Man braucht mechanisches und analytisches Gespür


 

       

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Profi-Knacker

Neunte deutsche Schlossöffnermeisterschaft: Zahnarzt knackt angeblich jedes Schloss.

Der Hamburger Zahnarzt Dr. Manfred Bölker ist seit 28. Dezember 2005 Deutschlands Schlossknacker Nummer eins. Bölker knackte bei der Deutschen Schlossöffner-Meisterschaft 2005 ein Schloss nach dem anderen in Rekordzeit.
Die Meisterschaft der Schlossknacker fand zum neunten Mal in Hamburg statt. Veranstaltet wird sie seit 1997 von den "Sportsfreunden der Sperrtechnik". Insgesamt gibt es in Deutschland 600 Freizeit-Schlossprofis. Wie viele Schlossknacker mit kriminellem Hintergrund sich unter dem Deckmantel des Sportschlossers in die Gilde der Jux-Einbrecher eingeschlichen haben, ist nicht bekannt.

Von Handöffnung bis Freestyle

Die Einbrechersportsmänner betätigen sich in fünf Disziplinen:

  • Bei der Handöffnung sollte ein hochwertiger Sicherheitszylinder mit gewöhnlichem Tastbesteck bezwungen werden.
  • Im Freestyle ist praktisch alles erlaubt, auch Spezialwerkzeug wie "Sperrpistole" und "Elektropicker".
  • Bei der Hangöffnung gilt es, nur mit einem Tastwerkzeug bewaffnet, ein Vorhängeschloss zu knacken.
  • Bei der Impressionstechnik muss ein Nachschlüssel angefertigt werden. Der Rekord lag heuer bei 6 Minuten 53 Sekunden. In dieser Disziplin wurde Dr. Manfred Bölker nur Dritter, mit einem Rückstand von 29 Minuten.
  • Bei der Blitzöffnung müssen die Kandidaten die mitgebrachten Schlösser ihrer Gegner innerhalb einer Minute öffnen. Nur wer das schafft, steigt in die nächste Runde auf – so lange, bis nur mehr drei Wettbewerber übrig bleiben.

Rekordtempo

Die Meister-Panzerknacker rühmen sich, jedes Schloss in Rekordtempo zu überlisten. Schwierigkeiten bereiten nur die wenigsten Schlösser – etwa das H001 Zeiss Ikon. Das Sicherheitsschloss bot acht Schlossknackern derart die Stirn, dass sie aufgaben. Der Beste auf diesem Schloss brauchte allerdings nur 36 Sekunden, um es zu öffnen.
Bölker glaubt, er und seine Kollegen werden sich bei künftigen Meisterschaften mehr anstrengen müssen. Die Sicherheitstechnik werde den Widerstand erhöhen – die Zähne werde sich weder er daran ausbeißen, noch seine Mitbewerber.
Für August Baumühlner, Kriminalbeamter der Kriminalpolizeilichen Beratung in Wien, klingt das alles ein wenig dick aufgetragen. "Es gibt Schlösser am Markt, die sind derzeit durch nichts in der Welt aufzubringen", sagt Baumühlner. Bedenklicher als Prahlereien wie "ich knacke jedes Schloss" findet er die Entwicklung am "Gegnermarkt" der Sicherheitsfirmen, dem "Einbruchswerkzeugmarkt". Neue "Picking-Pistolen" etwa drehen ein herkömmliches Schloss im Handumdrehen auf.

kripo-online.at, 2. Jänner 2006