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  • Julia Brunhofer, Herbert Zwickl

Wer beharrlich verfolgt...

Stalking ist kein Kavaliersdelikt. Es bedeutet widerrechtliches Nachstellen, Belästigen oder Terrorisieren einer Person – und das sehr beharrlich. Psychische wie auch physische Gewalt dabei sind keine Seltenheit. Eine Beleuchtung aus polizeilichem, psychologischem und juristischem Blickwinkel.

Wohin der Psychoterror im Namen der Liebe führen kann, wird uns immer dann medial vor Augen geführt, wenn Stalking mit Mord endet. Die Spitze des Eisbergs, die glücklicherweise nur in Einzelfällen sichtbar wird. Stalking ist aber alltäglich. Vielfach passiert es im Schatten der Gesellschaft, weil sich die Betroffenen dafür schämen. Sie werden regelrecht mit Anrufen, SMSen, Geschenken, E-Mails oder vermeintlichen Liebesbotschaften bombardiert. Die Stalker lauern ihnen auf, beobachten sie, wollen unbedingt Kontakt herstellen. Viele Opfer reagieren auf diese Kontaktversuche, zumindest anfangs, denken, die Situation so beenden zu können. Doch ist das erst das Salz in der Suppe der Täter. Freilich ist nicht jedes Nachstellen gleich als Stalking zu werten. Polizeilich gesehen versteht man darunter „die widerrechtliche beharrliche Verfolgung einer Person“, weiß Gerhard Braunschmidt MA, MinRat, Leiter des Büros Prävention & Opferhilfe im Bundeskriminalamt.


Die Grundlagen. „Beharrlich wird eine Person verfolgt, wenn die Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt und dieses Verhalten über längere Zeit hindurch fortgesetzt wird. Dies kann durch Aufsuchen von räumlicher Nähe, im Wege eines Kommunikationsmittels oder über dritte Personen erfolgen. Weiters erfüllt das Bestellen von Waren oder Dienstleistungen unter Verwendung von personenbezogenen Daten der geschädigten Person den Tatbestand, genauso wie das Veranlassen von dritten Personen, mit dem Opfer Kontakt aufzunehmen.“

1717 Stalking-Straftaten wurden im Jahr 2020 laut .BK verzeichnet. 1.726 waren es im Jahr 2019. „Stalking tritt häufig, aber nicht zwingend, gemeinsam mit anderen strafrechtlich relevanten Delikten auf“, so Braunschmidt, „etwa Körperverletzung, Nötigung, gefährliche Drohung, Cybermobbing, Üble Nachrede, Beleidigung, Sachbeschädigung oder Urkundenunterdrückung.“ Frauen sind häufiger betroffen als Männer, zumindest erstatten sie häufiger Anzeige. Über die Dunkelziffer lässt sich nur spekulieren. Haben etwa Männer größere Probleme damit, sich in einer Opferrolle zu sehen. Somit sind ihnen die Vorfälle peinlich und sie schweigen darüber. Für die Psyche eine ebenso schwere Belastung, wie der Fall Thomas E. (Name von der Redaktion geändert) verdeutlicht.


Ein Betroffener erzählt. „Anfangs war mir der Stalking-Charakter der Handlungen dieser Person gar nicht als solches bewusst. Es war eine nette Kollegin, mit der ich viel zusammengearbeitet habe. Irgendwann nahm sie viel Raum in meinem Leben ein. Ein Gespräch darüber machte sie wütend, also brach ich den Kontakt ab. Ein Schritt, den sie nie verstehen wollte. Der Terror begann: Oft mehr als 10 SMSen pro Stunde – Belanglosigkeiten, Beschimpfungen, Entschuldigungen. Manchmal stand sie vor der Haustüre, einige Male war sie in meiner Wohngegend unterwegs und schickte mir Fotos davon, dann erschien sie an meinem Arbeitsplatz. Sie forschte mein Umfeld aus und versuchte so, mit mir in Kontakt zu treten. Sie stalkte meine Familie, beschimpfte mich, suchte Kontakt zu meiner Frau, wollte unbedingt an meinem Leben teilhaben. Mein Alltag wurde enorm beeinträchtigt. Man fängt an, sich buchstäblich vor jeder SMS zu fürchten, man geht beim Hintereingang aus dem Haus, um dieser Person nicht in die Arme zu laufen, man versucht Orte zu meiden, an denen man sie zufällig treffen könnte. Eine Situation, die belastet. Auch das Privatleben.“

