Kiberer Blues

Eine Armlänge Abstand!

Leicht sinkende Zahlen bei der Kriminalstatistik, aber mehr Angst in der Bevölkerung. Unser Schwerpunktthema heuer – können wir dieses Rätsel lösen?

Es ist wieder passiert – und es folgte das übliche Prozedere. Diesmal eine Gruppenvergewaltigung an einem 18jährigen Mädchen im deutschen Freiburg. Der Hauptverdächtige ist ein syrischer Asylwerber. Er wird als Intensivtäter bezeichnet, er wurde bereits wegen Körperverletzung und Sexualdelikten angezeigt, es gab bereits einen Haftbefehl. Der noch nicht vollzogen wurde – aus Personalmangel, wie Rainer Wendt, Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, betont.
Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Mathias Middelberg, sagt: „Wir können nach so abscheulichen Taten wie in Freiburg nicht einfach weitermachen wie bisher. Die Abschiebung von Schwerstkriminellen und Gefährdern muss jetzt auch für Syrien auf den Prüfstand.“ Für Syrien gibt es seit 2012 einen Abschiebestopp.
Freiburgs Polizeipräsident Bernhard Rotzinger hat Frauen geraten: „Macht euch nicht wehrlos mit Alkohol und Drogen.“ Und weiter: „Wir müssen uns klarmachen, dass in einer offenen Gesellschaft nicht jedes Delikt zu verhindern ist.“ Man könne den Bürgern keine „Vollkaskoversicherung“ bieten.
Der CDU-Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl, will künftig stärker gegen Kriminelle vorgehen – und Frauen verstärkt aufklären.
Besorgte Politikerin. Achja, einmal etwas ganz Neues. Aber Moment, da fehlt doch noch wer. Vielleicht eine besorgte Politikerin mit einem bombensicheren Rezept, in der Art von „eine Armlänge Abstand“. Und hier ist die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU): Sie fordert eine umfassende Sexualaufklärung von Asylbewerbern in Deutschland. „Alle Asylsuchenden müssen unmittelbar nach ihrer Ankunft in Deutschland, noch in der Erstaufnahmeeinrichtung, Kurse über das Zusammenleben in Deutschland erhalten – und dazu gehört auch, dass es für sexuellen Missbrauch und andere Gewalttaten null Toleranz gibt“.
Und auch Annette Widmann-Mauz (sic!) spricht sich vor der Presse für eine rasche Ausweisung der Täter aus. Dumm nur: Wenige Wochen zuvor sagte ihr Parteifreund Wolfgang Schäuble im Zusammenhang mit den Chemnitzer Demonstrationen der „Welt am Sonntag“: „Wir sollten uns klar machen, wie schwer es ist, im Einzelfall abzuschieben. Deswegen sollten wir auch nicht allzu stark die Hoffnung schüren, dass wir die Großzahl dieser Menschen zurückführen können.“
So, ich denke jetzt hätten wir alle üblichen Kommentare zusammen: Der Politiker will in Zukunft stärker gegen Kriminelle vorgehen und Frauen „aufklären“. Die Integrationsbeauftragte will die Asylsuchenden aufklären. So als ob die Täter nicht gewusst hätten, dass es verboten ist, ein wehrloses Mädchen zu vergewaltigen.

Einschränkungen im Alltag. Und der Polizeipräsident, der natürlich weiß dass er kein Patentrezept gegen solche Straftaten präsentieren kann, gibt den gut gemeinten Ratschlag „sich nicht mit Alkohol oder Drogen wehrlos zu machen“. Und damit unbewusst jenen in die Hände spielt, denen unsere freie europäische Lebensweise ein Dorn im Auge ist. Aber wir haben uns ja schon an so vieles gewöhnt, an die LKW-Sperren bei Einkaufsstraßen und Märkten, die unzähligen Sicherheitschecks beim Fliegen und bei Großveranstaltungen. Also jetzt halt auch der Alkohol für Frauen. Über die Rocklänge sprechen wir dann nach der nächs­ten Vergewaltigung.

