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Gewalt in Familien
15 Jahre Gewaltschutzgesetz


Im 1. Mai 1997 trat das erste österreichische Bundesgesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie in Kraft. „Dieses Gesetz war richtungsweisend und ist für viele Länder in Europa zum Modell geworden“, sagt Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle, die in den neunziger Jahren als Repräsentantin des Vereins autonome österreichische Frauenhäuser am Gesetz mitarbeitete. Nicht die Opfer müssen seit Inkrafttreten des Gesetzes flüchten, sondern die Gefährder werden von der Polizei der Wohnung verwiesen – das ist einer der Kernpunkte des Gesetzes.
In den 15 Jahren seit Bestehen des Gesetzes wurden von der Polizei knapp 74.000 Wegweisungen veranlasst. Allein in Wien wurden 28.469 Gefährder der Wohnung verwiesen.
Gewalt in der Familie wird nicht mehr als „Kavaliersdelikt“ behandelt, sondern ernst genommen. Das ist wichtig, da Gewalt leicht eskaliert, besonders in Zeiten von Trennung und Scheidung.
„Viele Morde und Mordversuche werden verübt, wenn Opfer versuchen, sich zu trennen“, erläutert Rosa Logar, „In diesen gefährlichen Situationen brauchen Opfer daher besonderen Schutz. Dazu sind die Behörden nach nationalen und internationalen Gesetzen verpflichtet.“ In Wien wurde daher in zwei Bezirken das multi-institutionelle Modellprojekt MARAC eingerichtet, um besonders gefährdeten Opfern Schutz und Unterstützung bieten zu können.
Wesentlich ist laut Studien die Unterstützung, die Opfer durch Interventionsstellen und Gewaltschutzzentren erhalten. „Es ist nicht leicht, sich aus einer Gewaltbeziehung zu befreien“, erklärt Rosa Logar. „Wir bieten den Opfern professionelle Hilfe an und begleiten sie.“
Finanzierung. Die Finanzierung dieser für Opfer kostenlosen Hilfe erfolgt durch das Bundeskanzleramt bzw. das Frauenministerium, das Innenministerium und das Justizministerium. Der Fortbestand und Ausbau dieser Einrichtungen ist laut Rosa Logar notwendig, um Gewalt in Familien zu verhindern.
Allein im Jahr 2011 wurden von den neun Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen in Österreich über 15.500 Opfer betreut. „Wichtig wäre es, dass auch die Kinder, die in ihren Familien Gewalt miterleben, Hilfe erhalten. Das können wir derzeit leider noch nicht ausreichend leisten, da die personellen Ressourcen fehlen“, erklärt Rosa Logar.



Malediven
Erstes Gesetz zum Schutz vor Gewalt


Eine von drei Frauen auf den Malediven war bereits in irgendeiner Form Opfer von Gewalt oder Missbrauch. Bisher galt in dem Inselstaat im Indischen Ozean als Privatsache, was in den eigenen vier Wänden passierte. Das soll jetzt anders werden.
Präsident Mohamed Waheed, der erst seit Februar 2012 als Staatschef der Malediven im Amt ist, hat nun ein Gesetz erlassen, mit dem ein Ministerium für Gleichberechtigung, Kinder und Menschenrechte eingerichtet worden ist, sowie eine Behörde zum Schutz der Familie. Es ist das erste Gesetz, das der Präsident in seiner Regentschaft verlautbart hat.
Das Gesetz gegen die Gewalt in Familien soll erstmals in der Geschichte der Malediven die Opfer häuslicher Gewalt schützen. Es erklärt alle Handlungen häuslicher Gewalt zu Straftaten. „Den Opfern häuslicher Gewalt wird Schutz geboten und es werden Schritte unternommen, häuslicher Gewalt mittels Strafverfolgung und Rehabilitierung von Straftätern vorzubeugen“, heißt es in einer Erklärung von Präsidenten Mohamed Waheed.
In der Behörde zum Schutz der Familie soll den Opfern die Möglichkeit geboten werden, Gewalttaten anzuzeigen und psychologische Betreuung und Rehabilitierung zu erhalten. Aber auch die Täter sollen behandelt werden.



