Ehrung

TOP-Kriminalisten 2019

Ermittler des Landeskriminalamts Wien (EB09), des Bundeskriminalamts (Büro 3.4) und des Landeskriminalamts Niederösterreich (EB04) wurden „Kriminalisten des Jahres“. Die Preise werden von der Vereinigung österreichischer Kriminalisten vergeben.

Nicht bei „kleinen“ Straßendealern, sondern in der oberen Liga eines europaweit aktiven Suchtgift-Rings hatten fünf Kriminalisten des Landeskriminalamts (LKA) Wien zu ermitteln begonnen. Sie waren in einer hohen Hierarchie-Ebene eingestiegen, nachdem sie durch Hartnäckigkeit und mit kreativen Methoden in sozialen Medien auf Namen und Adressen der Haupttäter gekommen waren. Die Kriminalisten der Gruppe Rudolf Hetfleisch wurden dafür mit dem Preis „Kriminalisten 2019“ ausgezeichnet. Insgesamt hatten sie 36 Hausdurchsuchungen durchgeführt und 22 Personen festgenommen, darunter die mutmaßlichen Haupttäter des österreichischen Zweigs der Suchtmittelbande. Die Kriminalisten hatten innerhalb weniger Monate sechs Cannabis-Aufzuchtsanlagen der Bande mit jeweils mehreren Tausend Hanfpflanzen aufgedeckt. Zudem hatten sie den Hauptverdächtigen Geldwucher zur Last gelegt. Der mutmaßliche Kopf der Bande hatte ein Geldverleihsystem aufgezogen, bei dem er 20 Prozent Zinsen verlangte. Zum Geldeintreiben hatte er Schläger eingestellt. Die Kriminalisten hatten Autos der Marken Ferrari und Mercedes AMG, Uhren, teilweise im Wert von 600.000 Euro zur Vermögenssicherung beschlagnahmt. In der Villa eines des Hauptverdächtigen hatten sie 100.000 Euro Bargeld sichergestellt.
„Unser Anliegen ist es, Kriminalis­ten vor den Vorhang zu holen, die normalerweise abseits der Öffentlichkeit arbeiten“, sagte Mag. Alfred Ellinger, Präsident der Vereinigung österreichischer Kriminalisten. Diese verlieh den Titel des „Kriminalisten des Jahres“ in einer Feier am 11. Oktober 2019 im Wiener Rathaus zum 16. Mal. Die fünf Beamten der Gruppe Hetfleisch zeichneten sich durch geschickte Schachzüge gegen die Suchtmittelbande aus. Zum Beispiel vergaben sie in jedem Fall einer entdeckten Aufzuchtsanlage eine eigene Aktenzahl, um zu vermeiden, dass Anwälte bei der Akteneinsicht auf die größere Dimension des Falles schließen konnten. „Für die Vergabe des Titels zählt für uns die kriminalistische Qualität der Arbeit“, betonte Ellinger. „Ob der Fall spektakulär ist, hat wenig Einfluss auf unser Jury-Urteil.“
„Die Drogenkriminalität in Wien hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert“, sagte der Wiener Landespolizeipräsident Dr. Gerhard Pürstl. Teile der Verkaufsanbahnung hätten sich ins „Darknet“ verlagert „und in Indoor-Anlagen wird immer höherwertigeres Cannabis angebaut“, sagte Pürstl. Im Fall der Wiener Bande wurde in den Indoor erzeugten Hanfpflanzen ein THC-Gehalt von 12 bis 16 Prozent gemessen. „Das war doppelt so viel wie normalerweise in unseren Breiten zu erwarten ist“, sagt Rudolf Hetfleisch.
General Franz Lang, derzeit geschäftsführender Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, betonte, die Polizei arbeite unbeirrt von politischen Turbulenzen. „Wir entwickeln uns auch als Organisation weiter und stellen uns auf unser Gegenüber ein“, erklärte Franz Lang, der auch Direktor des Bundeskriminalamts ist.

