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Drogen enthalten Mist



Im Programm Checkit der Stadt Wien wurden im Jahr 2020 982 Substanzen untersucht. 56 Prozent enthielten den psychoaktiven Wirkstoff, den sie enthalten sollten. In 31 Prozent der Substanzen war zumindest ein zusätzlicher, unerwarteter Wirkstoff enthalten. 13 Prozent der Substanzen wiesen eine gesundheitlich bedenkliche Zusammensetzung auf. Das geht aus dem Jahresbericht 2020 von Checkit hervor.

Besonders häufig kam es bei „Speed“ zu unerwarteten Ergebnissen, also zu Vermischungen mit Streckstoffen. Der häufigste Streckstoff war Koffein, der in 123 von 203 Proben (61 %) in unterschiedlich hohen Dosierungen enthalten war.

„In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass das Aussehen oder der Geruch nichts über die tatsächlichen Inhaltsstoffe aussagt“, sagt Bettina Hölblinger, Leiterin von Checkit. Bei Ecstasy war in beinahe 95 Prozent der untersuchten Tabletten ausschließlich der Wirkstoff MDMA enthalten. „Damit hat sich die Zusammensetzung der Tabletten in den vergangenen 15 Jahren deutlich verändert“, sagt Höblinger. „Damals haben diese kaum MDMA enthalten, sondern teilweise gesundheitlich besonders bedenkliche Substanzgemische. Der MDMA-Gehalt pro Tablette ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Dadurch kann es aber auch leichter zu Überdosierungen kommen, wenn eine ganze Tablette eingenommen wird.“


Reineres Kokain. Kokain verzeichnete ebenfalls einen starken Anstieg des Kokain-Gehalts zwischen 2012 und 2016 und hat sich seither auf einem hohen Niveau eingependelt. Dennoch enthielten 36 Prozent der analysierten Proben Streckstoffe – besonders häufig Levamisol. Levamisol ist ein Arzneimittel, bei dem als Nebenwirkungen allergische Reaktionen berichtet werden, beispielsweise Schwierigkeiten beim Atmen, Anschwellen des Gesichts oder Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems, wie Verwirrungszustände oder Bewusstlosigkeit.

„Mit Checkit bieten wir mehr Sicherheit für Konsumierende, indem Substanzen untersucht und analysiert werden“, betont Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Drogen- und Suchtfragen der Stadt Wien. Das Drug-Checking wurde nun auch als Vorhaben in den deutschen Koalitionsvertrag aufgenommen.


Checkit. Die „Informations- und Beratungsstelle zu Freizeitdrogen, deren Wirkungen, Nebenwirkungen und Risiken“ ist eine Einrichtung der Suchthilfe Wien GmbH. und betreibt mit dem Klinischen Institut für Labormedizin der Medizinischen Universität Wien ein Projekt zur Erforschung von Konsumtrends und Veränderungen am Markt. Die Substanzen können bei Events analysiert werden, beim stationären Drug-Checking oder bei kooperierenden Apotheken. Das Projekt ist nicht unumstritten, weil es Drogenkonsumenten zu viel Sicherheit bieten und zum Missbrauch anregen könnte.




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