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Mehr Gewalt gegen Kinder & Jugendliche

  • -gb-
  • 1. Mai
  • 2 Min. Lesezeit


Täglich melden sich neun junge Menschen wegen einer Gewalterfahrung beim psychosozialen Beratungsdienst von Rat auf Draht. Im Jahr 2025 führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung 3.217 Beratungsgespräche, die in die Kategorie Gewalt fielen. Das war der bisherige Höchststand und eine Zunahme von 9,1 Prozent gegenüber 2024.

Besonders stark war der Zuwachs bei körperlicher Gewalt. Diese war der häufigste Grund für Beratungen (840 Gespräche). Es ging um Kinder und Jugendliche, die geschlagen wurden, gestoßen, getreten, gezwickt, geschüttelt, gewaltsam festgehalten, an den Haaren gezogen, mit Gegenständen beworfen oder gegen die Wand geschlagen. Die Zahl gemeldeter Fälle körperlicher Gewalt in Familien nahm 2025 um 17 Prozent zu, in der Schule um 33,8 Prozent und in der Partnerschaft um 5,7 Prozent.

Unter psychische Gewalt fallen Beschimpfungen Abwertungen, Demütigungen, permanente Kritik sowie absichtliches Ignorieren. Psychische Gewalt nahm vor allem in der Familie zu (+ 16,8 %) und in der Partnerschaft zu (+ 14,6 %). Die Zahl gemeldeter Cyber-Mobbing-Fälle stieg um 11 Prozent, Stalking um 17,1 Prozent.

„Die Gründe für die Zunahmen sind unter anderem Familienbelastungen wie Stress, Trennung der Eltern, Armut oder Vernachlässigung“, sagt Birgit Satke, Leiterin von Rat auf Draht. „Gewaltvideos oder aggressive Inhalte im Internet können Nachahmungseffekte auslösen und die Hemmschwelle für Gewalt senken. Auch fehlende oder zu späte Hilfe kann die Gewaltspirale verstärken.“

Mädchen und junge Frauen sind deutlich öfter von Gewalt betroffen, besonders, was Gewalt in der Familie betrifft, sexuellen Missbrauch sowie Mobbing. Auf sie entfielen im Vorjahr 2.082 Gespräche. Burschen und junge Männer wandten sich im Vorjahr 1.052-mal an das Beratungsteam.

 

Leidensdruck nehmen. „In den Beratungen versuchen wir, den Betroffenen den Leidensdruck zu nehmen, so gut es geht“, sagt Satke. „Wir versuchen zu vermitteln, dass sie nicht schuld sind, und ermutigen sie, sich jemandem anzuvertrauen oder sich an Stellen wie die Kinder- und Jugendhilfe zu wenden.“

Früher wurde Gewalt in der Familie oft verharmlost. „Heute gibt es eine größere gesellschaftliche Sensibilität“, sagt Satke. „Gesetzliche Veränderungen und Präventionsprogramme haben das Bewusstsein geschärft. Außerdem gibt es heute mehr Möglichkeiten, sich anonym Hilfe zu holen als früher.“ Dennoch falle es vielen Jugendlichen schwer, über Gewalt zu sprechen, gerade bei sexualisierter oder familiärer Gewalt. Neben den klassischen Formen von Gewalt sind neue Formen hinzugekommen, wie Cyber-Mobbing, Hass im Netz und digitale Gewalt. „Gewalt kann heute rund um die Uhr und überall stattfinden, vor allem in sozialen Medien“, sagt Satke.

 





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