Vater des Selbstladers


   
   

 

       

Waffentechnik

Pistolen von Safari-Arms

Der begabte US-Amerikaner John Moses Browning, ein Mormone aus Utah, wird zu Recht als "Vater des Selbstladers" bezeichnet. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts war eine Vielzahl von Selbstladewaffen auf dem internationalen Markt, deren Konstruktion seiner Werkstätte entstammte.
Browning war als "Freelancer" lange Jahre für den bekannten US-Waffenhersteller Winchester Arms in New Haven, Connecticut, tätig und konstruierte starke Unterhebelrepetiergewehre, etwa die bekannte Winchester-Büchse Model 1876, aber auch Sport- und Verteidigungsflinten wie die 12/70er Repetierflinte Model 1878.
Änderungen in der Firmenleitung und die damit verbundene, damals sehr kurzsichtige Firmenpolitik von Winchester Arms vertrieben John M. Browning nach Europa. Dort war er für die staatliche belgische Waffenfabrik FN (Fabrique Nationale in Liège/Lüttich) tätig und wurde mit seinen Selbstladepistolenkonstruktionen so bekannt und berühmt, dass fast alle kleinen halbautomatischen Taschenpistolen und nicht allein seine eigene kleinrahmige Selbstladepistolenkonstruktionen FN/Mod. 1900, Mod. 1903, Mod. 1906, Mod. 1910 usw. landläufig als "Browning" bezeichnet wurden.

Die Ordonnanzwaffe

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts kehrte Browning – aus rein patriotischen Gründen, jedoch nur für kurze Zeit – in die USA zurück und schuf für die Firma Colt Mfg. in New Haven, Connecticut, auf der Basis eigener früherer Studien jene berühmte großkalibrige Selbstladepistolenkonstruktion, die alsbald als US-Armeepistole M 1911 eingeführt wurde. Sie sollte für die kommenden 76 Jahre Ordonnanzwaffe der US-Streitkräfte bleiben.
Ab 1917 in Frankreich erstmals an der Westfront von US-Truppen eingesetzt, bewährte sich das Browningsche Pistolenmodell während des Ersten Weltkrieges, vor allem vor Chateau Thierry und später auch auf den Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkrieges, im Korea-Krieg und im Golfkrieg. Obwohl zur Jahrhundertwende von der Beretta 92F offiziell als Ordonnanzwaffe abgelöst, wurden Colt-Pistolen M 1911A1 auch noch im Golfkrieg verwendet und werden auch heute noch im "Antiterrorismuskrieg" in Afghanistan für Spezialzwecke eingesetzt.

Im Polizeieinsatz

Aufgrund ihrer Robustheit und der kräftigen, aber nicht zu kräftigen Munition ist die M 1911A1 nach wie vor auch bei Polizeien vieler Länder der Welt als Dienstwaffe eingeführt. Single-Action/ Double-Action-Pistolen dieser Art, die auf der technisch zwar längst veralteten, aber nach wie vor in der Praxis ungemein wirksamen Browning-Konstruktion beruhen, sind nach wie vor beliebt und begehrt.
"Zurüster"-Firmen, insbesondere jene in den USA, haben daher eine Vielzahl an Ersatz- und Austauschteilen auf den Markt gebracht. Damit können solche Pistolen sogar zu durchaus konkurrenzfähigen Sportwaffen "aufgemotzt" werden.

"Matchmaster"

Es gibt im .45er-Bereich aber auch völlig eigenständige Pistolenkonstruktionen. So hat die für ihre Qualitätsprodukte längst bekannte US-Waffenerzeugung "Safari Arms" in Phoenix, Arizona, vor einiger Zeit gleich zwei Pistolenmodelle in Serie aufgelegt, die für "Combatschützen" gedacht sind und keinen Vergleich mit anderen, ähnlichen Pistolen, nicht einmal jener von Colt Mfg. selbst, scheuen müssen. Das Standardpistolenmodell von Safari-Arms ist die auf "Government"- M-1911-Basis hergestellte Pistole "Matchmaster".
Die Waffe im Kaliber .45 ACP hat einen Aluminium-Rahmen, Lauf und Verschluss sind aus Stahl. Sie misst in der Länge 220 Millimeter, ist 126 Millimeter hoch, rund 30 Millimeter breit und wiegt ungeladen 1135 Gramm. Die Magazinkapazität des mit Gummiboden versehenen Standardmagazins beträgt sechs Patronen, somit ist die Waffe siebenschüssig (sechs Patronen im Magazin + eine Patrone im Laderaum). Es sind natürlich auch Sondermagazine mit größerem Fassungsvermögen im Handel.
Die Safari-Arms "Matchmaster" ist in verschiedenen Oberflächenausführungen erhältlich. Sie kann alternativ mit Teflonbeschichtung versehen, hartverchromt, brüniert oder zweifarbig gestaltet, sandgestrahlt oder mit einem aus rostfreiem Stahl gefertigten, hochglanzpolierten Verschluss ausgestattet, erworben werden. Es gab sogar eine kurze Zeit lang eine (teure) Sonderausführung in Kleinserie, die unter Verwendung des Elementes Beryllium hergestellt wurde.
Die "Matchmaster" hat ein verstellbares K-Revolvervisier mit einer Schraubeneinstellung, wie man diese von den S&W- Revolvern her kennt, und ein rot eingelegtes Korn. Die Visierlinie beträgt 134 Millimeter. Der Lauf ist 5-Zoll (127 Millimeter) lang, der Hahn ist ein runder Colt "Commander"-Hahn. Im Abzug ist ein Triggerstop integriert. Im Unterschied zur Colt-Pistole M 1911 weist die "Matchmaster" eine beidseitige seitliche Hebelsicherung auf.
Zusätzlich ist sie mit der bekannten Griffstück-(Handballen)sicherung von Colt versehen. Der Magazinknopf ist für die linke oder rechte Waffenseite austauschbar, um die Waffe auch für "Linksschützen" interessant zu machen.
Um die Hand des Schützen vor einer möglichen Verletzung zu bewahren, die durch den rückschlagenden Hahn erfolgen kann, ist das ergonomisch gestaltete Griffstück mit einem geschweiften und massiven, handschonenden "Biberschwanz" (Beavertail) ausgestattet.
Das Griffstück weist eine Fingerabsetzung auf, mit deren Hilfe eine stets gleiche Haltung der Schusshand erzielt wird. Die polierten Griffschalen aus Nussbaumholz weisen beidseitig das eingebrannte Logo eines Wüstenskorpions auf.

"Enforcer"

Die Kompaktvariante der "Matchmaster" ist die sechsschüssige (5+1) Pistole Safari-Arms "Enforcer", die weniger für den Sportgebrauch als für das tägliche Führen als Gebrauchswaffe gedacht ist.
Trotzdem hat auch diese Pistole "Matchwaffenqualität" und erbringt somit eine ebenso ausgezeichnete Schussleistung. Bei gleicher Lauflänge und gleicher Ausführung wie die "Matchmaster" hat die "Enforcer" etwas kürzere Maße und ist über den Beavertail bis zur Mündung gemessen nur 160 Millimeter lang, 126 Millimeter hoch und rund 30 Millimeter breit. Sie wiegt ungeladen rund 1000 Gramm. Von der "Matchmaster" unterscheidet sich die "Enforcer" außer durch ihre Kürze nur durch das Griffschalenlogo einer Tarantel.
Heinz Hailwax