Kiberer Blues

Kabale und Liebe

Das türkis/grüne Liebeswerben ist in vollem Gange. Also jetzt, zu Redaktionsschluss. Da in der Liebe – und in der Politik – die Stimmung schnell von Liebe in Gleichgültigkeit bis Hass umschlagen kann, haben Prognosen die Halbwertszeit eines Nutellaglases in einer Schwangeren-WG.

Wobei, Liebeswerben ist auch nicht ganz der richtige Ausdruck! Das gegenseitige Interesse ist mehr von Höflichkeit und der Angst vor dem Alleinsein geprägt. Die Partnerwahl war nicht die Liebe auf den ers­ten Blick, dieses Kribbeln im Bauch, wenn dein feuchter Traum plötzlich real vor dir steht. Es war mehr so, wie wenn dir deine gehässigen Freunde (hier gespielt vom Wähler) nach der zweiten Scheidung mangels Alternative diese verrückte Freundin vorstellen, die sich zwar für total klug und sexy hält, aber trotzdem bisher nie einen abbekommen hat.

Die vulgäre Ex. Du hängst in Gedanken eigentlich noch an deiner Ex, ein richtiger Kumpeltyp, nicht so hochgestochen und zickig. Das Wort Migräne kannte sie gar nicht! Es gab keine endlosen Diskussionen und sie war nicht so leicht angepisst wie die ganzen hippen Prinzessinnen. Sie hatte nur ein kleines Problem. Wenn sie etwas getrunken hatte, konnte sie richtig vulgär werden. Sie sang dann schmutzige Lieder, man musste sich echt genieren beim Nobelheurigen in Grinzing. Und sie pöbelte Leute an. Der Dichand war dann echt eingeschnappt. Also hat sich der Basti gedacht: „Das hat man doch als attraktiver junger Mann nicht nötig, da warten doch sicher noch Schönere auf mich!“ Und jetzt sitzt er da, mit der Anti-Atomkraft-Blume, mit den Dreadlocks, der Schlabberhose und den Gesundheitsschuhen. Und muss so tun, als ob er echt interessiert wäre. Weil wenn doch wieder die prollige Ex bei ihm einzieht, ist er die Lachnummer bei seinen feinen Freunden in Brüssel. Das weiß er. Also drei Gläser Chateau Rothschild und ran an die Öko-Braut!

Verpartnerung gegen alles? Und sie? Sie weiß, dass jeder ihrer Schritte von ihren Bobo-Freunden brühwarm und scharfzüngig be-, oder besser: verurteilt wird. Die haben zwar alle vom Leben außerhalb der Uni auch keine Ahnung, aber sie haben schon viele Bücher gelesen. Wenn sie sich jetzt diesen Schönling, diesen Studienabbrecher, diese selbstverliebte Bachelor-Kopie nimmt, dann gibt sie sich doch auf. Der Schnösel verlangt sicher, dass sie am Abend kocht und verbietet ihr die Teilnahme an den tollen Sitzstreiks, bei denen man gegen so viel sein kann. Und zur WKR-Demo wird er auch kaum mitmarschieren, weil sein Slim-Fit-Anzug nass werden könnte vom Wasserwerfer. Wenn sie mit dem echt eine Verpartnerung andenkt, dann muss sie gleich klarstellen, was für eine Frau sie ist und wofür sie steht. Oder noch besser: WOGEGEN! Also eigentlich gegen alles. Mit kleinen Ausnahmen wie Radfahren oder regionales Tofu aus Bodenhaltung essen. Und wehe, sie erwischt ihn einmal mit der Ex in dem gemütlichen Beisl, wo sie vielleicht im Extraraum verstohlen eine Zigarette rauchen, dann gibt’s Zoff vom Feinsten! Aber andererseits: Wieder fünf Jahre nur von der Parkbank zuschauen wie die anderen es richtig treiben? Also schnell drei Chai-Latte mit doppeltem Vodka und ran an den Jüngling!

