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Kriminalistische Höchstleistungen

Die Vereinigung österreichischer Kriminalisten ehrte am 16. Oktober 2020 im Wiener Rathaus Kriminalbeamtinnen und -beamte für ihre herausragenden kriminalistischen Erfolge. Die „Kriminalisten des Jahres 2020“ kommen aus Niederösterreich, Zweite wurden Ermittler aus Kärnten und Dritte ein Team aus Wien. Für sein Lebenswerk wurde ein Innsbrucker Suchtgiftermittler mit dem „Ernst-Hinterberger-Preis“ ausgezeichnet.



Das Siegerteam vom LKA NÖ (T. Purgar, O. Haijawi-Pirchner, M. Polzer, G. Bischof und C. Fraisl mit GD Dr. Franz Ruf

Begeistert von dem, was die Kriminalpolizistinnen und -polizisten, die es ins Finale des Bewerbs „Kriminalisten des Jahres“ schafften, geleistet hatten, zeigte sich der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Dr. Franz Ruf. „Es ist jedes Mal eine Freude, die Fälle zu lesen, die die Kriminalistinnen und Kriminalisten gelöst haben“, betonte er und gratulierte den Ausgezeichneten.

Der Preis „Kriminalist des Jahres“ wurde am 16. Oktober 2020 zum 16. Mal vergeben. Die Feier fand im Wiener Rathaus statt. „Uns ist es wichtig, einmal im Jahr die Kriminalistinnen und Kriminalisten vor den Vorhang zu holen, die in mühsamer Knochenarbeit Spuren sammeln, auswerten, Klinkenputzen und tage- und nächtelang observieren“, betonte Mag. Alfred Ellinger, Präsident der Vereinigung österreichischer Kriminalisten. Drei Finalfälle wurden am 16. Oktober 2020 ausgezeichnet, ebenso wie ein Kriminalbeamter aus Innsbruck, der für sein Lebenswerk geehrt wurde.

Generaldirektor Franz Ruf berichtete, die Kriminalität habe sich verlagert – „durch die Digitalisierung und die Informationsbeschleunigung“, erklärte er. Es sei wichtig, in diesen Bereich budgetäre Mittel zu investieren. Das Innenbudget zählt im kürzlich beschlossenen Bundesbudget zu jenen Bereichen, die am stärksten steigen, mit über sieben Prozent.


Kriminalisten aus NÖ Erste. Gerade was die Digitalisierung und Informationsbeschleunigung betrifft, stellen sich der Polizei bei Ermittlungen oft Schranken in den Weg. „Das war auch in unserem Fall mehrmals so“, berichtete der Landespolizeidirektor von Niederösterreich Franz Popp, BA MA. Die niederösterreichischen Kriminalpolizistinnen und -polizisten waren einem Einbrecherduo auf der Spur. Sie wurden für die Lösung des Falles von der Jury der Vereinigung österreichischer Kriminalisten mit dem Preis „Kriminalisten des Jahres 2020“ ausgezeichnet.

Die beiden gesuchten slowakischen Täter hatten sich auf den Einbruch in Bankomaten spezialisiert, die im Umfeld von Einkaufszentren angebracht waren. Sie rissen die Tresortüren der Bankomaten aus ihren Verankerungen, indem sie sie mit PS-starken, gestohlenen Fahrzeugen verbanden und losfuhren. Auf diese Weise plünderten die Täter vor allem in Niederösterreich 13 Bankomaten. Sie setzten jeden Tatort und zurückgelassene Tatfahrzeuge in Brand, um Spuren zu vernichten. Immer, wenn sie von der Polizei verfolgt wurden, lieferten sie sich filmreife Szenen. Sie durch- bzw. umfuhren Straßen­sperren, rasten mit ihren gestohlenen Fahrzeugen über Straßengraben und über Felder. Auf Autobahnen beschleunigten sie auf 270 bis 280 km/h und ließen selbst Cobra-Fahrzeuge hinter sich.

Hinzu kamen elf Kfz-Diebstähle, Geschäftseinbrüche in Neusiedl/See (Burgenland) und Bruck/Leitha (NÖ) sowie in ein Feuerwehrhaus in Bayern und zahllose Diebstähle von Kennzeichentafeln. Die Gesamtschadenssumme betrug 4,7 Millionen Euro.

Die Kriminalpolizei im Landeskriminalamt Niederösterreich gründete im Mai 2019 die „Operation Krähe“. Erst nach mehreren Anläufen gelang es, die Täter auszuforschen und im November 2019 festzunehmen. „Unsere Beamten haben mehrmals gemeint, es geht nicht weiter“, berichtete Franz Popp. Doch sie gaben nicht auf. „Die Ermittler haben immer wieder neue Wege gefunden und sind schließlich zum Erfolg gekommen.“ Die Täter wurden mittlerweile zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt.


