Bargeld ist Mittel Nummer eins, um Geld zu waschen.


 

       

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Geldwäsche

Weniger Verdachts-meldungen an die Geldwäschemeldestelle.

Insgesamt 3.494 Eingänge verzeichnete die Geldwäschemeldestelle im BK im Jahr 2018, 2017 waren es 3.820 Meldungen. In 2.744 Fällen handelte es sich um konkrete Geldwäscheverdachtsmeldungen. 2.710 Verdachtsmeldungen stammten von Banken, die restlichen von Rechtsanwälten, Notaren und von Versicherungen. In Österreich sind nicht nur bestimmte Berufsgruppen zur Erstattung von Meldungen an die Geldwäschemeldestelle verpflichtet. Die Zahl der rechtskräftigen Verurteilungen wegen Geldwäsche stieg von 53 auf 66 im Jahr 2018.

Die Verdachtsmeldungen sind in Deliktsbereiche kategorisiert. Deutlich gesunken ist 2018 die Zahl der Betrugsdelikte, und zwar von 1.787 auf 1.491; bei Steuerdelikten sank die Zahl von 111 auf 92, bei Korruption, von 28 auf 14 sowie bei Nichtoffenlegung von Treuhandbeziehungen von 60 auf 49. In 272 Fällen war keine Zuordnung zu einem Deliktsbereich möglich. Ein Anstieg wurde im Deliktsbereich Geldwäsche von 1.318 auf 1.341 Meldungen festgestellt.

Eine Methode der Geldwäsche, die auch in Österreich immer häufiger vorkommt, läuft über „Money-Mules“ bzw. „Finanzagenten“. „Money-Mules“ sind von Kriminellen und deren Organisationen rekrutierte Personen, die den Auftrag erhalten, die illegal erwirtschafteten Vermögenswerte der Hintermänner weiterzutransferieren. Oft werden sie in Inseraten in sozialen Medien geködert, indem ihnen eine „lukrative Verdienstmöglichkeit mit wenig Aufwand“ in Aussicht gestellt wird. Die Zielkonten befinden sich im Ausland, häufig in Übersee.

Auch wenn den „Money-Mules“ oft nicht bewusst ist, dass es sich bei den Geldern um illegal erlangte Vermögenswerte handelt, kann es je nach Einschätzung der subjektiven Tatseite vor Gericht zu einer strafrechtlichen Verurteilung kommen, da sie für das Gelingen der Geldwäsche eine entscheidende Rolle spielen.

„Video-Identverfahren“. Eine zunehmende Gefahr ist im Bereich der Online-Banken zu sehen. Diese bieten häufig ein vereinfachtes Identifikationsverfahren (Video-Identverfahren) für die Eröffnung eines Kontos an. Solche Konten werden von nichts ahnenden Dritten eröffnet. Später werden sie von Kriminellen gekapert oder gekauft, um den Betreibern von „Fake-Shops“ eine Verschiebung ihrer illegal erwirtschafteten Gelder zu ermöglichen. Die Geldwäschemeldestelle verzeichnete 2018 eine Vielzahl an Erkenntnismitteilungen aus Deutschland, da eine Kontoeröffnung von dort aus auch in Österreich erfolgen kann.

Auch wenn der Trend in Richtung Internet immer stärker wird, bleibt das Bargeld Mittel Nummer eins, um Geld zu waschen. In der EU werden jährlich Bargeldtransfers mit kriminellem Ursprung in der Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro beschlagnahmt.

In Österreich wurden im Jahr 2018 insgesamt 9,8 Millionen Euro aufgrund von Verdachtsmeldungen sichergestellt. Das bedeutete eine Steigerung um das 26-Fache im Vergleich mit dem Jahr zuvor.

 

diekriminalisten.at, Dezember 2019