Wattebäuschchen-Glock! Was soll man als Polizist von diesem Petting der Verzweifelten halten? Nun, wenn sich jeder daran hält, was er am besten kann, könnte es funktionieren. Dann wird es sicher keinen grünen Innenminister geben. Ansonst ergibt sich ein gemischtes Bild. Ich sehe mehr ein Problem in der Stimmung und der gegenseitigen Wahrnehmung. Grüne hätten die Polizei gerne als freundliche Friedensrichter, die – im äußersten Notfall – den Verbrecher mit Wattebäuschchen niederstrecken. Polizisten kennen Grüne oft als „lästige“ Demoteilnehmer oder als „zivilcouragierte“ Handyfilmer bei Amtshandlungen, deren Grund sie nicht kannten.

Das linke Berlin. Man kann in Berlin gerade sehr schön und live beobachten, wohin eine linke Politik (Berlin hat eine rot-grüne Stadtregierung und die Polizei ist Ländersache) führen kann. Die Polizei ist in vielen Bereichen machtlos, Clans und Großfamilien haben die Kontrolle über Stadtteile übernommen, es gibt in Görlitzer Park eigene Bereiche für Dealer und grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Hermann, sagte im Interview zur „Welt“: „Ich gehe in Berlin durch gar keine Parks, ich weiß ja nicht, wie Sie das handhaben, aber das ist mir als Frau zu gefährlich.“ Das ist wenigstens ehrlich.
Eine etwas andere Sichtweise hat Ulla Jelpke, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für innenpolitische Themen der Linken. Sie sieht den Kampf der Polizei gegen kriminelle Clans als „Schikane unbescholtener Bürger“ und „Sippenhaft für Familienmitglieder“ und auch den Begriff Clankriminalität als „irreführend und diskriminierend“. In Berlin gab es eine gemeinsame Veranstaltung von Muslimen und Vertretern der Linken, dort wurde beklagt, dass durch das Vorgehen der Polizei muslimische Bürger „stigmatisiert und kriminalisiert“ würden, wie es Ulla Jelpke zusammen­fasste. Naja, so kann man es auch sehen – muss man aber nicht!
Weil es gerade zum Thema passt: Kristina Kreisel hat für die Zeitschrift Focus Doris Unzeitig interviewt, eine Oberösterreicherin, die fünf Jahre Direktorin an einer Berliner Brennpunktschule war. „Drohungen, gewalttätige Schüler, aggressive und ignorante Eltern“, so beschreibt sie ihren Alltag. Sie organisierte im März 2018 einen privaten Wachdienst „als letzte Möglichkeit, um die Situation in der Schule zu entspannen“. Denn „die Muskel-Berge der Sicherheitsleute nötigten nicht nur vielen Vätern, denen es schwerfiel, eine blonde Frau als Autoritätsperson zu akzeptieren, die sie „Nutte“ schimpften, weil sie einen Rock trug, mehr Respekt ab als den Lehrkräften, sondern sie sprachen vielfach auch die Sprache der Kinder.“ Pädagogik im Jahr 2019...
Berlin ist also ein prima Vorzeigeprojekt – wie man es nicht machen sollte.

Grüne Polizei? Andererseits haben sich früher grüne Politiker, zum Beispiel Peter Pilz, für eine bessere Ausstattung und Ausbildung der Polizei stark gemacht und auch die Lösung des Personalproblems würde sicher nicht am grünen Widerstand scheitern. Eine Aufwertung der Polizeiausbildung inklusive akademischen Abschlusses würde sicher Unterstützung finden.
Österreich hat ein modernes Asylverfahren und war in den vergangenen Jahren immer unter den Top Drei der Aufnahmeländer in Europa – was sollte es für die Grünen da zu beanstanden geben? Offene Grenzen wird ein Kanzler Kurz sicher zu verhindern wissen. Knapp 14 % sind halt keine Mehrheit. Und das große Thema Integration, das seit Jahren immer wieder verschleppt wurde, könnte endlich angegangen werden. Sicher von zwei verschiedenen Standpunkten aus, aber besser als gar nicht. Es liegt auf der Hand, dass gerade im Schulbereich vieles im Argen liegt. Dass wir jedes Jahr eine große Anzahl von funktionalen Analphabeten aus dem Schulsystem entlassen, die in der heutigen Arbeitswelt nicht Fuß fassen können. Oft die Kinder von Migranten, bei denen daheim nicht Deutsch gesprochen wird. Die ÖVP möchte den Eltern mehr Druck machen und die Grünen wollen mehr Unterstützung bieten. Beides kombiniert könnte doch funktionieren.