Das kennt Gerhard Braunschmidt vom Opferschutz aus seiner täglichen Arbeit: „Die Auswirkungen für Opfer auf physischer, psychischer wie sozialer Ebene sind ähnlich wie jene bei traumatischen Erlebnissen. Sie können sich in posttraumatischen Belastungsstörungen oder Stress-Symptomen zeigen. Die psychischen Folgen können dazu führen, dass Opfer sich isolieren und immer mehr den Kontakt zur Umwelt verlieren. Durch die Dauer und Häufigkeit der Tathandlungen entsteht eine enorme Beeinträchtigung der Lebensgestaltung – auch wenn sie keine (lebens-)gefährlichen Auswirkungen für die Opfer haben, so führen sie doch zu Angst, Schlafstörungen, Albträumen, Magenbeschwerden und sonstigen körperlichen Schmerzen.“ Stalking, ein Psychoterror im Namen der Liebe, hinterlässt freilich seine Spuren an der Psyche des Opfers. Die klinische Psychologin Dr. Astrid Bartolot-Zips erkennt „desaströse Folgen. Schwerwiegende psychische Folgeschäden können entstehen, Angst, psychosomatische Beschwerden, Schlaflosigkeit bis hin zur Trauma-Folgestörung.“


Der psychologische Blickwinkel. Doch was steckt hinter Stalking-Verhalten? Was geht im Kopf der Täter vor? Für die Psychologinnen Mag. Stephanie Stabbauer und Mag. Christina Weger vom 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien hat es u.a. mit fehlendem Selbstwert zu tun: „Grundsätzlich geht es darum, den Kontakt zum Opfer in irgendeiner Form zu erzwingen und die betroffene Person damit zu quälen oder zu ängstigen. Dazu neigen vor allem Personen, die in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, mit Zurückweisung, Trennung und Kränkung umzugehen und daher versuchen, über Stalking-Verhalten die Beziehung aufrechtzuerhalten. Entwicklungspsychologisch kann man das als Bindungsverhalten mit dem Ziel der Selbstwertstabilisierung verstehen.“

Grob unterscheidet man gemäß Bartolot-Zips zwei Stalking-Kategorien: „Erstens: Täter und Opfer standen in einer, vermutlich intimen, Beziehung und sind nunmehr getrennt. Der Täter akzeptiert die Trennung nicht, oder nicht so, wie sie vollzogen wurde. Zweitens: Der Täter kennt das Opfer nicht oder kaum, überträgt aber bestimmte Eigenschaften auf dieses, z. B. aus früheren Erlebnissen mit anderen Personen. Hier existieren dann etwa Rachegedanken, oder gegenteilig, die Idee, sich das Opfer besitzhaft einzuverleiben.“ Zudem lassen sich fünf Stalking-Typen unterscheiden (siehe Kasten). „Die Ursache liegt immer in einem realitätsfernen bis pathologischen Besitzdenken bezüglich einer anderen Person. Auslösend ist meist eine narzisstische Kränkung. Der Stalker fühlt sich durch die Zurückweisung gekränkt, möchte das Opfer zermürben und in die Erfüllung seiner Ansprüche zwingen.“ Dies geschieht auf sehr unterschiedliche Weise, wie das Team des Frauennotrufs weiß: „Stalking zeigt sich in Form von Kontaktversuchen über Kommunikationsmedien, über Dritte wie Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder, sowie persönlich durch Auflauern vor der Wohnung oder Auftauchen am Arbeitsplatz, oder auch mittels Bestellungen, die im Namen der gestalkten Person getätigt werden. Häufig kommt es zu einer Kombination der Stalking-Formen mit unterschiedlicher Ausprägung.“


