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Gefälscht, gefährlich, global

  • fg
  • 4. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Produktpiraterie ist längst mehr als ein wirtschaftliches Delikt. Gefälschte Medikamente, unsichere Spielwaren, imitierte Schutzausrüstung und nachgebaute Industriekomponenten zeigen, dass Fälschungen zunehmend auch Gesundheit, Verbraucherschutz und öffentliche Sicherheit betreffen.

Die Bilder auf dem Titelblatt des Produktpiraterieberichts 2025 wirken auf den ersten Blick fast harmlos: bunte Badeenten, gestaltet wie bekannte Comic- und Filmfiguren. Tatsächlich stehen sie exemplarisch für eine Entwicklung, die Sicherheitsbehörden zunehmend beschäftigt. Das Österreichische Patentamt brachte es in seiner Einordnung auf den Punkt: „Gefälschte Badeenten klingen harmlos – doch der Schein trügt.“ Bei der Kontrolle der Ware im Hafen Wien bestätigte sich nicht nur der Verdacht auf eine Markenrechtsverletzung. Eine chemische Untersuchung ergab zusätzlich, dass die Produkte sicherheitsrechtliche Anforderungen nicht erfüllten.

Der österreichische Zoll verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 3.204 Produktpiraterie-Aufgriffe. Daraus resultierten 4.635 Verfahren, weil einzelne Sendungen vielfach Fälschungen mehrerer Rechteinhaber betrafen. Insgesamt wurden 115.850 Produkte mit einem geschätzten Originalwert von mehr als zwölf Millionen Euro beschlag­nahmt.

Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr darf jedoch nicht als Entwarnung verstanden werden. Der Bericht führt ihn vor allem auf eine veränderte Kontrollstrategie zurück. Durch ein verbessertes Risikomanagement mit der Österreichischen Post werden verdächtige Sendungen bereits früher erkannt und teilweise vor dem formellen Zollverfahren ausgeschleust. Das Österreichische Patentamt fasst diese Entwicklung mit der Formel „Weniger Aufgriffe, bessere Kontrollen“ zusammen.

 

Onlinehandel als Treiber. Besonders deutlich wird die strukturelle Veränderung im Postverkehr. 2025 wurden allein dort 4.231 Verfahren im Zusammenhang mit online bestellten Fälschungen eingeleitet. Die meisten dieser Sendungen sind Kleinstbestellungen aus dem Internet. Für die Zollverwaltung bedeutet das einen erheblichen Aufwand: Jede Sendung muss geprüft, dokumentiert und gegebenenfalls rechtlich weiterbehandelt werden.

Anders stellt sich die Lage im Luftverkehr dar. Dort wurden in nur 385 Verfahren mehr als 87.000 gefälschte Artikel aufgegriffen. Damit entfielen mehr als drei Viertel aller sichergestellten Produkte auf den Luftverkehr. Der Unterschied zeigt: Während der Postverkehr von Masse und Kleinsendungen geprägt ist, finden sich in der Luftfracht häufig größere, gewerblich organisierte Lieferungen.

 

Gesundheitsrisiko. Besonders sicherheitsrelevant sind jene Fälschungen, die unmittelbar die Gesundheit von Menschen gefährden können. Ein Beispiel sind die im Bericht dokumentierten knapp 30.000 gefälschten FFP2-Masken, die am Flughafen Wien aufgegriffen wurden. Bei Schutzausrüstung bedeutet eine Fälschung nicht nur eine Markenrechtsverletzung, sondern auch ein konkretes Sicherheitsrisiko.

Noch problematischer ist der Bereich illegaler Arzneimittel. 2025 wurden in Österreich 4.012 Sendungen mit insgesamt 398.118 gefälschten oder anderen illegalen Medikamenten beschlagnahmt. Der Bericht nennt insbesondere Potenzmittel, fruchtbarkeitsfördernde Produkte, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie schmerz- und entzündungshemmende Arzneien. Viele dieser Präparate werden über Internetportale bestellt, die Seriosität vortäuschen.

Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl warnte in Zusammenhang mit einem Medikamentenaufgriff am Flughafen Wien: „Geschmuggelte Medikamente entziehen sich jeder Qualitätskontrolle.“ Diese Aussage beschreibt das Problem treffend. Bei illegal eingeführten Arzneien ist nicht überprüfbar, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, ob Wirkstoffe korrekt dosiert wurden oder ob die Produkte unter hygienisch akzeptablen Bedingungen hergestellt wurden.

Ein besonders markanter Fall ereignete sich im Sommer 2025 am Flughafen Wien. Bei einer Reisenden aus Delhi wurden fast 25.000 Tabletten mit mutmaßlich potenzsteigernder Wirkung entdeckt. Die Tabletten befanden sich in zwei Sporttaschen. Ein Zollhund zeigte auffälliges Interesse, anschließend erhärtete eine Röntgenkontrolle den Verdacht. Die Pillen wurden sichergestellt.

 

Sicherheitsprobleme. Der Bericht macht auch deutlich, dass Produktpiraterie längst nicht mehr nur klassische Konsumgüter betrifft. Im April 2025 wurden gefälschte Stütz- und Kurvenrollenlager sowie Zylinderrollenlager aufgegriffen. Solche Bauteile werden in industriellen Produktionsmaschinen eingesetzt. Bei minderwertiger Qualität können sie Maschinenstillstände, Sachschäden oder Personengefährdungen verursachen. Produktpiraterie wird damit zur Frage technischer Sicherheit.

Diese Entwicklung bestätigt auch der Zoll selbst. In der Zollbilanz 2025 heißt es, der Zoll schütze nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten vor potenziell unsicheren Produkten, sondern auch Unternehmen vor Wettbewerbsverzerrung. Der Schutz geistigen Eigentums ist daher nicht nur ein Anliegen von Markeninhabern, sondern Teil eines umfassenderen Wirtschafts- und Sicherheitsinteresses.

 

Der Kampf verlagert sich ins Digitale. Zollexperte Bernhard Herics warnte zudem, minderwertige und gefälschte Waren könnten „gesundheitsgefährdend oder sogar lebensgefährlich“ sein. Das betrifft nicht nur Medikamente, sondern auch Spielzeug, Kosmetika, Elektrogeräte, Ersatzteile oder Schutzausrüstung. Gerade im Onlinehandel ist für Konsumentinnen und Konsumenten oft kaum erkennbar, ob es sich um ein Originalprodukt oder eine Fälschung handelt.

Europäische Daten bestätigen die Dimension des Problems. 2024 wurden an den EU-Außengrenzen und im Binnenmarkt rund 112 Millionen gefälschte Waren festgehalten. Ihr geschätzter Wert lag bei 3,8 Milliarden Euro. China bleibt wichtigste Herkunftsregion, gefolgt von der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Post- und Expressdienste gelten weiterhin als zentrale Transportwege.

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