Clash of Cultures. Ein großes Thema ist für viele betroffene Österreicher das soziale Zusammenleben, der Clash of Cultures. Gegenden, in denen kaum mehr Deutsch gesprochen wird, wo die türkischen die einheimischen Geschäfte verdrängt haben, Nachbarn mit denen man nicht reden kann und die aus ihrer Heimat einen anderen Lärmpegel gewöhnt sind. Dazu Jugendliche, die in „ihrem Park“ Revieransprüche geltend machen und für die Gewalt nicht nur im Computerspiel ein Thema ist. Hier haben viele Linke einen blinden Fleck, der schlicht aus der fehlenden Gelegenheit resultiert. Wer weit entfernt von Ausländervierteln aufwächst, in die (Privat-)Schule geht und seinen Arbeitsplatz findet, kann die Probleme vieler Österreicher nicht nachvollziehen. Hier wäre das Verlassen der eigenen Filterblase empfehlenswert, was aber kaum passieren wird.
Trotzdem: Ich denke nicht, dass eine grüne Regierungsbeteiligung ein Totalschaden für die Polizei sein würde. Immerhin wäre man dann Teil der Regierung und muss seine Arbeit als Erfolg verkaufen.

Die potemkinschen Kriminalisten. Wechseln wir von der Nationalratswahl zur Personalvertretungswahl Ende November. Sie hat ein Problem in Erinnerung gerufen, das in den letzten Jahren friedlich wie der Ötzi unter seiner Schneeschicht geruht hatte. Es geht um die fehlende Postenwahrheit zwischen dem Kriminaldienst und dem uniformierten Bereich. Es gibt im Landeskriminalamt Wien einerseits zugeteilte E2b-Beamte, da es zu wenige ausgebildete E2a-Kriminalisten gibt. Andererseits versehen in den Tatortgruppen der LKA-Außenstellen zahlreiche E2b-Beamte Dienst, da diese Top-Teams von Beginn an so geplant waren. Die E2b-Beamten im Landeskriminalamt leisten eine ausgezeichnete Arbeit und sind nicht mehr wegzudenken. So weit, so gut. Bis die PV-Wahl wieder vor Augen geführt hat, dass viele Kollegen zwar im LKA Dienst versehen, offiziell aber noch in ihrem alten Stadtpolizeikommando am Stand geführt werden – und daher dort auch ihre Personalvertretung zu wählen hatten. In einem SPK, in dem sie seit vielen Jahren nicht mehr Dienst gemacht haben und von daher auch die Personalvertreter nicht mehr kennen. Andererseits mussten die Personalvertreter im LKA auf die für sie wichtigen Stimmen verzichten.

Die doppelten Polizisten. Und es geht natürlich nicht nur um die PV-Wahl, es geht um die Personalwahrheit und um Bewertungen. Auf den LKA-Außenstellen sind bis zu einem Drittel der Bediensteten betroffen! Wenn nun diese nicht unerhebliche Anzahl an Planstellen von den SPKs in das LKA wandern, wäre eventuell auch eine Verschiebung von Bewertungen und Führungspositionen die Folge. Dies war einer der Gründe, warum die Beamten offiziell noch Uniform tragen. Der zweite Grund war, dass man diese Polizisten entweder dem LKA oder dem SPK zurechnen konnte, je nachdem wer gerade nachgefragt hat. Und konnte so wieder ein Stück der massiven Unterbesetzung kaschieren. In der LPD-Wien hat man sich nun des Problems angenommen und arbeitet an einer Lösung.

Tun sie es? Also warten Herr und Frau Österreicher gespannt, ob es zwischen den türkis/grünen Turtelgeiern (oder heißt es Tauben?) zu einer heißen Nacht am Ballhausplatz kommt und dann ein gemeinsamer Lebensabschnitt beschlossen wird. Der Ehevertrag, auch Koalitionsabkommen genannt, dürfte an Länge und Spitzfindigkeiten jedem Hollywoodstar zur Ehre gereichen.
Herbert Windwarder

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