Einblick in die Hintergründe seiner Arbeit


 

       

Bücher

Schicksale

Der TV-Journalist Christoph Feurstein schildert Hintergründe über die Geschichten seiner Beiträge für die ORF-Sendung "Thema".

Christoph Feurstein saß am Nachmittag des 23. August 2006 in einem Schneideraum des ORF, um einen TV-Beitrag über die 24-Stunden-Altenbetreuung vorzubereiten, als ihn sein Chefredakteur Johannes Fischer anrief: "Herr Feurstein, da ist eine junge Frau und behauptet sie sei Natascha Kampusch."
Zwischen der Verschleppung und der Flucht von Natascha Kampusch berichtete der Präsentator der ORF-Sendung "Thema", Christoph Feurstein, in siebzehn Fernsehbeiträgen über den ungewöhnlichsten Entführungsfall der Zweiten Republik. Nach ihrer Befreiung war er der Einzige, der sie interviewen durfte.

Zehn Schicksale

In seinem Buch "(ein)geprägt" ist die Geschichte der jungen Frau eine von zehn Schicksalen, über die Feurstein berichtet. Er schildert weit mehr, als seine Fernsehbeiträge durchblicken ließen: Er gibt Einblick in die Hintergründe seiner Arbeit, erzählt, was er in den aufregenden Momenten empfand, und spart nicht mit Kritik, etwa am Umgang der Öffentlichkeit mit dem Fall Priklopil (Entführung Natascha Kampusch) und dem Fall Fritzl in Amstetten. Er hinterfrägt an manchen Stellen auch sein eigenes Denken und Verhalten.

Zum Tode verurteilt

Feurstein schildert, wie er zum letzten Mal den zum Tode verurteilten Amerikaner William Robert Jones interviewte und wie er seine Hinrichtung am Ort des Geschehens verfolgte, weil er Jones‘ Frau versprochen hatte, sie dorthin zu begleiten. Jones‘ Frau, die Österreicherin Gerti Jones, hatte den Mann geheiratet, als er sich bereits in der Warteschleife zum Tod befand.
Anfangs chattete sie mit ihm, später schrieben sie sich seitenlange Briefe. Verliebt hatte sie sich nicht in den Mörder, sondern in den Menschen dahinter. William Robert Jones schrieb romantische Geschichten und Gedichte. Darüber hinaus war er ein guter Maler und spielte perfekt Saxophon. Christoph Feurstein begleitete Gerti Jones von der Hochzeit bis zur Hinrichtung ihres Mannes für Thema. Die Österreicherin war überzeugt davon, dass der Mann zu Unrecht zum Tode verurteilt worden war, sie glaubte William Robert Jones, dass er aus Notwehr gehandelt hatte. Sie versuchte, ihn vor der Hinrichtung zu retten. Ihre Bemühungen scheiterten und der Mann wurde am 19. November 2002 hingerichtet.

Vom Kinderschänder bis zum Babymörder

Feurstein schildert unter anderem seine Begegnung mit einem Kinderschänder und seine Recherchen über die vier Monate alte Iris Maria, die von ihrem Stiefvater getötet worden war. Feurstein erzählt nicht nur die Geschichten, er schildert auch die Menschen, die dahinter stehen.

Christoph Feurstein: (ein)geprägt – Täter, Opfer, Menschen, 10 Porträts, Ueberreuter-Verlag, Wien, 2008;
www.ueberreuter.at
www.christoph-feurstein.at

kripo-online.at, 8. Jänner 2009