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Modellversuch Kriminalpraktikant

  • Rosemarie Pexa
  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Zur personellen Verstärkung nimmt das Bundesamt zur Korruptionsprävention und

Korruptionsbekämpfung Verwaltungspraktikanten auf.


Otto Kerbl: „Es hat noch nie so einen schnellen und direkten Weg zum Kriminaldienst gegeben.“
Otto Kerbl: „Es hat noch nie so einen schnellen und direkten Weg zum Kriminaldienst gegeben.“

Kriminalpolizei: Im Rahmen des Modellversuchs Kriminalpraktikant werden Bewerber zu Ermittlern im Bereich der Korruptionsbekämpfung ausgebildet. Was waren die Beweggründe für dieses Projekt?

Otto Kerbl: Die Pensionierungswelle der gestandenen „Kiberer“-Generation hat im BAK einen Personalmangel zur Folge. Um nicht permanent auf Dienstzuteilungen der Landespolizeidirektionen angewiesen zu sein und sie zu entlasten, haben wir den Modellversuch gestartet. Wir wissen, dass das Pflaster der LPD Wien schwierig ist und jeder Abzug schmerzt. Der Plan ist letztes Jahr konkretisiert worden. Dann sind die Stellen ausgeschrieben worden, der Bewerbungsprozess hat im März begonnen und war im Mai abgeschlossen.

Welche Voraussetzungen müssen die Bewerber mitbringen, um aufgenommen zu werden?

Kerbl: Sie bringen idealerweise eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung, z. B. eine Lehre mit Wirtschaftsbezug, eine Berufsbildende mittlere oder höhere Schule mit wirtschaftlichem oder technischem Schwerpunkt. Von Vorteil ist, wenn die Bewerber Berufspraxis im wirtschaftlichen Bereich mitbringen und Erfahrung im Lesen von Bilanzen und Budgetberichten haben.

Welchen Hintergrund haben die Personen, die sich beworben haben?

Kerbl: Das Bewerberfeld war erstaunlich breit, in einem Altersspektrum von 19 bis 48 Jahren, vom HAK- oder BHS-Absolventen bis zu Personen mit jahrelanger Berufserfahrung im Bereich Wirtschaft, z. B. in der Buchhaltung, im Controlling, aber auch in höheren Positionen. Die Bewerber haben sich eine berufliche Neuorientierung vorstellen können. Es geht ihnen um die Sache, das Monetäre steht nicht im Vordergrund – als Praktikant oder als Polizeischüler verdient man ja vergleichsweise wenig.

Wie viele Bewerber hat es gegeben?

Kerbl: Zirka 30 haben sich beworben. Nach dem Infoabend und dem schriftlichen Test sind einige ausgeschieden. Zwei Praktikanten, eine Frau und ein Mann zwischen 19 und 25 Jahren, haben schon im Juni zu arbeiten begonnen. Die zweite Tranche beginnt im Herbst.

Was sind die Gründe dafür, dass sich diese Personen nicht für den Polizeidienst beworben haben, sondern für das Verwaltungspraktikum im BAK?

Kerbl: Der bisherige Bewerbungsprozess zeugt davon, dass es eine neu zu erschließende Zielgruppe gibt. Diese Personen würden sonst nicht zur Polizei gehen. Sie sehen sich nicht im Streifendienst, sondern begeistern sich speziell für Ermittlungen in den Bereichen Wirtschaftskriminalität und Korruption. Sie haben darauf reflektiert, dass es noch nie so einen schnellen und direkten Weg zum Kriminaldienst gegeben hat. Das ist Neuland, wir sind die ersten bei der Polizei, die so ein Modell umsetzen.

Wie geht es für die Bewerber nach dem positiv abgeschlossenen Bewerbungsverfahren weiter?

Kerbl: Der Fahrplan beginnt mit einem neunmonatigen Verwaltungspraktikum im BAK mit einer speziellen Einschulung in Wirtschafts- und Korruptionsermittlungen. Dann folgt die reguläre Polizeigrundausbildung an einem Bildungszentrum der Sicherheitsakademie. Die beiden Praxisphasen werden zum Teil auf einer PI absolviert, zum überwiegenden Teil im BAK bei laufenden Korruptionsermittlungen. Für die Polizeigrundausbildung müssen sich die Praktikanten bewerben. Dass sie das Auswahlverfahren nicht bestehen, ist eher unwahrscheinlich, weil schon für das Praktikum eine strenge Auswahl getroffen worden ist. Nach dem Abschluss der Polizeigrundausbildung werden sie als E2b-Beamte im BAK eingesetzt. Sie sind dann voll exekutivdienstermächtige kriminalpolizeiliche Ermittler im BAK, ihnen steht jede Verwendung bei der Polizei offen.

Wie haben die Kollegen auf die neuen Ermittler mit verkürzter Ausbildung reagiert?

Kerbl: Die erfahrenen Kollegen sind bereit, die Praktikanten als Mentoren in die Arbeit einzuführen – auch wenn alles Neue mit einer gewissen Skepsis verbunden ist.

Wird der Modellversuch fortgesetzt?

Kerbl: Ja, er wird weitergeführt. Die Unterstützung der Bundespolizeidirektion und der Sicherheitsakademie ist da. Jetzt gilt es noch, einige organisatorische Anpassungen vorzunehmen und das Modell in einzelnen Punkten weiter zu ver­feinern. Initiativbewerbungen als Kriminalpraktikanten können an  karriere@bak.gv.at übermittelt werden.

 

 

Steckbrief: Dr. Otto Kerbl, 

MA, begann seine Karriere im Bundesministerium für Inneres (BMI) nach dem Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Linz und Wien. Seit mehr als fünfzehn Jahren ist er in den Bereichen Personal, Compliance und Korruptionsbekämpfung tätig und bekleidete mehrere leitende Positionen im BMI. Im Jahr 2014 wurde er zum Leiter der Abteilung „Ressourcen, Support und Recht“ des BAK ernannt und absolvierte einen Master-Lehrgang an der International Anti-Corruption Academy (IACA). Im Jahr 2022 wurde er zum Direktor des BAK ernannt.

 







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