder umgebracht hatte. Ein weiteres Kind konnte nach einem Messerstich fliehen und ein Kleinkind überlebte knapp eine Attacke der Gewalttäterin.

Ein Pferdewagen brachte die Verurteilte zur Richtstätte. Dort schlug der Scharfrichter unter dem Gejohle der vielen Schaulustigen der Delinquentin mit dem Richtschwert die rechte Hand ab und kurz darauf den Kopf. Die abgeschlagene Tathand wurde zur Abschreckung an den Pranger genagelt.

Das Dienstmädchen Catharina Jatzik aus dem Dorf Kovanec in Böhmen wurde 1765 von ihrem Dienstherrn in Skalsko nach Jungbunzlau zum Einkaufen geschickt. Auf dem Heimweg ging Jatzik in das Haus der Schwester einer Bekannten und traf in einem Zimmer zwei Kleinkinder an, die allein geblieben waren. Jatzik packte das dreijährige Mädchen, warf es im Vorhaus in ein Behältnis mit Wasser und hielt das Kleinkind an den Füßen so lange hoch, bis es ertrunken war. Um die Bluttat als Unfall zu tarnen, stellte die Mörderin einen Schemel vor das Behältnis. Danach verließ sie den Tatort.

Im Juli 1765 plante Catharina Jatzik, den kleinen Sohn ihres Nachbarn zu ermorden. Es ergab sich aber keine geeignete Gelegenheit dazu. Als Jatzik in Skalsko die zweijährige Tochter des Lehrers zufällig allein auf der Straße antraf, nahm sie das Kleinkind mit. Auf dem Anwesen ihres Dienstherrn setzte sich Jatzik mit dem Mädchen auf eine Stiege vor einem Teich. Die Frau zeigte dem Kind einen Rosenkranz und ließ ihn dann auf die unterste Stufe der Stiege vor dem Teich fallen. Als sich das Kind nach dem Rosenkranz bückte, gab ihm Jatzik einen Stoß, sodass es ins Wasser fiel. Danach sah die Mörderin zu, wie ihr Opfer im Wasser um das Leben kämpfte und schließlich ertrank.

Im November 1765 begegnete Ca­tharina Jatzik in Wessely in Mähren auf der Straße einem zehnjährigen, bettelnden Mädchen und forderte das Kind auf, mitzukommen. Am Gestade der March angekommen, stieß sie die Zehnjährige mit beiden Händen in den Fluss und sah zu, wie sich das Mädchen vergeblich vor dem Ertrinken wehrte.

 

Weitere Morde.  Catharina Jatzik flüchtete in die Slowakei, wo sie bei einem Missionar unterkam. Dort fasste sie den Entschluss, die Pfarrersköchin zu ermorden. In der letzten Faschingswoche 1766 stand Jatzik in der Nacht auf und schlich sich mit einem Messer bewaffnet zum Bett der Köchin. Weil aber der kleine Hund bellte, der im Bett des Opfers lag, ließ sie von ihrem Vorhaben ab. Sie probierte es in der Nacht noch zwei weitere Male, wurde aber vom bellenden Mops abermals vertrieben.

Bei Tagesanbruch stand die Köchin auf, verließ das Zimmer, um den Ofen einzuheizen. Jatzik suchte sich nun ein Ersatzopfer. Sie stach mit dem Messer in den Hals des im Zimmer hinter einem Tisch schlafenden Ministranten. Das Messer prallte aber von einer Lederbinde ab und verletzte den Buben nur leicht. Der Ministrant erwachte, stand auf und lief davon. Nach dem misslungenen Mord flüchtete Jatzik nach Ungarn, wo sie bei einem Dorfpfarrer Unterschlupf fand. Dort wohnte auch eine Frau mit einem neun Monate alten Kind. Als die Mutter am Ostermontag 1766 die heilige Messe zu besuchen beabsichtigte, schlug Jatzik der Frau vor, alleine in die Kirche zu gehen; sie werde inzwischen auf das Kleinkind aufpassen.

Jatzik brachte das Kind in die Hühnerkammer, legte es auf den Boden und trat mit einem Fuß auf den Hals des Opfers, damit es nicht schreien konnte. Dann schlug sie mit einem Holzprügel auf den Kopf des Kindes ein, bis es sich nicht mehr rührte. Die Täterin versteckte das blutige Bündel hinter einer Hühnersteige und flüchtete. Als die Mutter aus der Kirche zurückkam, suchte sie ihr Kind und fand es hinter der Hühnersteige. Es gab Lebenszeichen von sich, wurde versorgt und blieb am Leben.

Einige Tage später sah Catharina Jatzik neben einer Straße einen Buben sitzen. Sie fragte ihn, wohin er gehe und gemeinsam machten sie sich auf den Weg in den nächsten Ort. In einem Wald setzte sich der Bub nieder, um sich auszurasten. Er schlief ein und lag auf dem Rücken auf dem Waldboden. Jatzik nahm ein Küchenmesser und stach dem Schlafenden in den Hals. Das Opfer erwachte und wollte sich wehren, aber Jatzik kniete sich auf seine Arme und stach mindestens neunmal in die Brust des Kindes. Nachdem das Opfer verblutet war, verscharrte die Mörderin die Leiche in einer Grube.

 

Tod durch das Schwert. Catharina Jatzik, von Gewissensbissen geplagt, stellte sich nach den Morden dem Gericht und gestand die Morde. Als Motiv für die Bluttaten behauptete Jatzik, sie habe sich rächen wollen. Beim ersten Mord habe sie eigentlich eine Bekannte umbringen wollen, von der sie ungerecht behandelt worden sei. Weil aber die Bekannte nicht zu Hause gewesen sei, habe sie das Kind von deren Schwester als Opfer gewählt. Den Sohn des Nachbarn habe sie deshalb töten wollen, weil sie sich am Vater rächen habe wollen, bei dem sie einige Zeit als Dienstmädchen beschäftigt gewesen war. Die Tathergänge wiesen aber daraufhin, dass die Frau aus reiner Mordlust gehandelt hat.

Das k. k. Stadt- und Landgericht verurteilte Catharina Jatzik zum Tod durch das Schwert. Das Urteil wurde von der landesfürstlichen niederösterreichischen Regierung bestätigt und die Serienmörderin hauchte am 16. Februar 1769 vor dem Schottentor ihr Leben aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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