LKA Kärnten auf Platz zwei. Auf dem zweiten Platz landeten Ermittler aus Kärnten. Sie klärten einen Mord auf. Die 47-jährige mutmaßliche „Bestimmungsmörderin“ hatte ihre Esoterik-Freundinnen und -Freunde in ihren Bann gezogen. Sie betrog ihre Opfer um insgesamt mindestens zwei Millionen Euro. Eine 72-Jährige wurde mutmaßlicherweise über Auftrag der charismatischen Frau erwürgt. Die Leiche war bereits zur Beerdigung freigegeben, als Kriminalbeamte nicht locker ließen und Ermittlungen in Gang setzten.

„In den letzten Jahren ist die Zahl der Obduktionen von Leichen um die Hälfte zurückgegangen – nicht nur in Österreich, in ganz Europa“, berichtete der Landeskriminalamtsleiter von Kärnten, Gottlieb Türk, BA. Nach Schätzungen von Gerichtsmedizinern bleiben in Österreich jedes Jahr etwa zwanzig Morde unentdeckt. „Wir schauen uns daher jeden verdächtigen Todesfall genau an. Wir haben schon Leichname aus Krematorien holen lassen – kurz bevor sie verbrannt worden wären.“

Im Fall des Kärntner Mordes im Oktober 2018 kamen mehrere Brandstiftungen hinzu. Die 44-jährige Komplizin der mutmaßlichen Haupttäterin soll Stadel und Häuser in der Umgebung des Hauses der offenbar hoch verschuldeten 47-jährigen Esoterikerin angezündet haben. Das Ziel soll gewesen sein, das Haus der Esoterikerin in Flammen aufgehen zu lassen, ohne dass auffiel, dass die Hausbesitzerin selber dahinter steckte. Danach wollte diese eine hohe Versicherungssumme kassieren.

Auch einen pflegebedürftigen 95 Jahre alten Mann sollte die mutmaßliche Auftragstäterin umbringen. Der Anschlag scheiterte.

Die beiden Frauen und eine Mittäterin bei den Brandstiftungen und Betrügereien wurden letzlich verhaftet und der Taten überführt. Sie wurden zu drei Jahren, zwanzig Jahren und lebenslanger Haft verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.


Home-Invasion verhindert. Dritte im Bewerb um den Kriminalisten des Jahres wurde die Wiener Kriminalbeamtin Claudia Dannhauser vom Ermittlungsbereich 10 (Menschenhandel) im Landeskriminalamt mit ihrem Team. Die Krimina­lis­tin und Kollegen des LKA Wien sowie weiterer Dienststellen verhinderten eine Home-Inva­sion (Einbruch bei Anwesenheit der Besitzer) in Steyr. Mit besonderer Hartnäckigkeit gelang es Dannhauser, das Zielobjekt auszuforschen, bevor die Täter zuschlagen konnten. Sie wurden teils am Tatort, teils später an anderen Orten und letztlich die Haupttäter in Wien, verhaftet.

Ihnen wurden Delikte quer durch das österreichische Strafrecht nachgewiesen. Die Bandenmitglieder wurden zu Haftstrafen zwischen 9 und 24 Monaten verurteilt.

„Kriminalpolizeiliche Arbeit ist heute von klassischer Kriminalitätsbekämpfung im Team und auch von diensteübergreifender Tätigkeit geprägt“, betonte Landespolizeivizepräsident Dr. Michael Lepuschitz. „Man kann längst nicht mehr davon ausgehen, dass Täter nur in einem Deliktsfeld aktiv sind.“


„Wart, do wor amoi was“. Für diese Aussage ist der Innsbrucker Kriminalbeamte Markus Wander bekannt. Er wurde am 16. Oktober 2020 von den Kriminalisten für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Wander trat im November 1980 in die damalige Bundespolizeidirektion Innsbruck ein, besuchte 1985 den Kriminalbeamtenkurs in Wien, verschrieb sich danach der Bekämpfung der Suchtgiftkriminalität und ist heute der längst dienende Suchtgiftermittler in Tirol. Seit 2003 ist er Gruppenführer in der Innsbrucker Kriminalpolizei. Er gilt als „Kiberer der alten Schule“. Die Laudatio für ihn hielt der Leiter der Kripo Innsbruck, Oberstleutnant Christoph Kirchmair, BA MA.

Von 1992 bis 2000 begleitete Wander jede Hausdurchsuchung bei Drogendealern – mit seiner Schäferhündin „Uschi“. 1987 nahm er den ersten Bodypacker am Innsbrucker Flughafen fest. Ein Drogenkurier hatte etwa 100 Kapseln geschluckt, gefüllt mit Kokain. 1990 war er nach der Ermordung eines Kindes als einer der ersterhebenden Kriminalbeamten am Tatort. Umgebracht hatte das Kind dessen Mutter, mit zahllosen Messerstichen. Markus Wander war 1999, nach der Katastrophe am Bergisel, wo es bei der „Air-and-Style“-Veranstaltung bei der Innsbrucker Skisprungschanze zu einer Massenpanik gekommen war, auch einer der Ers­ten am Unglücksort.

Markus Wander erhielt im Laufe seiner Dienstzeit 27 schriftliche Belobigungen und zahlreiche Geldbelohnungen. „Markus Wander ist als Fachbereichsleiter bekannt für seinen Führungsstil, geprägt von Empathie und Kollegialität“, sagte Christoph Kirchmair.




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