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Mehr vertrauen in gefälschte Gesichter

Viele fallen auf Gesichter herein, die mit künstlicher Intelligenz (KI) hergestellt werden. Sie können die

KI-Kreationen kaum von echten Gesichtern unterscheiden. Aus einer kürzlich in der psychologischen Fachzeitschrift PNAS Studie geht hervor, Menschen finden die KI-Gesichter auch vertrauenswürdiger als echte. „Wir sollten uns Sorgen machen, da diese synthetischen Gesichter unglaublich effektiv für bösartige Zwecke verwendet werden können – etwa für Rachepornos und Betrug“, warnt Erstautorin Sophie Nightingale von der Lancaster University.

Mithilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich beliebig Gesichter in Bilder oder Videos einfügen. Auf diese Weise können Pornos hergestellt werden, in denen die Hersteller beliebige Personen auftreten lassen können – etwa die ehemalige Freundin oder den ehemaligen Freund, um sie oder ihn zu diskreditieren. So entstehen „Rachepornos“. Sophie Nightingale und Hany Farid, Informatikprofessor an der University of California, Berkeley, haben sich in ihrer Studie damit befasst, wie gut Menschen synthetische von echten Gesichtern unterscheiden können. „Wir haben herausgefunden, dass synthetische Gesichter nicht nur sehr realis­tisch erscheinen, sie werden als vertrauenswürdiger als echte Gesichter eingestuft“, erklärt Farid.

Das Team hat für die Untersuchung 400 KI-generierte Gesichter und 400 echte Fotos verwendet. Zunächst sollten 315 Versuchspersonen ohne und 219 mit einem Training zum Erkennen von gefälschten Fotos je 128 Bilder beurteilen, ob sie echt sind. Die Untrainierten kamen dabei auf knapp 50 Prozent Trefferquote, jene mit Training auf nur unwesentlich mehr (59 Prozent). Eine dritte Gruppe von 223 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern sollten die Vertrauenswürdigkeit von Gesichtern auf einer siebenteiligen Skala bewerten. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,82 Punkten schnitten die KI-generierten Gesichter um rund acht Prozent besser ab.


Täuschender Durchschnitt. Die Tatsache, dass die synthetischen Gesichter besser abschnitten, könnte Sophie Nightingale zufolge damit zusammenhängen, dass diese „durchschnittlicher“ aussehen als die echten Bilder. Menschen vertrauen alltäglicheren Gesichtern im Allgemeinen mehr als solchen die eigen wirken. Zwischen Gesichtern verschiedener Abstammung gab es beim Test kaum Unterschiede. Einzig Schwarze schnitten besser ab als Südasiaten.

Insgesamt waren die drei ver­trauens­würdigsten Gesichter von künstlicher Intelligenz erzeugt worden, während die vier am schlechtesten bewerteten Gesichter echt waren. Angesichts der Risiken und der Effektivität synthetischer Gesichter stellen die Autoren infrage, ob der potenzielle Nutzen künstlicher Intelligenz in diesem Fall die möglichen Risiken aufwiegt. Möglicherweise gehöre die Entwicklung auf Eis gelegt.




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