Zweiter Platz. Eine Gruppe seiner Behörde wurde bei der Feier mit dem zweiten Platz im Bewerb um den Kriminalisten des Jahres ausgezeichnet. Sie hatten einen Schlepperring aufgedeckt.
„Man könnte meinen, die Migration nach Europa ist zurückgegangen, also muss auch die Schlepperei weniger geworden sein“, sagte der stellvertretende Direktor des Bundeskriminalamts Dr. Michael Fischer. „Aber dem ist nicht so.“ Der Handel mit Menschen und deren Wunsch nach einem ruhigen, freien Leben sei nach wie vor lukrativ wie wenig andere Kriminalitätsbereiche. Im Fall des Bundeskriminalamts „überwiesen“ die Haupttäter über ein eigenes Bankensystem innerhalb weniger Monate sechs Millionen Euro von Österreich in den Irak. Eine halbe Million Euro davon floss erwiesenermaßen direkt im Zusammenhang mit nachgewiesenen Schlepperfällen. Die Geschleppten hatten pro Person rund 8.000 Euro bezahlt, um aus dem Irak nach Europa gebracht zu werden. Abgerechnet wurde etappenweise. Mitglieder des österreichischen Teils der Bande hatten die Geschleppten an der Ostgrenze abgeholt und quer durch Österreich meist in Richtung Deutschland weitergeschleust. Einige der Geschleppten hatten ihr Zielland bereits in Österreich gefunden. Die Kriminalisten des Bundeskriminalamts hatten 41 Beschuldigte namentlich ausgeforscht und ihnen 1.000 Schleppervorgänge zur Last gelegt.
Den dritten Platz im Bewerb um den Kriminalisten des Jahres erreichten Beamte des LKAs Niederösterreich für die Aufarbeitung der „Causa Meinl“. Geführt hatte die Ermittlungen der Kriminalbeamte Wilfried Neurauter. Er war bereits 2010 zum „Kriminalisten des Jahres“ gewählt worden, damals mit der Aufarbeitung des Wirtschaftsfalles „Libro“.
„Wirtschaftskriminalfälle sind oft nicht nur wegen hoher Schadenssummen schwierig zu bearbeiten, sondern auch, weil die Verdächtigen sich mit viel Geld teure, spezialisierte Anwälte leisten können“, sagte LKA-Leiter Omar Haijawi-Pirchner, BA MA. Gerade in diesem Fall hätten die Anwälte jede rechtliche Möglichkeit genützt, um Ermittlungsmaßnahmen der ermittelnden Beamten zu bekämpfen und ihnen Steine in den Weg zu legen.
Wilfried Neurauter hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur durch seine Praxis als Ermittler weiterentwickelt, sondern er hat auch durch wirtschaftliche Ausbildungen Know-how erworben, das ihm neue Vorgangsweisen in Wirtschaftsermittlungen ermöglichte.

„Ernst-Hinterberger-Preis“. Für ihr „herausragendes kriminalistisches Lebenswerk“ wurden heuer zwei Kriminalbeamte ausgezeichnet: Oberst Erwin Meindlhumer vom LKA Ober­österreich und Chefinspektor Eduard Pöltl vom LKA Wien. Sie erhielten den „Ernst-Hinterberger-Preis für das kriminalistische Lebenswerk“ von Hinterbergers Witwe Karla Hinterberger überreicht. Die Laudatio für Erwin Meindlhumer hielt Brigadier Gottfried Mitterlehner, Leiter des LKAs Ober­österreich; für Eduard Pöltl sprach Oberstleutnant Günter Steinwendtner, BA. Für Erwin Meindlhumer war auch Landespolizeidirektor Andreas Pilsl, BA MA gekommen. Er betonte, dass es „gerade in der Kriminalpolizei wichtig ist, durchgehend hohe Leistungen zu erbringen“. Das sollte auch gebührend ausgezeichnet werden.