Ein paar Hunderter Beute


 



Schaut euch die F.-Mafia an


 
 



Das war sein Todesurteil

 

 

       

Porträt

Ein Leben wie ein Krimi

Wenn Johann Schaffer, Kriminalist 2008, Kategorie „Lebenswerk“, und „Kriminalbeamter alter Schule einen Streifzug durch seine Dienstzeit macht, klingt das wie ein Streifzug durch die wichtigsten Ereignisse der Wiener Kriminalgeschichte.

Der Mörder, den ihr sucht, muss eine unvorstellbare Kraft gehabt haben“, sagte der Gerichtsmediziner zu Johann Schaffer nach der Obduktion der „Oma Wanko“, die am 1. November 1990, dem Allerheiligentag, in ihrer Wohnung im Wiener „Stuwerviertel“ ermordet worden war.
„Die Frau kommt die Stiegen rauf“, rekonstruierte Johann Schaffer, damals Mitglied der Mord-Gruppe Kaltenböck im Wiener Sicherheitsbüro. „Sie muss langsam gegangen sein – die Frau war neunzig und es war nach 20 Uhr. An der Wohnungstür steckt sie den Schlüssel ins Schloss, dreht ihn zweimal um, plötzlich wird sie von hinten gepackt. Sie wehrt sich, zumindest versucht sie es. Doch der Mörder hat sie von hinten umklammert, hebt sie hoch, drückt sie nach vorne gegen die Tür, schiebt sie, drängt sie, trägt sie wie eine Puppe ins Vorzimmer. Dabei presst er ihren Brustkorb zusammen. Vielleicht auch gar nicht in der Absicht, die Frau zu ermorden. Aber er drückt zu – immer fester. Bis sie keine Luft mehr kriegt, das Atmen auslässt. Er lässt sie auf den Boden sinken.“
Der Mörder hatte viel mehr Beute erwartet, als er schließlich mitnehmen konnte. Es waren ein paar Hundert Schilling.
Sechs Tage später, ähnliche Gegend, der zweite Mord, wieder eine alte Frau, wieder erdrückt und diesmal auch erstickt. Mit bloßen Händen und einer Geflügelschere reißt der Täter eine Sparkasse auf. Wieder ist die Beute nur ein paar Hundert Schilling wert.
Ein Tag später, am 9. November 1990, zurück im Stuwerviertel: Diesmal ist ein Mann das Opfer und diesmal ist ein Schnitzelhammer das Tatwerkzeug. Ansonsten dieselbe Vorgangsweise.
„Wir sind damals alle Gasthäuser in der Gegend abgegrast“, erinnert sich Johann Schaffer. Der letzte Weg der 90-jährigen Pensionistin wurde rekonstruiert. Sie war aus einer Gaststube gekommen. „Wir haben Sparvereinsauszahlung gehabt“, schilderte der Inhaber des Lokals den Polizisten. Ein Stammgast erzählte: „Da war einer, den habe ich nicht gekannt. Der ist auf meinem Platz gesessen. Ich habe ihm gesagt, er soll sich da verziehen. Da ist er gegangen.“ Erst als „Oma Wanko“ das Lokal verlassen habe, sei ihm der Unbekannte wieder aufgefallen. „Er ist eigentlich gleichzeitig mit ihr gegangen“, stellt der Stammgast fest. Dem Wirten sei nichts Besonderes aufgefallen. Der Fremde habe einen Verlängerten und einen Cognac getrunken, wie schon des Öfteren in seinem Gasthaus. Wann er gegangen sei, wusste der Lokalbesitzer nicht.
Johann Schaffer, schon seit seiner Schulzeit ein leidenschaftlicher Zeichner, rief die Kellnerin und bat um Zettel und Bleistift. „Beschreiben Sie mir den Mann, wie hat er ausgesehen?“, fragte er den „Kronzeugen“.
„Er war ein Schrank von einem Mann“, schilderte der Gast. „Wie ich ihn aufgefordert habe, er soll aufstehen, sich von meinem Platz verabschieden, und wie er dann tatsächlich aufgestanden ist, habe ich Angst vor meiner eigenen Courage bekommen.“

