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Zoll schließt illegale Zigarettenfabrik

Aktualisiert: Jan 4

Insgesamt 13 Tonnen Tabak und zahlreiche Geräte zur maschinellen Herstellung von Zigaretten, stellte die Wiener Zollfahndung am 12. November 2020, in einer gemeinsamen Aktion mit Einheiten der Wiener Polizei, in einer Lagerhalle im 21. Wiener Gemeindebezirk sicher. Einer der mutmaßlichen Täter konnte unmittelbar nach der Durchsuchung der Halle festgenommen werden.

Die illegale Produktionsstätte befand sich gerade im Aufbau und dürfte nur kurze Zeit in Betrieb gewesen sein. Die Produktionsstraße wurde vom Zollfahndungsteam beschlagnahmt und abtransportiert.


Sichergestellte Zigarettenverpackungsanlage (Foto: BMF/Zoll)

Aufmerksam wurde die Exekutive auf die illegale Zigarettenfabrik aufgrund konkreter Informationen eines Hinweisgebers. Die Zugänge zum Gebäude waren versperrt. Sie konnten von den Einsatzkräften nur mit Gewaltanwendung geöffnet werden. In der Halle befand sich eine komplette Produktionsanlage zum Herstellen von Zigaretten sowie Schlaf- und Wohnräume der Arbeiter. Diese flüchteten durch eine Öffnung in einer Gipskartonwand über ein Nebengebäude. Einer der Flüchtigen, ein Mann mit griechischer Nationalität, konnte kurze Zeit später festgenommen werden.


Zahlreiche Geräte sichergestellt. Das Herzstück, die Zigarettenherstellungsmaschine, wurde nach Angaben eines hinzugezogenen Experten von Philip Morris in der Tschechischen Republik hergestellt. Die weiteren Geräte stammen aus der Türkei und aus dem asiatischen Raum. Die Schließung von legalen Zigarettenfabriken in Osteuropa führte dazu, dass diese Zigarettenherstellungsmaschine über dunkle Kanäle in die Hände von Kriminellen gelangte.

Arbeitslos gewordene Arbeiter und Maschinisten werden von Kriminellen angeworben, arbeiten für einen Hungerlohn in derartigen illegalen Produktionsstätten und führen ein äußerst tristes Dasein. Persönliche Gegenstände werden ihnen abgenommen und sie dürfen während ihres mehrwöchigen oder -monatigen Aufenthaltes die Zigarettenfabrik nicht verlassen.


Strom durch Dieselaggregat. Die tägliche Fertigungsmenge der Zigarettenherstellungs- und Verpackungsmaschine beträgt 2.000 bis 2.500 Stangen Zigaretten. Für deren Bedienung werden sieben Arbeitskräfte benötigt. Eine Tabak-Schneidemaschine war ebenso vorhanden wie ein Tabaktrocknungszylinder, ein Dieselaggregat und ein Druckluftkompressor. Um durch den hohen Stromverbrauch der Maschinen nicht die Aufmerksamkeit der Elektrizitätswerke zu erwecken, wurden diese Geräte nicht über das öffentliche Stromnetz, sondern über ein unabhängiges Dieselaggregat betrieben. An den Wänden angebrachte Dämmmatten schirmten den Lärm nach Außen ab.


Störsender. Sichergestellt werden konnte auch ein von den Kriminellen verwendeter Störsender. Dieser sollte etwaige eingesetzte elektronische Geräte zum Orten von Handys oder Funksignalen der Ermittler wirkungslos machen.


1,5 Mio Euro Umsatz binnen 10 Wochen. Der Experte von Philip Morris schätzt, dass die Zigarettenproduktionsmaschine 10 Wochen in Betrieb war und in diesem Zeitraum etwa 52.000 Stangen Zigaretten produziert, weggebracht und veräußert wurden. Der Wert auf dem Schwarzmarkt: mindestens 1,5 Millionen Euro.


13 Tonnen Tabak sichergestellt. Weitere 13 Tonnen Tabak-Feinschnitt sowie zahlreiche Paletten mit Zigarettenfilter, Papier, Kartons und Folien die sichergestellt wurden, hätten ausgereicht, um weitere 65.000 Stangen Zigaretten für den Schwarzmarkt zu produzieren, wodurch die Kriminellen weitere 2 Millionen Euro lukriert hätten. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 wurden insgesamt 25.000 Stangen Zigaretten sichergestellt, sowie 5,9 Tonnen Rauchtabak, was für weitere etwa 30.000 Stangen gereicht hätte. Zuletzt wurde im Jahr 2018 eine ähnliche illegale Produktionsstätte im Raum St. Pölten entdeckt, wo insgesamt 32,8 Mio Tonnen Tabak beschlagnahmt wurden.


3,5 Mio Euro Tabaksteuer hinterzogen. Die Tabaksteuer für den sichergestellten und bereits verarbeiteten Tabak beträgt in Österreich 3,5 Millionen Euro. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Kriminellen über ein Verteilernetz in ganz Europa verfügen. Die Hauptverantwortlichen erwartet neben Steuernachzahlungen in Millionenhöhe ein Gerichtsverfahren wegen bandenmäßiger Abgabenhinterziehung und Betreiben einer illegalen Zigarettenfabrik. Das Strafhöchstmaß beträgt bis zu 10 Millionen Euro Geldstrafe und bis zu 5 Jahren Haftstrafe.






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