„In Österreich ist der Anstieg der Cyber-Kriminalität insgesamt stärker als in anderen Ländern“


 

       

Magazin

Cybercrime

Gesundheitsdaten sind speziell gefährdet.

Kriminelle Handlungen im Internet machen vor dem Gesundheitsbereich nicht Halt. Für Ärzte entstehen Risiken und Herausforderungen. Neben potenziellen technischen Problemen bei Soft- und Hardware ist zu berücksichtigen, dass „Patienten- und Gesundheitsdaten einen besonderen Stellenwert haben“, sagt Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres. „Denn Gesundheitsdaten sind sehr persönliche, besonders sensible Daten.“

„In Österreich ist der Anstieg der Cyber-Kriminalität insgesamt stärker als in anderen Ländern“, sagt Cornelius Granig, IT-Sicherheitsexperte und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens WGM Health Care Services GmbH. 2017 stieg die Cyber-Kriminalität um etwa 28 Prozent , 2018 um knapp 17 Prozent – für Granig „immer noch mehr als besorgniserregend“.

Technikeinsatz nimmt zu

Vor allem im Gesundheitswesen hält die vernetzte bzw. vernetzende Technik immer stärker Einzug, und zwar nicht nur in Krankenhäusern und bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten – in Österreich etwa durch die Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA –, sondern auch bei Patienten, wo eine Vielzahl von „smarten“ Geräten im Fitnessbereich sowie für telemedizinische Zwecke zum Einsatz kommen.

„Während diese Geräte in der Hand gehalten oder am Körper getragen werden, gibt es in der Medizin auch eine Entwicklung zu einer immer stärkeren Integration von Geräten in den menschlichen Körper, wie beispielsweise in Form von eingepflanzten Herzschrittmachern, Insulinpumpen oder intelligenten Kontaktlinsen“, führt Granig aus. Auf der einen Seite würden solche computergestützten Geräte der Überwachung und damit auch der Optimierung der eigenen Gesundheit über die konstante Sammlung diverser Vitalwerte und deren regelmäßiger Auswertung dienen, auf der anderen Seite eröffneten diese zusätzlichen Daten neue Möglichkeiten in der Behandlung, vor allem im Bereich der Analyse, Diagnostik und Therapie chronisch Kranker.

„Internet der Dinge“

Viele dieser Geräte sind mit dem „Internet der Dinge“ verbunden und stellen eine Angriffsmöglichkeit für Kriminelle dar, wenn sie von den Benutzern nicht als vollwertige, von außen beeinfluss­bare Computersysteme wahrgenommen, regelmäßig überprüft und Software-Updates eingespielt werden.

Dazu kommt ein weiterer Aspekt: Durch die Verwendung solcher Geräte und mittels neuer Verfahren entstehen große Datensammlungen. „Insbesondere im Bereich der personalisierten Medizin und der Präzisionsmedizin, also der Abstimmung von Behandlungsmethoden auf das individuelle genetische Profil eines Patienten, spielen große Datenmengen eine bedeutende Rolle – vor allem die Daten über die Genomsequenzierung“, betont Granig. Ihre Speicherung müsse mit höchster Sorgfalt durchgeführt und Missbrauch durch unautorisierten Handel mit diesen Daten müsse vorgebeugt werden.

 

diekriminalisten.at, August 2019