Charity

Für einen alten Freund

Kriminalisten setzen sich für einen vor 30 Jahren verwundeten Kriminalbeamten ein.

Diejenigen, die mit Ottokar Pücher noch Dienst gemacht haben, haben nie den Kontakt zu ihrem ehemaligen Kollegen abreißen lassen", schildert Josef Dötzl, Kriminalist in der Außenstelle Krems des Landeskriminalamts Niederösterreich. Ottokar Pücher ist seit einer Schussverletzung im Jahr 1973 vom Hals weg gelähmt (siehe Kasten). "Die Kollegen seiner Generation haben Otto Pücher beim Hausbau geholfen, das Haus behindertengerecht einrichten geholfen und ihm immer wieder unter die Arme gegriffen, wenn es notwendig war." Pücher hatte zum Zeitpunkt seines Unfalls zwei kleine Kinder. Seine Frau steht ihm bis heute zur Seite. "Jetzt sind wir an der Reihe, die Generation, die die Geschichte des Ottokar Pücher nur von Erzählungen her kennt", sagt Dötzl.
Dötzl, 40, stellte eine ungewöhnliche Aktion auf die Beine: Alfred Komarek, Schriftsteller und Erfinder des TV-Gendarmen Simon Polt ("Polt muss weinen"), führte die beiden malenden Kriminalbeamten Ali Fiala und Andreas Ozwirk durch die Schauplätze der Fernsehserie und die beiden echten Kriminalisten malten sie.
Vierzig Bilder aus der Gegend rund um Haugsdorf im nördlichen Niederösterreich sollen ab August um je 200 Euro verkauft werden. Josef und Elisabeth Dötzl führen in Hollabrunn (NÖ) einen Winzerbetrieb und widmeten Otto Prücher einen Cuvée. In der Aktion sollen 1.000 Flaschen des Rotweins um je sieben Euro verkauft werden. Die Hälfte des Erlöses aus dem Bilder- und Weinverkauf soll Otto Pücher zugute kommen.

Aus dem Gewaltmilieu auf die Leinwand. Ali Fiala war Chef einer Gewaltgruppe im Wiener Sicherheitsbüro. Seit 1993 ist er in Pension und malt Aquarelle, wann immer er Zeit hat. Er stellt seine Werke in den Dienst der Hilfe für Verbrechensopfer. Bereits vor drei Jahren verkaufte er 18 Bilder für Otto Pücher. Die Vernissage fand im Lokal des niederösterreichischen Kriminalisten Erich Sulzer statt. Den Erlös, abzüglich Materialkosten, floss dem verunglückten Kriminalisten zu.
"Ich habe Otto Pücher schon vor dem Unglück als Kriminalbeamten kennen gelernt", erinnert sich Ali Fiala. Fiala und Pücher arbeiteten gemeinsam an einem Fall. Immer wieder gab und gibt es Berührungspunkte zwischen der Kriminalabteilung Niederösterreich (jetzt Landeskriminalamt) und dem Wiener Sicherheitsbüro (jetzt Kriminaldirektion 1). Fiala ermittelte auch im Fall Dostal nach dessen Amoklauf in der Dienststelle, dem Pücher zu Opfer gefallen war.
Zweite Generation. Andreas Ozwirk zählt sich wie Josef Dötzl zur "zweiten Generation" nach Otto Pücher. Er ist Kriminalist in der LKA-Außenstelle Krems. Während Fiala erst nach seiner Pensionierung mit dem Malen begann, fühlt sich der 48-jährige Ozwirk bereits seit 1986 zur Kunst hingezogen. Wie Fiala hat er sich das Malen und Zeichnen selbst beigebracht. Er arbeitet mit verschiedenen Techniken, etwa Bleistift, Feder, Tusche, Aquarell oder Öl. Wie Fiala hat er sich auf das Landschaftsmalen spezialisiert.
Die Aktion startet mit der Kulturveranstaltung "Kunst & Wein" am 20. und 21. August, jeweils ab 15 Uhr, in der großen Kellertrift in Haugsdorf. Es ist die zweitgrößte Kellergasse Europas.
Die Aktion wird fortgesetzt mit der "Haugsdorfer Hüatagang" am 10. (ab 15 Uhr) und 11. September (ab 11 Uhr), ebenfalls in der Haugsdorfer Kellertrift.
Bilder, die bis dahin nicht verkauft sein werden, werden anschließend in der Kunstgalerie des Restaurants Schüttkasten in Haugsdorf ausgestellt. Sobald die letzte Flasche des Otto-Pücher-Cuvées den Besitzer gewechselt hat, gibt es ein Abschlussfest. Dazu sollen alle Käufer der Bilder und des Weins eingeladen werden.
Bestellungen unter:
Tel.: 0676-316 75 90;
E-Mail: doetzl-strobl@aon.at.



Der Fall Dostal
Ottokar Pücher konnte seinen 39. Geburtstag am 23. Juni 1973 nicht feiern. Er lag im Krankenhaus. Am Tag davor war er vom 23-jährigen Ernst Dostal angeschossen worden. Pücher ist seither vom Hals weg gelähmt.
Pücher hatte im Mordfall Richard Dvorak ermittelt. Dvorak war wenige Tage zuvor an einem Parkplatz der Südautobahn in die Luft gesprengt worden. Kriminalisten am Tatort mussten 250 Teile der Leiche zusammenklauben. Identifiziert wurde das Mordopfer anhand eines Fingerabdrucks. Ermittlungen führten die Kriminalisten zu einem Freund des Gesprengten – zu Ernst Dostal. Der 23-jährige wurde in die Rennwegkaserne in der Wiener Landstraßer Hauptstraße gebracht.
Die Kriminalbeamten der Gendarmerie, Otto Pücher, Matthias Horvath und Harald Syrinek, vernahmen Dostal. Er verstrickte sich in Widersprüche – plötzlich zog er eine Pistole und schoss auf die Beamten. Sie wurden schwer verletzt, Dostal flüchtete. Er brach in ein Wochenendhaus nahe St. Pölten ein und verschanzte sich dort. Als das Besitzer-Ehepaar kam, erschoss er sowohl den Mann als auch die Frau. Dostal selbst kam am 26. Juni 1973, um 15.43 Uhr ums Leben – bei einem Schusswechsel mit Polizisten in Wien.
Dostal und Dvorak hatten eine Entführungsserie geplant. Als sie zur Ausführung der ersten Tat kommen wollten, sagte Dvorak ab. Dostal erschoss ihn und sprengte seine Leiche in die Luft.