Bin froh, dass es kritische Kieberer gibt


 



Kirisits verhinderte Banküberfall


 
   

 

       

Ehrungen

Lieber Kriminalist als Professor

Was haben Kurt Schwartling, Ernst Hinterberger und Wolfgang Böck gemeinsam? Sie sind Ehrenmitglieder der "Kriminalisten".

Afoch leiwand", findet es Trautmann-Darsteller Wolfgang Böck, dass es "Kriminalpolizisten gibt, die sich mit dem kritisch auseinander setzen, was intern passiert", sagte Wolfgang Böck bei seiner Ernennung zum Ehrenmitglied der Vereinigung die Kriminalisten. "Ich finde es als Bürger dieses Landes erfreulich, dass wir Kriminalbeamte haben, die nicht nur Befehle empfangen."
Kurt Schwartling, Wolfgang Böck und der Trautmann-Autor Ernst Hinterberger wurden zu Ehren-Kriminalisten ernannt, der pensionierte Kriminalbeamte Franz Kirisits bekam eine Ehrenurkunde für Zivilcourage, weil er bei seiner Hausbank einen Bankräuber überwältigt und in die Flucht geschlagen hatte. Die Feier sponserten die Vorstandsmitglieder der Kriminalisten.
Wolfgang Böck habe durch seine Darstellung des Fernseh-Kiberers Trautmann dazu beigetragen, dass das Image der Exekutive ins rechte Licht gerückt werde, sagte Kriminalisten-Chef Mag. Alfred Ellinger.
Ernst Hinterberger entdeckte Wolfgang Böck als Trautmann bei einem Auftritt im Wiener Metropol, als Böck "Strizzi-Lieder" sang. Hinterberger soll begeistert gesagt haben: "Des is mei Kieberer."
"Ernst Hinterberger hat natürlich die Vorschubarbeit im Hintergrund dazu geleistet, dass Wolfgang Böck den Trautmann verkörpert, wie er ihn letztlich verkörpert", sagte Alfred Ellinger.
Franz Kirisits, ehemaliger Kriminalbeamter in Wien-Brigittenau wurde am 2. Dezember 2003 Zeuge eines Banküberfalls in der Adalbert-Stifter-Straße in Wien. Kirisits stellte sich dem mit einer Pistole bewaffneten Räuber in den Weg. Er riss ihm die Maske vom Gesicht und entwaffnete ihn. "Ich habe natürlich erkannt, dass der Mann nur eine Schreckschusspistole in der Hand gehalten hat", berichtet Kirisits. "Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht so siegessicher vorgegangen." Der Räuber konnte sich losreißen und ergriff die Flucht.
Zivilpersonen wäre das Vorgehen Kirisits‘ weniger zu empfehlen. Kirisits besitzt die Erfahrungen aus einigen Jahrzehnten im Kriminaldienst und konnte die Situation einschätzen. "Einmal Kieberer, immer Kieberer", sagte Kirisits bei seiner Ehrung.

Kriminalist Böck

Polizist zu werden, war nie der Berufswunsch des Linzers Wolfgang Böck. "Alle möglichen Fantastereien habe ich gehabt", erinnert sich Böck. "Im Sommer wollte ich Segellehrer werden, im Winter Schilehrer. Ich habe geträumt von Motorradrennen und bin deshalb in die HTL für Maschinenbau gegangen.”
Böck merkte bald, die HTL-Lehrer meinten etwas anderes mit Maschinen als er es meinte, wenn er von seiner Maschin sprach. Böck wurde Schulsprecher und Landesschulsprecher – ihn interessierte alles andere mehr als das Errechnen technischer Vorgänge mit Hilfe höherer Mathematik.
Sein Schlüsselerlebnis hatte er in einer Theatervorstellung – ging nach Graz zum Vorsprechen ins Konservatorium, wurde genommen, fuhr heim nach Linz, meldete sich von der Schule ab – er stand am Anfang der Maturaklasse ("de Matura hab ich mir g‘spart.") – und wurde Schauspieler. Mit mehr Erfolg, als der Durchschnitts-Österreicher weiß: Drei Jahre Bregenz, drei Jahre Linz, vier Jahre Volkstheater Wien. 1987 kündigte er das fixe Engagement in Wien, weil er noch nie eine Kamera von vorne gesehen hatte. Angebote gab es mehrere – so lange er aber am Volkstheater war, fehlte die Zeit. Böck wurde Freiberufler und blieb es. In den letzten 17 Jahren spielte er in zehn bis fünfzehn Kinofilmen – "genau kann ich das nicht sagen – interessiert mich auch nicht." Er bekam den Skraup-Preis für den Liliom, die Nachwuchs-Kainz-Medaille für "Kleiner Mann, was nun?"
Notiz nahm die Öffentlichkeit erst von ihm, als er an der Seite Gitti Schimeks den braven Kieberer Trautmann im Kaisermühlenblues spielte. "Da haben mich witzigerweise viele aus den alten Produktionen erkannt: Des waren ja auch Sie …", erzählt Böck.