Kein eigenständiges Krankheitsbild. Medizinisch gibt es keine eindeutige Zuordnung zu einem Krankheitsbild. „Es sind dafür unterschiedliche dahinterliegende Diagnosen denkbar: Störungen aus dem Schizophrenen Spektrum, Störungen des Sozialverhaltens und Persönlichkeitsstörungen, aber auch Depressionen. Prinzipiell kann jemand auch rechtlich gesehen ein Stalker sein und medizinisch aber keine Diagnose erhalten.“ Das lässt sich auch von klinischer Seite bestätigen: „Es handelt sich nicht um eine einzeln umschriebene Diagnose, sondern um ein Phänomen, das ein wiederholtes, widerrechtliches Nachstellen, Be­läs­tigen oder Terrorisieren einer Person beschreibt, das psychische, manchmal auch physische, Gewalt inkludiert“, so Bartolot-Zips. „Ein Teil der Täter weist eine erhebliche psychische Erkrankung auf, die etwa wahnhaft ist oder im Zusammenhang mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung steht.“

Gibt es ihn also, den typischen Stalker? „Wesentlich ist, dass die Autonomie und Eigenständigkeit des anderen Menschen nicht akzeptiert werden kann. Welchen Teil von ‚Nein‘ kannst du nicht verstehen? Subjektiv steckt das Opfer bezüglich des Täters in den ‚roten Zahlen‘, es scheint ihm etwas zu schulden. Diese „Schuld“ kann einen nachvollziehbaren Hintergrund haben, etwa bei einer bösen Trennung im Vorfeld. Trotzdem ist sie eine Illusion, weil eine Beziehung immer auf beiderseitiger Freiwilligkeit beruht.“

Eine Gefährlichkeitseinschätzung muss durch die Zusammenschau der individuellen Faktoren vorgenommen werden. „Wichtige Kriterien hierfür sind das Vorliegen einer psychischen Erkrankung, auch Suchterkrankungen, die Vorgeschichte mit Gewalttätigkeit, konkrete Drohungen und die aktuelle Fixierung auf das Opfer, aber auch die Entfernung zwischen Täter und Opfer“, weiß man beim Frauennotruf. „Das Umfeld wird als weitere Möglichkeit gesehen, mit dem Opfer über Umwege in Kontakt zu treten oder dazu verwendet, ein Opfer unter Druck zu setzen, wenn ein naher Angehöriger bedroht wird.“

Aus der Fachliteratur geht hervor, dass Stalking-Opfer zu über 85 % Frauen und die Stalkenden zu 80 % Männer sind. Dennoch sind auch männliche oder gar gleichgeschlechtliche Opfer bekannt. „In der Therapie bemerke ich, dass speziell Männer mit hohem gesellschaftlichem Status gelegentlich in einen weiblichen Aufmerksamkeitsfokus geraten, der an Stalking grenzt“, so Bartolot-Zips. „Zumeist genügen klare Worte der Verweigerung und die Einstellung jeglichen Kontakts. Gelegentlich erleben Männer dies dennoch grundsätzlich als schmeichelhaft. Manche Männer werden zu Stalking-Opfern, indem sie sich auf Affären eingelassen haben, und möglicherweise falsche Versprechungen machten, was bei den späteren Täterinnen einen Rachegedanken auslöst. Frauen agieren beim Stalking allerdings selten mittels roher Gewalt. Dennoch müssen auch Männer sich ggf. als Opfer definieren, etwa, wenn rufschädigendes Verhalten ins Spiel kommt. Ein polizeiliches Einschreiten wird hier wohl deutlich schwieriger.“


Die gesetzliche Situation in Österreich. Erleichtert hat ein strafrechtliches Vorgehen gegen Stalker jedenfalls die Verankerung des Anti-Stalking-Gesetzes im StGB im Jahr 2006.

Damit sollte einerseits dem gestiegenen Respekt vor der Persönlichkeit eines Menschen und seinem Recht auf Selbstbestimmung Rechnung getragen werden. Andererseits sollte der Opferschutz auch im zivilrechtlichen Bereich gestärkt werden, indem ein Einschreiten der Sicherheitsbehörden bei der Vollziehung einstweiliger Verfügungen ermöglicht wird, um eine effektive Durchsetzung des Verbots der persönlichen Kontaktaufnahme, der Verfolgung und des Aufenthalts an bestimmten Orten sicherzustellen.

