Cannabis – Europas illegale Droge Nr. 1
- fg
- vor 15 Stunden
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Cannabis ist die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge Europas.

Schätzungsweise 25 Millionen Europäerinnen und Europäer im Alter zwischen 15 und 64 Jahren konsumierten die Substanz innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Damit liegt die Jahresprävalenz*) bei 8,7 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Besonders verbreitet ist der Konsum bei jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen wird die Zahl der Konsumierenden auf rund 15,4 Millionen geschätzt.
Die Konsumentenzahlen entwickeln sich in Europa nicht einheitlich. Während einige Staaten steigende Prävalenzwerte melden, bleiben die Zahlen in anderen Ländern stabil oder gehen zurück. Auch Abwasseranalysen europäischer Städte liefern kein einheitliches Bild. In zahlreichen Städten wurden steigende THC-Rückstände festgestellt, während andere Regionen rückläufige Werte verzeichneten.
Neue Produkte verändern den Markt. Längst beschränkt sich der Cannabismarkt nicht mehr auf klassisches Marihuana oder Haschisch. In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl neuer Produkte entstanden. Neben CBD-Produkten mit niedrigem THC-Gehalt finden sich zunehmend hochkonzentrierte Extrakte, essbare Cannabisprodukte sowie halbsynthetische Cannabinoide im Handel. Diese Entwicklung verändert die Risikolandschaft erheblich.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Produkten, die synthetische oder halbsynthetische Cannabinoide enthalten. Einige dieser Stoffe werden aus Cannabidiol gewonnen und können deutlich stärkere psychoaktive Wirkungen entfalten als herkömmliches Cannabis. Gleichzeitig steigt das Risiko unerwarteter Nebenwirkungen und akuter Vergiftungen.
Für Sicherheitsbehörden entsteht dadurch eine zusätzliche Herausforderung. Die chemische Zusammensetzung neuer Produkte verändert sich oft schneller, als gesetzliche Regelungen angepasst werden können. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen legalen und illegalen Märkten zunehmend.
Gesundheitliche Folgen. Die Diskussion über Cannabis wird häufig von Fragen der Legalisierung dominiert. Der Europäische Drogenbericht verweist darauf, dass insbesondere regelmäßiger und hochfrequenter Konsum erhebliche Risiken mit sich bringen kann. Personen, die täglich oder nahezu täglich konsumieren, weisen das höchste Risiko für gesundheitliche und soziale Folgeschäden auf. Zu den dokumentierten Folgen zählen Atemwegserkrankungen, Abhängigkeitsentwicklungen, psychotische Symptome sowie Einschränkungen schulischer und beruflicher Leistungsfähigkeit. Die zunehmende Produktvielfalt erschwert dabei sowohl die medizinische Bewertung als auch die Entwicklung geeigneter Behandlungsstrategien.
Cannabis dominiert die Suchthilfe. Die Bedeutung von Cannabis zeigt sich auch im Bereich der Drogenbehandlung. Rund ein Drittel aller drogenbezogenen Behandlungsaufnahmen in Europa entfällt inzwischen auf Cannabis. Damit stellt die Substanz die größte Einzelgruppe innerhalb der Suchthilfe dar.
Im Jahr 2024 wurden etwa 104.000 Personen aufgrund cannabisbezogener Probleme behandelt. Rund 62.000 davon befanden sich erstmals in einer entsprechenden Behandlung. Cannabis war damit die am häufigsten genannte Primärdroge unter Erstklienten und machte 41 Prozent aller Erstbehandlungen aus.
Bemerkenswert ist der zeitliche Abstand zwischen Konsumbeginn und Behandlung. Durchschnittlich liegen elf Jahre zwischen dem ersten Cannabiskonsum und dem Eintritt in eine therapeutische Maßnahme. Dies deutet auf eine lange Phase möglicher Risikoexposition hin und verdeutlicht die Wichtigkeit früher Präventionsmaßnahmen.
Organisierte Kriminalität passt sich an. Für Sicherheitsbehörden besonders relevant ist die Entwicklung der kriminellen Märkte. Der europäische Cannabismarkt wird auf ein Volumen von mehr als zwölf Milliarden Euro geschätzt. Entsprechend attraktiv bleibt er für organisierte kriminelle Gruppen. Mehrere Mitgliedstaaten berichten über ein hohes Maß an Gewalt im Zusammenhang mit dem Cannabishandel.
Trotz internationaler Schmuggelstrukturen wird ein erheblicher Teil des in Europa konsumierten Cannabis innerhalb Europas produziert. Besonders Spanien spielt hierbei eine zentrale Rolle. Im Jahr 2024 entfielen rund 75 Prozent aller in der Europäischen Union sichergestellten Cannabispflanzen auf Spanien.
Liberalisierung als europäisches Experiment. Neben den Veränderungen auf den illegalen Märkten entwickelt sich auch die europäische Cannabispolitik weiter. Mehrere Staaten haben in den vergangenen Jahren ihre Gesetzgebung reformiert oder entsprechende Prozesse eingeleitet.
Malta legalisierte bereits 2021 den begrenzten privaten Anbau und Besitz kleiner Mengen. Luxemburg folgte 2023 mit ähnlichen Regelungen. Deutschland führte 2024 neue Vorschriften ein, die Eigenanbau sowie Besitz und Konsum kleiner Mengen erlauben. Darüber hinaus existieren Modelle regulierter Anbauvereinigungen.
Die Niederlande testen seit 2025 eine kontrollierte Lieferkette für Cannabis in ausgewählten Gemeinden. Tschechien hat Anfang 2026 neue Regelungen für den privaten Eigenanbau beschlossen. Auch Spanien hat den privaten Konsum und Besitz weitgehend entkriminalisiert.
Aus Sicht der Sicherheitsforschung handelt es sich dabei um ein großangelegtes europäisches Experiment. Ob die neuen Regelungen zu einer Schwächung illegaler Märkte, einer Reduktion kriminalitätsbezogener Belastungen oder einer Veränderung des Konsumverhaltens führen, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen.
Steigende Wirkstoffgehalte als Risikofaktor. Eine der auffälligsten Entwicklungen betrifft die Potenz der Produkte. Besonders bei Cannabisharz wurden in den vergangenen Jahren erhebliche Steigerungen des THC-Gehalts festgestellt. Im Jahr 2024 lag der durchschnittliche THC-Gehalt von sichergestelltem Cannabisharz bei 24,6 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie jener von pflanzlichem Cannabis. Zwischen 2014 und 2024 stieg der durchschnittliche THC-Gehalt von Cannabisharz um 66 Prozent. Beim pflanzlichen Cannabis betrug der Anstieg im selben Zeitraum 19 Prozent.




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