Ein Fall in der Statistik. Diese Vergewaltigung ist in der Kriminalsta­tis­tik EIN Fall. Genauso wie unlängst die Schlägerei vor einem Innsbrucker Lokal. Die Tiroler Tageszeitung schreibt: „Laut Zeugenaussagen schlugen zehn bis 15 Tschetschenen auf zwei Türken ein. Eines der Opfer ging durch die Wucht eines Faustschlags benommen zu Boden. Nachdem der Türke wieder aufstehen wollte, bekam er einen gezielten Fußtritt von einem noch unbekannten Täter gegen seinen Kopf – er verlor daraufhin das Be­wusstsein.“
Oder jenes Seniorenpaar, das in Favoriten mit einer Gruppe Jugendlicher über die Gehsteigbenützung in Streit geriet. Aus dem APA-Bericht: „Die fünf Österreicher türkischer Abstammung pöbelten jedenfalls das Paar an und verwickelten den Mann in ein Handgemenge, bis der 18-Jährige dem Senior in den Bauch trat. Als der 67-Jährige auf dem Boden lag, soll noch ein 17-Jähriger nachgetreten haben. Dann flüchteten alle fünf.“ Die fünf Verdächtigen konnten ausgeforscht werden. Der Mann, er schlug mit dem Kopf auf den Gehsteig, ist Ende November seinen Verletzungen erlegen.

Tagesfreizeit und Ehrgefühl. Kleine Fälle in der großen Kriminalstatis­tik. Aber jeder einzelne signalisiert dem Bürger, dass es immer und überall passieren kann. Dass er sich und seine Familie kaum schützen kann. Dass auch ohne Messer und Pistolen lebensgefährliche Verletzungen „passieren“. Dass viele Täter aus einem islamischen Umfeld kommen. Dass gewisse Personen gerne in Gruppen auftreten, so kann man seine Territorialansprüche auf der Straße am besten durchsetzen. Und diesen Gruppen junger Migranten mit zu viel Tagesfreizeit und einem leicht zu verletzenden Ehrgefühl begegnet der Bürger an vielen Orten. Mulmiges Gefühl inklusive. Wer meint dass ich übertreibe, darf in einem Selbstversuch seine Kinder aus dem Kurs für Ausdruckstanz nehmen und sie zur Abwechslung in einen Fußballkäfig am Wiener Gürtel schicken.

Ethnologin im Interview. Jonas Hermann von der Neuen Zürcher Zeitung führte ein Interview mit Susanne Schröter, Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität in Frankfurt, sie sagt: „Für Frauen hat sich die Sicherheit im öffentlichen Raum verschlechtert. Nicht alle, aber einige der zugewanderten jungen Männer meinen, die körperliche Unversehrtheit von Frauen und Mädchen nicht achten zu müssen. Diese Männer stammen aus patriarchischen Kulturen und werden teilweise schon bei geringfügigen Konflikten gewalttätig; bis hin zum Mord. Die Angst im öffentlichen Raum hat deshalb zugenommen, und das muss man ganz schnell wieder abstellen. ... In Indonesien müssen sich Frauen beispielsweise so kleiden, dass Männer bei ihrem Anblick keine sexuelle Erregung empfinden. ... Schlimmer ist aber: Frauen wird damit die Schuld an sexuellen Übergriffen zugeschoben, weil man im Zweifelsfall behaupten kann, dass sie sich falsch angezogen hätten. Diese Denkweise existiert auch in unseren migrantischen Milieus. Das ist allgemein bekannt, doch in Deutschland gibt es die ausgeprägte Tendenz, diese Entwicklung zu leugnen oder zu relativieren. Vor allem Linke tun so, als gäbe es das alles gar nicht.“