Kriminalist Hinterberger

Ernst Hinterberger wurde im Oktober 1931 geboren, aufgewachsen ist er in Wien als Schlüsselkind. Mutter und Vater waren Fabriksarbeiter. Der schmächtige Ernstl wurde kurz vor Kriegsende ein halbes Jahr nach Ungarn verschickt, unter dem nazideutschen Ausdruck "Kinderlandverschickung", was ihn, zwei Lehrer und 40 andere Kinder vor dem Bombenhagel der Alliierten schützen hätte sollen. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, hatte Hinterberger zwei Hauptschuljahre absolviert. Er lernte Elektriker, nach der Gesellenprüfung verlor er den Posten, wurde Hilfsarbeiter in einer Fabrik, 1952 kämpfte er Judo im selben Verein wie ein Polizist; dieser gab ihm den Tipp, melde dich bei bei uns an; wenige Wochen später rückte Hinterberger als Polizeirekrut in die Roßauer-Kaserne ein.
Er wurde Kompaniebester, durch mitternächtliches Lernen am Klo der Kaserne. Nach eindreiviertel Jahren sollte er zum "provisorischen Wachmann" emporklettern. Eine Sehschwäche, Brillen – und der Polizeiarzt machten ihm einen Strich durch das Leben. Hinterberger musste den Dienst quittieren – ein Zurück in die Fabrik als Hilfsarbeiter.
Verärgert: "Zu dieser Zeit haben nur zwei Polizisten eine Brille getragen – ganz offiziell", berichtet Hinterberger. "Der General und sein Stellvertreter."
Verletzt: "Polizist zu werden, war mein Traum."
In der Polizeischule hatte Hinterberger das systematische Denken gelernt. Jetzt wurde er Stammgast im Volksbildungshaus, brachte täglich Stunden mit dem Lesen zu und ihm fiel auf, Millionen von Seiten waren vollgeschrieben mit Geschichten über das Bürgertum und keine über "seine Leute", die "kleinen Leute". 1964 schrieb Hinterberger "Salz der Erde" – den Roman, der ihm zum Durchbruch verhalf, zehn Jahre später als Fernsehserie "Ein echter Wiener geht nicht unter".
Hinterberger stieg auf zum Bibliotheksleiter in Ottakring und acht Jahre später wieder ab, als das Volksbildungshaus in Konkurs ging. Hinterberger kehrte wieder zurück in die Fabrik, allerdings nicht mehr als Hilfsarbeiter, sondern als "Expedient" und blieb es 23 Jahre lang bis 1991, als er in Pension ging.
"Ich habe nie abgehoben", sagt Hinterberger. "Der Erfolg ist zu spät gekommen. Wäre ich dreißig gewesen, hätte das vielleicht anders ausgesehen." Außerdem sei er Buddhist und als solcher nicht an den materiellen Dingen orientiert. "Für mich gilt als Leitfaden, was im Kaisermühlenblues der Schebesta zur Mutter vom Schoitl sagt", sagt Hinterberger. "Sie haben auch nur ein Loch im Arsch – oder haben sie zwa?"
Dreimal lehnte Hinterberger den Professoren-Titel ab. "Ich habe einen Freund gehabt", erklärt Hinterberger, "den Viktor Matejka, erster Kulturstadtrat nach 1945 – eine Legende. Der hat mir erzählt, wenn irgend so einer unbedingt den Professor will, macht er ihm das schon. Seit dem, wenn mich einer anredet wegen dem Professor-Titel, denke ich an den Vikerl und sag, ich brauch das nicht, geben’S dem Krankel den Professor."
Auf den Titel "Ehrenkriminalist" ist Ernst Hinterberger stolz.

Ehrenmitglied Kurt Schwartling

Als besondere Auszeichnung empfanden es die Vorstandsmitglieder der "Kriminalisten", als Mitte des Vorjahres die Beitrittserklärung von Kurt Schwartling ins Haus flatterte. Oberst i. R. Kurt Schwartling, zuletzt leitender Kriminalbeamter im Wiener Kriminalbeamteninspektorat und Lehrer in vielen Kriminalbeamtenkursen, war in den 80er-Jahren Obmann der "Vereinigung der Bundeskriminalbeamten". Um die in die Jahre geratene Vereinszeitschrift "Der Kriminalbeamte" zu modernisieren holte er damals junge Kriminalbeamte in die Redaktion. Und die beschrieben, was den Kollegen so am Herzen lag. Meist nicht zur Freude der im Umgang mit Kritik nicht gerade gewöhnten Hochdenker.
Versuche, die Redaktion an die Leine zu nehmen scheiterten. Kurt Schwartling stand wie ein Bollwerk vor seinen Schreibern und auch das Ansinnen eines Vorgesetzten, vor Erscheinen des Heftes einen Vorabdruck zu bekommen, entlockte ihm nur ein mildes Lächeln.
So wurde aus dem ehemaligen Mitteilungsblatt eine ernst zu nehmende Fachzeitschrift. Nach seiner Pensionierung gab er den Vorsitz im Vorstand auf und wechselte in den Aufsichtsrat. Auch in dieser Phase hielt Schwartling seine schützende Hand über die Zeitschrift.
War es Zufall, dass nach seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat das Betriebsklima in der Müllnergasse fröstelte?
Anfang 2003 beendete so gut wie die gesamte Redaktion die Mitarbeit beim "Kriminalbeamten". Wenige Monate später gründete der Kern der ehemaligen "Kriminalbeamten"-Redaktion den Verein "Die Kriminalisten". Mit der Fachzeitschrift "Kriminalpolizei" werden die von Kurt Schwartling geförderten Prinzipien fortgesetzt. Eine freie und kritische Berichterstattung. "Das muss auch innerhalb der Exekutive möglich sein", sagt Schwartling, nun Ehrenmitglied der Vereinigung "die Kriminalisten".