„Seither stellt § 107a Absatz 1 StGB das „widerrechtliche beharrliche Verfolgen“ einer Person unter Strafe.“, erklärt Mag. Christina Ratz, LL.M. vom Bundeministerium für Justiz. „Was darunter zu verstehen ist, wird in Absatz 2 definiert“ – und wurde zuvor schon ausgeführt. Allesamt Handlungen, die vielleicht per se noch nicht als strafbar wahrgenommen werden. Wichtig ist das große Gesamtbild der Situation. ‚Gemeinsame Voraussetzungen aller Fälle sind dabei die Fortsetzung des Verhaltens über längere Zeit und dessen Eignung, die betroffene Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen.‘ (vgl. Schwaighofer in Höpfel/Ratz, WK [2. Aufl.] StGB § 107a, Stand 27.4.2020, rdb.at.) ‚Das Verhalten muss demnach die Lebensgestaltung des Opfers nicht tatsächlich beeinträchtigen; es genügt vielmehr, dass es dazu geeignet ist – etwa, wenn sich das Opfer nicht mehr traut, das Telefon abzuheben, sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zu ändern, soziale Kontakte abbricht, wenn es die Wohnung nicht mehr ohne Begleitung verlässt oder gar seinen Wohnsitz verlegt oder seine Arbeitsstelle aufgibt.‘


Spezialfall „Cyber-Mobbing“. Außerdem gibt es seit dem Jahr 2016 noch zusätzlich § 107c StGB, welcher „Cyber-Mobbing“ unter Strafe stellt. Darunter versteht man das bewusste Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen einer Person mit elektronischen Kommunikationsmitteln wie dem Handy oder im Internet. Oft werden Foto- und Videoplattformen sowie Soziale Netzwerke dafür missbraucht. Bei diesem Tatbestand wird das Opfer ebenfalls unzumutbar in der Lebensführung beeinträchtigt.

42.806 Verfahren, davon 3.061 Verurteilungen, gab es seit dem Inkrafttreten des Anti-Stalking-Gesetzes (2006–2021, Stand: 31.05.2021). Im Fall von „Cybermobbing“ gab es insgesamt 2.725 Verfahren, davon 66 Verurteilungen (2016–2021, Stand: 31.05.2021). ‚Zu bedenken ist, dass neben einem Freispruch und einer Verurteilung auch die Erledigung mit Diversion, also einer außergerichtlichen Einigung, möglich ist.“ (vgl. Schwaighofer in Höpfel/Ratz, WK [2. Aufl.] StGB § 107a, RZ 5, Stand 27.4.2020, rdb.at) ‚Die relativ niedrige Verurteilungsrate könnte daher auf diesen Umstand zurückgeführt werden sowie darauf, dass in vielen Fällen die gesetzlich verlangte Beharrlichkeit fehlt.‘

Dennoch kann alleine die Tatsache, dass Stalking-Verhalten inzwischen strafbar ist, eine abschreckende Wirkung auf einige haben. „Die Anzeige kann bei jeder Polizeiinspektion im österreichischen Bundesgebiet erstattet werden“, erklärt Gerhard Braunschmidt vom BK. „Zudem bietet die Kriminalprävention zahlreiche Präventionstipps und persönliche Beratungsgespräche an. Auch die Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen in Österreich unterstützen die Opfer von beharrlicher Verfolgung bei der Antragstellung auf Einstweilige Verfügung und bieten professionelle Hilfe an.“


So verhalten sich Opfer bestmöglich. Wesentlich ist, da sind sich alle befragten Experten einig, Beweise zu sichern, ein Stalking-Tagebuch zu führen und das Umfeld zu benachrichtigen. Dazu konnte sich schließlich auch das Opfer Thomas E. durchringen: „Meine Frau ermutigte mich, ein stückweit mein Umfeld zu informieren. Ich ignorierte jeden Kontaktversuch von dieser Person konsequent, versuchte, ihr keinerlei Informationen, auch nicht digital, zugänglich zu machen. Der Schritt zu einer strafrechtlichen Verfolgung des Ganzen ist für mich nur im äußersten Fall denkbar. Ich will das Thema keinesfalls zu publik machen, weil es mir unangenehm ist. Die Kontaktaufnahmen wurden zwar inzwischen weniger, der Grad an Aggressivität darin schwankt sehr, je nach meinen Handlungen, die sie doch immer mal wieder erfährt, aber ein Ende fand dieser Terror bis heute nicht. Vielleicht wird er das auch nie...“