Mobbing
Ein neues altbekanntes Phänomen


Der Begriff Mobbing dürfte weit älter sein, als bisher angenommen. Das fand Kurt Obermülner, MAS (Mediation) heraus. Er ist Konflikt- und Mobbingberater der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe.
„Mobbing“ wurde demnach für den deutschen Sprachraum vom deutschen Arbeitspsychologen Heinz Leymann um das Jahr 1993 „erfunden“. Er zeigte auf, dass Psychoterror am Arbeitsplatz keine offene Gewalt benötigt, um Normabweichler unter Druck zu setzen und aus der Gruppe auszuschließen. Mit seinen Untersuchungen konnte er deutlich machen, dass schon kleinste systematisch eingesetzte feindselige Kommunikationshandlungen die Menschen bis in den Zusammenbruch treiben können.
In der Folge fand das Thema Mobbing derart viel Aufmerksamkeit, dass rasch ein Streit darüber einsetzte, wer den Begriff zuerst verwendet hatte. Sehr schnell wurde Konrad Lorenz genannt, der 1963 Mobbing im Tierreich beschrieben hatte. Als Nächster wurde der schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann genannt, der 1969 das Phänomen auf menschliche Gruppen angewendet hatte. Auch auf den Paläoanthropologen Rudolf Bilz wurde verwiesen, der 1971 die Anstoß-Aggressivität zwischen Mensch und Tier verglich, und dabei das Wort Mobbing verwendete.
Gentleman's Magazine, 1733. Eine Google-Bücher-Suche brachte nun zu Tage, dass der Begriff Mobbing im englischen Sprachraum schon im 18. und 19. Jahrhundert verwendet wurde. Es fanden sich beispielsweise Verwendungen im Gentleman's Magazine im Jahr 1733 oder im Lady's Magazine im Jahr 1797. In Deutschland erschien im Hoffmann und Campe Verlag 1831 ein Band mit dem Titel „Columbus. Amerikanische Miscellen“, in dem Mobbing beschrieben wird. Aber schon 1794 werden im „Wörterbuch der Englischen Sprache für die Deutschen“ die Worte: Mob, to Mob, Mobbed, Mobbing angeführt. Diese Begriffe fanden sich dann auch in den englisch-deutschen Wörterbüchern von Nathan Bailey (1801) oder Newton Ivory Lucas (1856).
Small birds mob woodpeckers. Bei der Recherche fanden sich die Vorläufer von Konrad Lorenz: M. A. Mathew veröffentlichte 1868 den Beitrag „Small birds mobbing a green woodpecker“ in der Zeitschrift Zoologist. In der Zeitschrift Zoologischer Anzeiger aus dem Jahr 1888 wurde auf einen Beitrag mit dem Titel „Butterflies mobbing small birds“ verwiesen und im Zoologischen Centralblatt 1895 ein Beitrag „Mobbing by Crows“ zitiert.
Die amerikanische Zeitschrift Live berichtete im November 1937 über Mobbing durch britische Filmfans an Robert Taylor und 1960 über Mobbing gegen einen Gewerkschaftsfunktionär.



Drogen
Kokain lässt das Gehirn rascher altern


Immer mehr Menschen in ihren Vierzigern und Fünfzigern leiden unter Gedächtnisproblemen, erhöhter Anfälligkeit für Infektionen und höheren Raten an Herzkrankheiten. Die britische Neurowissenschaftlerin Karen Ersche von der Universität Cambridge hat nun eine mögliche biologische Erklärung gefunden. Menschen aus der Generation der 1970er- und 1980er-Jahre haben besonders häufig mit Kokain experimentiert. Die gesundheitlichen Probleme könnten eine Folge davon sein. Ersche untersuchte die Gehirne von 60 alternden Gesunden und 60 alternden Kokain-Konsumenten zwischen 18 und 50 Jahren. Sie fand heraus, dass die grauen Zellen der Drogenkonsumenten rascher alterten als jene der Gesunden.
Dass das menschliche Gehirn im Laufe des Alterns an Volumen abnimmt, ist normal. Durchschnittlich schrumpft es pro Jahr um 1,7 Milliliter. Die Gehirne der Kokainkonsumenten schrumpfen laut Ersche um etwa 3 Milliliter pro Jahr. Im Schnitt ist das Gehirn eines 40-Jährigen dann auf dem Stand eines 60-Jährigen.
Alkohol. Da Alkohol auch dafür bekannt ist, dass er Gehirne rascher degenerieren lässt, warf Ersche in ihren Berechnungen 16 Versuchspersonen aus ihren Testreihen, die neben Kokain regelmäßig Alkohol konsumierten. Trotzdem kam sie zu demselben Ergebnis wie zuvor. Da für eine dramatische Gehirnabnahme durch Alkohol auch Erbkomponenten verantwortlich zu sein scheinen, schließt Ersche daraus, dass allein der Kokainkonsum bei ihren Versuchspersonen für die Gehirnschrumpfung verantwortlich war.
Die Kokainkonsumenten hatten zudem in psychologischen Tests Schwierigkeiten, Aufgaben zu lösen, für die das Vorderhirn erforderlich ist - eine Region, die für logisches Denken und Beziehungen zwischen Objekten und zum Selbst notwendig ist.