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  • Gerhard Brenner

Sekten: Glaube an Verschwörungen



Vom Jugendsatanismus über Suizidforen, Gruppierungen wie Scientology oder Sahaja Yoga bis hin zu Verschwörungstheorien und Staatsverweigerern: Die Sektenszene hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert.

„Die Pandemiejahre mit dem Aufkommen von Verschwörungstheorien, mit dem Ukrainekrieg und der Energiekrise haben viele Ängste ausgelöst“, sagt Mag. Ulrike Schiesser, Geschäftsführerin der Bundesstelle für Sektenfragen. „Das ist der Nährboden für Heilsversprechen, etwa aus dem Bereich der Esoterik.“ Neben vermehrten Angeboten am Lebenshilfemarkt mit frauenfeindlichen Ideologien sei sie derzeit oft mit Anfragen von Menschen konfrontiert, die sektenartige Gemeinschaften verlassen haben.

Um die Jahrtausendwende stand noch der Jugendsatanismus im Fokus der Aufmerksamkeit. Themen waren auch kollektive Selbstmorde und der mehrfach angekündigte Weltuntergang rund um den Millenniumswechsel.

Von der zunehmenden Nutzung des Internets und der sozialen Medien profitierte unter anderem die Esoterikszene. „Inzwischen ist das eine Art Supermarkt geworden, in den man shoppen geht“, sagt Schiesser. Derzeit orte sie eine Vermischung des spirituellen Marktes mit Verschwörungstheorien.

Ängste rund um die Pandemie und die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten werden durch Verschwörungstheorien genützt und verstärkt. Antisemitische Hetze und Gewalt gegen Schwule und Lesben werden häufiger. „Verschwörungsgläubige haben ihre Positionen nicht verändert, sondern radikalisiert“, betont Schiesser.

 

Staatsverweigerer wieder im Kommen. Die Staatsverweigerer sind nach einem Rückschlag nach Razzien beim „Staatenbund Österreich“ 2017 im Aufschwung und setzen auf eine Vermischung mit Verschwörungserzählungen. Zudem häufen sich Beschwerden über verdeckte Missionierungen, zum Beispiel auf Partnerbörsen, Sprachplattformen und Social Media.

Coaching- und Multi-Level-Angebote verleiten besonders junge Menschen zu hohen Investitionen und führen zu Ausbildungsabbrüchen. In manchen Fällen handelt es sich um Pyramidensysteme, die in erster Linie auf das Anwerben neuer Mitglieder abzielen. Die Praktiken werden vom Umfeld als „sektenartig“ wahrgenommen.

 

Demokratiefeindlich. Die Verbreitung von demokratiefeindlichen Verschwörungstheorien ist laut Schiesser besorgniserregend. Wäh­rend in der Pandemie vor allem Verschwörungstheorien und Falschinformationen rund um das Thema Covid-19 auf Telegram kursierten, stehen diese nun auch im Zusammenhang mit anderen tagespolitischen Themen und Krisen wie dem Angriffskrieg Russ­lands auf die Ukraine, der Klimakrise, Asyl und Migration, mit dem Themenbereich LGBTQI und seit dem 7. Oktober 2023 zunehmend dem Nahost-Konflikt.







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