Es ist wichtig, danke zu sagen


 

       

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"Siegesfeier"

Die Kriminalbeamten der Gruppe Stampf (Wien, KK Mitte) erhielten den Preis "Kriminalist 2006". Zweite wurden gleichauf zwei Ermittler aus Oberösterreich und die Kriminalisten der Gruppe Grossenberger (Wien, KK Süd).

Mehrmals in den letzten dreieinhalb Jahren regten die leitenden Beamten des Kriminalkommissariats (KK) Mitte an, die Beamten der Gruppe Stampf zu belobigen. Mehrmals erhielten sie die Auskunft: Keine außergewöhnliche Arbeit, es handle sich um "Regelarbeit". "Darum freut es mich besonders, dass wir heute hier vor unseren obersten Chefs hören, dass es doch außergewöhnlich war, was wir geleistet haben", sagte Christian Stampf, bei der Feier "Kriminalist 2006" am 10. November im Wiener Rathaus. Zudem war der Weg der "Kriminalisten des Jahres" oft steinig. Er war auch von Rechtfertigungen gekennzeichnet, bis hin zu einem stundenlangen Verhör im Büro des derzeit suspendierten Landespolizeikommandanten von Wien.
Seit Mai 2003 hatten die Kriminalisten der Gruppe Stampf insgesamt 322 Verdächtige verhaftet und fast 600 Personen wegen Drogendelikten angezeigt. Sie hatten dabei insgesamt fast zehn Kilo Heroin sichergestellt, über 350 Kilo Cannabis, 54.000 Ecstasy-Tabletten und fast 600.000 Euro in bar.
Der Vorstand der Vereinigung österreichischer Kriminalisten (Mag. Alfred Ellinger, Ferdinand Germadnik, Herbert Windwarder, Alfred Neuhser und Mag.(FH) Gerhard Brenner) verlieh den Kriminalbeamten der Gruppe Stampf dafür den Preis als "Kriminalist des Jahres". "Engagement, konstante Leistungen, Ausdauer und kriminalistisches Gespür waren wirklich außergewöhnlich", befand der Präsident der Kriminalisten Mag. Alfred Ellinger.

Würdigung in großem Rahmen

Innenministerin Liese Prokop strich die Leistung der Kriminalisten hervor, die zu der Vielzahl an Erfolgen geführt habe. Sie sei froh, dass die Arbeit der Beamten zu einer Würdigung "in diesem Rahmen geführt" habe. Zu der Ehrung war auch Dr. Erik Buxbaum gekommen, der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit.
Auch der Landtagsabgeordnete Volkmar Harwanegg betonte, er würde sich öfter eine derartige Würdigung der Arbeit der Kriminalpolizei wünschen. Es müsse stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung dringen, was die Kriminalpolizei für sie vollbringe.
Der stellvertretende Wiener Landespolizeikommandant Karl Mahrer "gestand", trotz dreißig Jahren Diensterfahrung, trotz zehn Jahren als Leiter einer Sicherheitswacheabteilung habe er nicht geahnt, "was die Kriminalbeamten dieser Stadt wirklich leisten." Erst nach der Zusammenlegung der Wachkörper habe er den nötigen Einblick erhalten. Er hielt es für wichtig, dass die Identität der Kriminalbeamten in der bisherigen Form erhalten bliebe. Wichtig findet er es auch, "danke zu sagen, weil es mitunter ein größerer Motivationsfaktor ist als Gehaltserhöhungen."

Von Kriminalisten wird eine Vielfalt abverlangt

Der stellvertretende oberösterreichische Landespolizeikommandant Franz Gegenleitner betonte die Vielseitigkeit, die heute von Kriminalisten abverlangt werde. Die oberösterreichischen Preisträger Markus Kaltenböck und Andreas Traxler wurden geehrt, weil sie mit Hartnäckigkeit und kriminalistischem Geschick einer organisierten Bande eine Falle gestellt hatten. Die Betrüger hatten eine Bankomatkassa eines Tankstellenshops manipuliert und hätten Bankdaten der Tankkunden abgesaugt. Generalmajor Gegenleitner betonte, es sei wichtig, auch "Siegesfeiern" zu veranstalten. An dieser Siegesfeier nahm auch der Leiter des Landeskriminalamts Dr. Rudolf Keplinger teil.
Den zweiten Ehrenpreis erhielten die Kriminalisten der Gruppe Grossenberger (Wien, KK Süd). Sie hatten die ersten "Phishing"-Fälle in Österreich aufgearbeitet, bei denen Kontodaten abgesaugt und damit illegale Überweisungen vorgenommen wurden. Insgesamt bearbeiteten die Beamten der Gruppe Grossenberger 147 illegale Überweisungsversuche mit einem Gesamtschaden von fast 850.000 Euro. Mehr als 500.000 Euro davon wurden durch das Einschreiten der Kriminalisten in letzter Sekunde gestoppt.

Soziales Engagement

Für besonderes soziales Engagement wurden Günter Schranz und Detlef Strimitzer geehrt – stellvertretend für die Mitarbeiter einer Initiative im Stadtpolizeikommando Ottakring, die einzigartig ist in Österreich. Sie organisieren seit mehreren Jahren ein Benefizfest. Aus dem Erlös werden Polizeibeamte finanziell unterstützt, die durch den Dienst zu Schaden gekommen sind.
Anlass war ein Fall 1998, bei dem zwei Kollegen von Männern verletzt worden waren, die ein Postamt überfallen wollten. Einem der Beamten wurde Tränengas in die Augen gespritzt, der andere erlitt einen Bauchschuss. Sie leiden heute noch an den Folgen von damals. Als sie verschiedene Behandlungen nicht mehr bezahlt bekamen, sprangen Kollegen mit der Idee der Benefizveranstaltung ein.
"Ich finde es bezeichnend und einfach schön, dass es immer wieder Kolleginnen und Kollegen gibt, die trotz der Brutalität des Jobs als Polizist derartige Menschlichkeit unter Beweis stellen", sagte Innenministerin Prokop.
Der Preis für soziales Engagement wurde heuer zum zweiten Mal vergeben. Im Vorjahr erhielten ihn Ali Fiala, Pepi Dötzl und Peter Pennerstorfer für ihre Unterstützung des Kriminalisten Ottokar Pücher, der 1973 bei der Flucht des Straftäters Ernst Dostal schwer verletzt worden war.

Hinterberger spendet

Für "seine" Kriminalpolizei wollte auch der Drehbuchautor Ernst Hinterberger ein sichtbares Zeichen setzen. Zu seinem 75. Geburtstag hatte er Geschenke abgelehnt, statt dessen sollten Besucher seiner Geburtstagsfeier im Oktober Geldspenden in einen Topf werfen.
Die zuwege gebrachten 3.300 Euro sollen nun an Polizisten gespendet werden, "die es wirklich brauchen", sagte Ernst Hinterberger. Er ist Ehrenmitglied der Kriminalisten und übergab die Spende "treuhändisch" der Vereinigung. Sie wird es im Sinne Hinterbergers Beamten zukommen lassen, die im Dienst verletzt worden sind.


kripo-online.at, 11. November 2006