Hilft man den Tätern, ließe sich auch den Opfern helfen, ist die Juristin Mag. Karin Dietz vom Frauennotruf überzeugt: „Opferzentrierte Täterarbeit wäre ein ganz wichtiger Ansatz. Präventiv wird dies beim Delikt des Stalkings aktuell kaum praktiziert. Das hat einerseits mit den Tätern zu tun, denen es typischerweise an Einsichtsfähigkeit mangelt. Und andererseits würde präventive Sozialarbeit viel finanzielle Ressourcen brauchen. Ein wichtiges Instrument bietet § 50 StGB, nämlich die Erteilung von Weisungen und Anordnung der Bewährungshilfe. Davon müssten die Gerichte, meiner Meinung nach, mehr Gebrauch machen.“ Aus kriminalpolizeilicher Sicht gibt es die Möglichkeit der präventiven Rechtsaufklärung der Täter, erklärt Gerhard Braunschmidt: „Dieses Gespräch wird nur von besonders geschulten Exekutivbediensteten durchgeführt, setzt aber die Freiwilligkeit der Täter voraus. Daneben gibt es noch die Möglichkeit der Antragstellung auf Einstweilige Verfügung, bei deren Genehmigung durch das örtlich zuständige Bezirksgericht den Tätern ein Kontaktverbot auferlegt werden kann.“


Strategie: sich totstellen. Über die Hemmschwellen, überhaupt strafrechtlich aktiv gegen den Stalker vorzugehen, wissen die psychologischen Mitarbeiter des 24-Stunden-Frauennotrufes nur zu gut Bescheid: „Schwierig ist es oft zu verstehen, dass es keinen Sinn macht immer wieder in die Kommunikation mit dem Täter einzusteigen, um ihn vom Aufhören oder der Sinnlosigkeit seiner Kontaktversuche zu überzeugen. Umso wichtiger ist es, konsequent aufzutreten: den Kontakt einmalig abzubrechen und dann beim gewählten Weg zu bleiben.“ Das bestätigt auch die Polizei: ist ein klarer Verhaltensstopp gesetzt, sollte es keinerlei Reaktion auf etwaige Kontaktversuche geben. „Sehr oft neigen Opfer dazu, mit den Tätern eine letzte Aussprache zu führen“, weiß Braunschmidt. „Das Zustimmen signalisiert aber, dass das Opfer den Kontakt doch nicht unterbinden möchte.“ Es kann also zu sehr vielen „letzten Aussprachen“ kommen. „Auf keinen Fall sollte man, zum Schutz der Ehre des Täters, die eigenen Angehörigen uninformiert lassen“, rät die klinische Psychologin Astrid Bartolot-Zips. „Melden Sie einer Vertrauensperson, wo Sie hingehen, wo Sie sind. Verpfeifen Sie den Täter, anstatt ihn zu schützen. Leiten Sie E-Mails weiter, sodass auch andere informiert sind, die auf Ihrer Seite stehen. Der beste Weg, um einen Stalker wieder los zu werden ist Totstellen – nicht reagieren, keine Anrufe entgegennehmen, keine persönlichen Aussprachen, den Kontakt blockieren, nicht bei der Tür hereinlassen, bei der Polizei melden – manchmal genügt die diesbezügliche Androhung – und sich Hilfe suchen.“ „Niemand hat ein Recht, Sie zu einem Kontakt zu zwingen!“, ist der psychologische Dienst vom Frauennotruf überzeugt. „Egal, welche dahinterliegende Motivation sich dafür darstellt, sei es aus Rache, Eifersucht oder Verliebtheit. Sie allein bestimmen, mit wem Sie Kontakt haben möchten und in welcher Form.“


Buchtipp: Astrid Bartolot-Zips, Ich genüge! Befreiung von emotionalem und narzisstischem Missbrauch durch (Selbst-)Hypnosetechniken, März 2021, 251 Seiten, € 27,-, delta x Verlag.





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