Einzigartigkeit am Handrücken


 

       

Magazin

Zutritt mit Handkuss

Der Verlauf der Venen ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Das wird seit neuestem bei Zutrittssystemen genützt.

Fingerprints und DNA, Augen-Iris und Gewebsverteilung im Gesicht – zu den bei jedem Menschen einzigartigen Merkmalen kommt ein neues hinzu: der Verlauf der Blutgefäße, einfach zu messen am Handrücken.
Der koreanische Forscher Alex A. Choi von der Miyongi-Universität fand in den neunziger Jahren heraus, dass die Blutbahnen bei jedem Menschen unterschiedlich verlaufen. "Der Verlauf der Adern und Venen ist ein Zufallsprodukt und wird nicht durch die Gene bestimmt", sagte Rainer Troester, Geschäftsführer der Rainer Troester Consulting GmbH aus Duisburg, bei der Österreich-Premiere des "Venenerkenners" während der Wiener Sicherheitsmesse "Austria Sicherheit". "Daher ist das Venenmuster auch bei eineiigen Zwillingen unterschiedlich – im Gegensatz zu Merkmalen, die durch die DNA bestimmt sind."

Der feine Unterschied

Computerprogramme sind in der Lage, die feinen Unterschiede in den Koordinatensystemen der Natur zu erkennen. Seit 2001 ist ein Scan-Verfahren serienreif und wird bei Zugangskontrollsystemen eingesetzt. Ein Scanner speichert das Venenmuster aller Zutrittsberechtigten und erkennt es, sobald einer der Betroffenen seine Hand zum Scan unter einen Miniscanner hält, innerhalb einer halben Sekunde. In Japan, Singapur und Südkorea sind etwa 2.000 Zutrittskontrollen in Betrieb.
Vor kurzem bestellte die Polizei in Tokyo (Japan) vorerst 40 Geräte, nachdem sie das Verfahren ein Jahr lang getestet hatte. Es wurde mit anderen "biometrischen" Zugangskontrollen verglichen, zum Beispiel mit einem System, das Gesichter erkennt. "Systeme wie die Iris-Erkennung sind relativ aufwändig und wesentlich teurer", erklärte Troester. Zudem weisen sie Schwachstellen auf. Nach Aussagen Troesters ist der Venenvergleich ausgereift und zuverlässiger als der Fingerabdruck und die Gesichtserkennung.

Fälschung angeblich unmöglich

Um "Handrückenfälschungen" vorzubeugen, misst das Scan-Gerät mehrere Merkmale, etwa die Körpertemperatur. Venen, die nicht direkt unter der Haut liegen und schwächer angezeigt werden, werden durch Algorithmen hochgerechnet.
Das System wird seit kurzem in Kanada eingesetzt, auf den Flughäfen in Toronto und Ottawa. "Vor alllem das Bodenpersonal, das die Flugzeuge wartet, hat oft schmutzige Hände. Da wäre ein Zutrittssystem hinderlich, das etwa auf Fingerabdrücken basiert", erläuterte Troester. Bei der Venenerkennung fällt dieses Problem weg.

kripo-online, 1. April 2004