Minderheiten nur als Opfer. Frau Schröter weiter: „Die Ethnologie hat in ihrer Geschichte etwas sehr Positives geleistet, indem sie sich mit den Stereotypen der westlichen Kultur auseinandergesetzt hat. Aber sie ist dann dabei stehengeblieben, sich immer auf die Seite von Minderheiten zu schlagen: Einwanderer, Muslime und so weiter. Die kritische Reflexion bleibt dabei aus, weil man diese Gruppen nur als Opfer wahrnimmt; was übrigens ziemlich paternalistisch ist.“
Prof. Schröter zum Thema Übergriffe: „Wenn sie hierherkommen, keine Freundin finden und eine schlechte Bleibeperspektive haben, erhöht das die Gewaltneigung aber noch einmal deutlich. Daraus resultiert ein extremer Stressfaktor – für die Flüchtlinge, aber auch für unsere Gesellschaft. All das betrifft nur einen geringen Teil der Flüchtlinge, allerdings sind es doch so viele, dass sie fast ständig für Unruhe sorgen. So kommt es bei Straßenfesten oder in Schwimmbädern immer wieder zu sexuellen Übergriffen auf Frauen und Mädchen. Diese Übergriffe werden in größeren Gruppen begangen, und das ist neu. Einheimische Männer tun das in aller Regel nicht.“

Rassismusvorwurf. Jonas Hermann (NZZ): „Sie sagen, für Intellektuelle sei es gefährlich, über das problematische Frauenbild mancher Zuwanderer zu sprechen.“
Susanne Schröter: „Seit ich mich öffentlich zu dem Thema äußere, wird mir Rassismus vorgeworfen. Kritik an meinen Aussagen kommt dabei nie von Fachkollegen, sondern aus linken Kreisen. Dabei tritt ein unglaublicher Hass zutage, der mich wirklich erschüttert hat.“

Islam in Europa. Im letzten Heft haben wir uns mit einer Studie beschäftigt, die dokumentiert, mit wie viel alltäglicher Gewalt Afghanen aufwachsen und mit welchem Frauenbild. Ich zitierte auch das alte Sprichwort „Eine Frau ist entweder im Haus oder auf dem Friedhof“.
Es vergeht kaum eine Woche ohne skurrile Meldung aus einem islamischen Land. Die Saudis entblöden sich nicht, einen Journalisten in der Botschaft abzuschlachten. Oder: In Pakis­tan demonstrierten Menschenmassen gegen die Freilassung von Asia Bibi, sie war wegen Gotteslästerung zum Tode (!) verurteilt worden. Man sieht, es sind nicht nur einzelne Hassprediger, die ihre kranke Ideologie vertreten, es sind große Teile der Bevölkerung, die im Mittelalter hängengeblieben sind. Und es ist naiv zu glauben, dass Migranten ihre Sozialisierung beim Grenz­übertritt ablegen.

Zukunftssicherung durch Migration. Aber all diese Probleme und Mühen sollten ja auch einen Sinn haben. Österreich würde ohne Zuwanderung aussterben, es wäre niemand da, der in einigen Jahren unsere Pensionen zahlen würde, so hört man. Ja, aber! Um einmal unsere Pensionen finanzieren zu können, müssten die Migranten einen Job haben. Und zwar einen Job über der Mindestgrenze, der auch Steuern abwirft. Die Wirtschaftskammer hat unlängst die Warnung ausgegeben, dass 87% der heimischen Betriebe an einem Fachkräftemangel leidet, es fehlen der Wirtschaft ca. 162.000 Fachleute. 60% der Betriebe haben deshalb Umsatzeinbußen oder erwarten diesen in Kürze, 49% der Betriebe müssen ihre Produkt- und Serviceinnovationen einschränken. Ähnlich das Bild in Deutschland, dort fehlen 440.000 Fachkräfte. Und das nach Jahrzehnten der Zuwanderung. Nicht bös sein, aber das Modell „Zukunftssicherung durch Einwanderung“ scheint noch Luft nach oben zu haben.
Herbert Windwarder

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