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  • Werner Sabitzer

Spuren in der Asche

Nach dem Fund von verbrannten Leichenteilen im August 1977 auf dem Klippitztörl und bei Eberndorf in Kärnten führte ein Wäschereizettel zum Mörder. Er gestand einen zweiten Mord, den er 15 Jahre zuvor

begangen hatte.


Tatrekonstruktion im Mordfall Erika Zeier.

Schwammerlsucher machten am 5. August 1977 auf dem Klippitztörl im kärntnerisch-steirischen Grenzgebiet eine grausige Entdeckung. Auf dem Waldboden lagen ein Schädel, Arme und Beine. Die Leichenteile waren stark verbrannt.

Die Obduktion ergab, dass es sich beim Opfer um eine 18- bis 25-jährige, ca. 165 cm große Frau mit blonden Haaren handelte, die vermutlich erwürgt und mit einer hochtourigen Bandsäge zerstückelt worden war. Als Todeszeit wurde spätestens der 4. August 1977 bestimmt. Wer das Opfer war, konnte vorerst nicht festgestellt werden; es gab keine passende Abgängigkeitsanzeige. Weil im Bahnhof Lienz in Osttirol der Rucksack einer Touris­tin aus Kalifornien gefunden worden war, vermuteten die Kriminalisten, dass es sich bei der Toten um die Amerikanerin handeln könnte. Die Beschreibung des Gerichtsmediziners passte auf sie. Nachdem Zeitungen über den Fall berichtet hatten, meldete sich die vermeintliche Tote telefonisch aus Valencia.Die Ermittler stellten am Auffindungsort der Leichenteile den Stoffrest eines Kopfkissenüberzug sicher, der im Versandkatalog von „Moden Müller“ angeboten worden war. „Moden Müller“ hatte zwar die Namen der Kunden auf Magnetbändern gespeichert, das entsprechende Band war aber nicht mehr vorhanden. Damit zerschlug sich eine weitere Spur auf der Suche nach dem Mörder.

 

Verbrannter Rumpf. Zwei Wochen nach dem Fund der Leichenteile auf dem Klippitztörl entdeckte ein Bauer beim Mähen auf einer Wiese zwischen Eberndorf und Galizien im Bezirk Völkermarkt eine Feuerstelle mit einem verbrannten Klumpen, den der Bauer nicht zuordnen konnte. Am nächsten Tag verständigte er die Gendarmerie. Der Klumpen war ein verbrannter menschlicher Rumpf.

Bei der Durchsuchung der Asche fanden die Kriminaltechniker ein kleines Stoffstück, auf dem sich der Zettel einer Wäscherei befand. Aufgrund der Buchstaben-/Ziffernkombination auf dem Zettel konnten die Ermittler eine Wäscherei in Graz-Andritz und auch die Kundin eruieren. Es handelte sich um die 31-jährige Erika Zeier, eine Kellnerin aus Graz-Andritz und Mutter eines siebenjährigen Mädchens. Die Gendarmen trafen in ihrer Wohnung den 36-jährigen Ferdinand K. an. Der Mann erzählte den Ermittlern, seine Lebensgefährtin sei nach Italien gefahren. Bei Zeiers Arbeitgeber langte ein Brief ein, ich dem Erika Zeier mitteilte, dass sie kündige, weil sie eine bessere Arbeitsstelle gefunden hätte.

Zeiers Mutter sagte aus, dass sich ihre Tochter in der Firma wohl gefühlt und niemals gekündigt hätte. Der Brief an den Arbeitgeber erwies sich als fingiert. Nachdem bei einer genauen Untersuchung im Badezimmer der Wohnung Zeiers eine Blutspur im Ab­- flussrohr der Badewanne gefunden worden war, erhärtete sich der Verdacht, Ferdinand K. könnte mit dem Verschwinden seiner Lebensgefährtin etwas zu tun Er wurde auf dem Klagenfurter Messegelände verhaftet, wo er als Vertreter für eine Grazer Firma einen Messestand betreute.

 

Ferdinand K. wurde 1941 in Fürstenfeld geboren. Er absolvierte eine Installateur-Lehre und heiratete seine langjährige Verlobte, mit der er drei Kinder hatte. Er ließ ein Fertighaus errichten, konnte es aber nicht abzahlen. 1962 wurde er von seinem Arbeitgeber gekündigt, weil er die Firma bestohlen hatte. Seine Frau reichte die Scheidung ein.

