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Ausbeutung zu Arbeit, Sex und Kriminalität


Jährlich werden weltweit rund 1,2 Millionen Kinder Opfer von Menschenhandel. Das schätzen Experten der UNICEF. Von Kinderhandel ist die Rede, wenn die Betroffenen unter 18 Jahren sind und zum Zweck der Arbeitskraft ausgebeutet werden, der Pros­titution, Pornografie, der rituellen Gewalt, Bettelei, zur Begehung von strafbaren Handlungen oder der Entnahme von Organen.

Das Innenministerium verzeichnete 2020, dem ersten Jahr der Covid-19-Pandemie, trotz der damit erschwerten Kontrollmöglichkeiten 66 Fälle, darunter zehn minderjährige Kinder – sechs Buben und vier Mädchen. Sie kamen aus Bulgarien, Ungarn und Nigeria. Sie wurden sexuell missbraucht, durch die Bettelei ausgebeutet sowie durch die Begehung von Straftaten. Die Dunkelziffer liegt weit höher.

Betroffene von Kinderhandel zu erkennen, stellt für die beteiligten Behörden wie die Polizei, die Asylbehörde oder die Kinder- und Jugendhilfe eine Herausforderung dar. Regelmäßige Schulungen für Polizisten, Sozialarbeiter oder das Gesundheitspersonal zu diesen Gefährdungsdynamiken könnten für die Anzeichen von Kinderhandel und deren Wahrnehmung sensibilisieren.

Die betroffenen Kinder und Jugendlichen haben meist kein Opferbewusstsein und stehen zu den ausbeutenden Familienangehörigen oder anderen Ausbeutern in einem Abhängigkeitsverhältnis. Oft werden sie ihren Eltern oder Obsorgeberechtigten „abgekauft“. Oder sie sind von Gewalt gegen sich und ihre Familien bedroht. Hinzu kommen oft Sprachbarrieren, fehlende oder gefälschte Dokumente.

Während es für erwachsene Menschenhandelsopfer spezialisierte Beratungs- und Betreuungsstellen gibt, ist ein solches Angebot für Kinder und Jugendliche auf Bundesebene nicht vorhanden. Der Kinderschutz liegt im Verantwortungsbereich der Bundesländer. Daher wäre eine ebenen-übergreifende Kooperation nötig.


Anonyme, sichere Umgebung. Werden Kinder als Opfer von Kinderhandel identifiziert, muss ihr Schutz umgehend in einer sicheren und anonymen Umgebung sichergestellt werden. In der Regel versuchen die Täter, die Kinder zurückzubekommen. Notwendig ist vor allem eine engmaschige Betreuung, um den Opfern die Angst vor Bedrohung zu nehmen. Notwendig ist auch ein professionelles Risiko- und Schutzmanagement.

Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention und dem Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern, haben Kinder das Recht auf Schutz vor Gewalt und Ausbeutung. Österreich hat sich verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um die physische und psychische Genesung sowie die soziale Wiedereingliederung von Kindern zu fördern, wenn sie Opfer von Ausbeutung geworden sind. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft fordert, dass Österreich eine spezialisierte Schutzeinrichtung für die Opfer einrichtet.

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