Die Feier war von der Sorge um die Pressefreiheit in Europa geprägt.


 

       

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Einsatz für Gerechtigkeit

Ist die Pressefreiheit in Österreich gefährdet?

Profil-Redakteur Christoph Zotter, Profil-Kolumnistin Elfriede Hammerl und das europäische Recherche-Netzwerk „Europe's Far Right“ wurden am 29. April 2019 im Parlament mit den Concordia-Preisen ausgezeichnet. Sie werden jedes Jahr rund um den internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai verliehen. Die Feier heuer war von der Sorge um die Pressefreiheit in Europa geprägt.

„Es fällt schwer, den Mund zu halten angesichts diverser Entwicklungen“, sagte der Präsident des Presseclubs Concordia Dr. Andreas Koller über das ZIB 2-Interview von Dr. Armin Wolf mit dem FPÖ-EU-Spitzenkandidaten Harald Vilimsky. Wenn ein Journalist für eine „völlig berechtigte Frage“ offen mit Folgen bedroht werde und sich ein Vizekanzler „der Sprache der Identitären bediente“, sei das nicht zu akzeptieren, betonte Koller.

„Ich hätte nie gedacht, dass noch zu meiner Lebenszeit in meinem Land die Verteidigung der Pressefreiheit und der Menschenrechte von so hoher Wichtigkeit werden könnte“, sagte die frühere Chefin des Liberalen Forums und ehemalige dritte Nationalratspräsidentin Dr. Heide Schmidt. Sie ist Vorsitzende der Concordia-Preis-Jury. Sie berichtete, Profil-Redakteur Christoph Zotter habe die Auszeichnung für eine Serie zum Thema Menschenrechtsverletzungen an der EU-Außengrenze erhalten, erläuterte Schmidt. Mit der Auszeichnung des internationalen Recherchenetzwerks „Europe's Far Right“  demonstriere die Concordia ihre Solidarität im Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit. Journalisten aus sechs europäischen Ländern haben sich darin im vergangenen Jahr zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Sie wollen länderübergreifend über den Aufstieg und die Strategien der Rechtspopulisten in Europa berichten. Die teilnehmenden Medien sind die taz (Berlin), Internazionale (Rom), Gazeta Wyborcza (Warschau), Falter (Wien),  Libération (Paris), HVG (Budapest) und WOZ (Zürich).  

Die Autorin und Journalistin Elfriede Hammerl wurde für ihr journalistisches und schriftstellerisches Wirken und für ihren Einsatz für Gerechtigkeit ausgezeichnet. „Ihre Arbeit als Kolumnistin sticht durch thematische Breite und differenzierte Darstellung komplexer gesellschaftlicher Sachverhalte hervor, ihre pointierten Analysen zeigen sys­tematische Benachteiligungen auf, besonders von Frauen, und entlarven Vorurteile“, hieß es im Jury-Urteil.

Menschenrechte

Die Laudatio in der Kategorie Menschenrechte hielt die ehemalige Vizepräsidentin der EU-Kommission Viviane Reding. Trotz mancher Despoten, „die Trumps und Orbans dieser Welt“, die mit Falschnachrichten Schlagzeilen machten und für die Medienhetze zum Alltag gehöre, gebe es Lichtblicke und Journalisten, die sich nicht unterwerfen. „Es wird nicht mehr argumentiert, es wird mundtot gemacht. Und schlimmer noch, es wird totgemacht“, sagte Reding. „Christoph Zotter zwingt uns hinzuschauen. Er betreibt einen Journalismus, den wir in Europa brauchen und der Europa retten wird.“



diekriminalisten.at, Juni 2019