Nach langen Verhören legte Ferdi­nand K. ein Teilgeständnis ab. Er behauptete, dass ihn seine Lebensgefährtin immer wieder betrogen hätte. Als er am 4. August nach Hause gekommen sei, hätte gerade einer ihrer Liebhaber das Haus verlassen und ein weiterer schon auf sie gewartet. Aus Eifersucht sei er in Rage geraten, habe Erika Zeier „im Affekt“ erwürgt und im Badezimmer mit einem Küchenmesser und nicht mit einer Bandsäge zerstückelt, wie es der Gerichtsmediziner vermutet hatte. Ferdinand K. gab an, er habe der Leiche auch die Ohren und die Nase abgeschnitten und die Leichenteile in Koffern verpackt. Er habe die Leichenteile auf dem Klippitztörl mit Benzin übergossen und angezündet und sei dann nach Galizien weitergefahren, wo er den Rumpf zu verbrennen versucht habe.

Die Gendarmen ermittelten ein anderes Tatmotiv, als es der Verdächtige behauptet hatte: Erika Zeier sei dahinter gekommen, dass ihr Lebensgefährte nicht wohlhabend gewesen sei, wie er immer behauptet habe, sondern verschuldet. Er habe sie bestohlen und sie dann beseitigt.

 

Ein zweiter Mord. Ferdinand K. wurde auch zu einem zweiten Mordfall als Verdächtigter befragt. Am 24. Dezember 1962, dem Heiligen Abend, fand ein Landwirt auf einem Maisacker in der Steiermark die Leiche einer jungen Frau. Die Leiche wies Stichwunden im Hals und Rumpf auf, die Kehle war durchschnitten. Beim Opfer handelte es sich um die 20-jährige Gerlinde Aigner. Sie war zehn Tage zuvor nach der Arbeit in Neudau in den Autobus gestiegen, um heim nach Fürstenfeld zu fahren. Dort war sie aber nie angekommen. Als Verdächtiger wurde ein Mann festgenommen, der geprahlt hatte, er kenne den Mörder. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen „Wichtigmacher“ handelte, der mit dem Mord oder dem Mörder nichts zu tun hatte. Weitere Verdächtige wurden einvernommen, darunter ein Gendarmeriebeamter, der Gerlinde Aigner näher gekannt hatte. 1963 wurde Ferdinand K. als Tatverdächtiger festgenommen, weil sein Lieferwagen zur Tatzeit in der Nähe des Auffindungsorts der Leiche geparkt war. Er leugnete den Mord und musste nach neun Monaten Untersuchungshaft freigelassen werden.

Als Ferdinand K. nach dem Frauenmord 15 Jahre später neuerlich zum Mordfall von 1962 einvernommen wurde, leugnete er, Gerlinde Aigner ermordet zu haben. Vor dem Untersuchungsrichter gestand er aber die Tat. Er habe eine geheime Liebesbeziehung mit Aigner gehabt, sei damals aber verlobt gewesen und habe befürchtet, dass seine Geliebte seiner Verlobten von der Beziehung erzählen könnte. Deshalb habe er Aigner „im Affekt“ getötet.

 

Lebenslange Freiheitsstrafe. Ferdinand K. musste sich im April 1978 wegen zweifachen Mordes vor dem Geschworenengericht verantworten. Er gab die Tötungen zu, behauptete aber, er hätte „im Affekt“ gehandelt und könne daher nicht wegen Mordes, sondern nur wegen Totschlags verurteilt werden. Laut dem psychiatrischen Gutachten handelte der Angeklagte nicht im Affekt, sondern geplant und gezielt. Ferdinand K. wurde von den Geschworenen am 18. April 1978 wegen zweifachen Mordes schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. In den 1990er-Jahren wurde er auf Bewährung freigelassen.                     


 

Quellen/Literatur:

Der zweifache Frauenmörder; in: Breitegger, Hans: Die großen Kriminalfälle in der Steiermark. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln, 2000, S. 131-136

Kleine Zeitung, 18. April 1978

Der Mörder Ferdinand K.; in: Kleine Zeitung, 5. Jänner 2022

Der brave Ferdl, der zwei Frauen getötet hat; in: Kleine Zeitung (Steiermark-Ausgabe), 3. Juli 2022








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