„Phantom der Insel“. Schaffer zeichnete ein recht markantes Bild von dem Gesuchten. In den folgenden Tagen verfeinerte er es mit Hilfe weiterer Zeugen, so dass es immer klarer wurde. Jedem Gastwirt in der Umgebung, jedem Kellner, jeder Kellnerin, jedem Stammgast legte er das Phantombild vor – und wenn jemand vermeinte, darauf den Verdächtigen zu erkennen, malte Schaffer neue Details hinzu. Die intensive Suche mit dem Phantombild trug dem Mörder in den Medien die Bezeichnung „Phantom der Insel“ ein.
„Ein Informant der damaligen EBS hat den Kollegen mitgeteilt, er kenne den Mann“, schildert Schaffer. Bei der EBS handelte es sich um die „Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Suchtgiftkriminalität“ im Innenministerium. „Der Informant hat angegeben, der Gesuchte habe eine Freundin mit einem Café im zweiten Bezirk.“ Die Frau habe ihm vor Kurzem den Laufpass gegeben.
Die Kriminalisten machten die Kaffeehausbesitzerin ausfindig. Ja, der Mann auf der Zeichnung sei ihr „Ex“. Sie habe ihn rausgeschmissen, weil er ein Taugenichts sei. Lange schlafen, nichts arbeiten, ihr nur auf der Tasche hängen. Ja, natürlich, ein Mann wie ein Baum – aber auf Dauer ist das nichts. „Ich habe ihn auf die Straße gesetzt und ihm über Bekannte ausrichten lassen, er kann sich seine Sachen bei mir holen. Eine Weile lass ich sie noch im Abstellkammerl, dann werf ich sie weg.“
Die Kriminalisten nahmen die Habseligkeiten des Gesuchten mit in das Wiener Sicherheitsbüro. „Kann er sich die Sachen eben bei uns abholen“, sagte Schaffer zur Ex-Lebensgefährtin des Mannes.
Wenig später erfuhr der Kriminalist, der Gesuchte habe in einem Lokal, dem „Harlekin“ am Max-Winter-Platz im zweiten Bezirk gearbeitet – ganz in der Nähe des ersten und dritten Tatorts. Er soll sich immer noch des Öfteren dort aufhalten.

„Wir sollten uns kennen lernen.“ Als Johann Schaffer und sein Kollege Gerhard Schneider das „Harlekin“ betraten, saß ein Mann wie ein Wandschrank an der Theke und trank einen Verlängerten und einen Cognac. Schaffer zog das Phantombild aus der Innentasche seiner Jacke und nahm neben dem Mann Platz. Er legte die Zeichnung auf die Theke, streifte es glatt und sagte: „Ich glaube, wir sollten uns kennen lernen.“ Dann zog er seine Dienstmarke aus der Hosentasche. Inzwischen hatte Gerhard Schneider auf der andere Seite des Mannes Platz genommen.
Der Verdächtige bestritt, mit den Morden zu tun zu haben. Er tischte den Kriminalbeamten ein Alibi auf, das sich als falsch erwies. In seiner Wohnung fanden sie nichts, was auf eine der drei Taten hingewiesen hätte. Es gab keine Fingerabdruckspuren, DNA-Analysen standen der Kriminalpolizei damals noch nicht zur Verfügung.
Kurz vor Ablauf der 48 Stunden-Frist für das Festhalten eines Verdächtigen kam der 70-jährige hinterbliebene Sohn von „Oma Wanko“ in das Sicherheitsbüro. Er legte den Kriminalisten ein Military-Messer auf den Tisch, das er in der Wohnung des Mordopfers gefunden hatte. Da es nicht der Ermordeten gehörte, könnte der Täter der Besitzer sein.
„Wir sind in das Untersuchungsgefängnis gefahren, haben das Messer in den Karton mit seinen Effekten gelegt und haben ihn rufen lassen“, berichtet Johann Schaffer. Die Kriminalbeamten teilten dem Inhaftierten mit, er könne seine persönlichen Dinge nehmen und gehen.

Das Military-Messer gehört mir. Schaffer stand neben dem „Phantom“ und beobachtete, wie er zuerst einen Pullover nahm, ihn überstreifte. Wie er zu seinem Gürtel griff, ihn in die Hose einfädelte und schloss. Wie er zu dem Military Messer griff und es in die Hose steckte. „Gehört das überhaupt Ihnen – ich kann mich gar nicht erinnern?“, fragte Schaffer.
„Klar, gehört das mir“, antwortete der Verdächtige. „Ich habe auch geglaubt, ich habe es wo verloren. Dabei war es bei meiner Ex.“
„Damit hat er sich selber die Grube gegraben“, schildert Schaffer. Der Mann ging postwendend zurück in die Zelle. „Von diesem Zeitpunkt an hat er nichts mehr mit uns geredet.“
Doch noch vor Ablauf der 48-Stunden-Frist ließ das „Phantom der Insel“ ausrichten: Wenn den Kriminalbeamten es gelänge, binnen zwei Stunden seine Mutter aus Ybbs zu holen, würde er ein Geständnis ablegen.
„So war es dann auch“, erinnert sich Schaffer. „Wir haben ihm seine Mutter gebracht und er hat uns die Morde haarklein auf den Tisch gelegt.“ Allerdings gestand er nur zwei der Taten. Die Ermordung des Mannes gehe nicht auf sein Konto, behauptete er. Er wurde wegen der beiden Frauenmorde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Fälle des Johann S.

Johann Schaffer legt zu seiner „Lebensbeichte“ eine Mappe mit Zeitungsausschnitten zu 87 gesammelten Fällen vor. Es sind jene, für die er im Laufe seiner Dienstzeit belobigt worden ist. Die meisten Fälle waren so spektakulär, dass man sich heute noch an sie erinnert – auch wenn sie schon fünfzehn oder beinahe zwanzig Jahre her sind.
Manches entscheidende Detail war aber nicht den Zeitungen zu entnehmen – etwa, dass Johann Schaffer mit einem Kollegen nach London zum Ermitteln flog, trotz Androhung eines Disziplinarverfahrens:
Am 21. Mai 1992 verschwand der bekannte und erfolgreiche Wiener Filmproduzent Fritz Köberl – für Freunde und Verwandte völlig überraschend und unverständlicherweise. Köberl, 46, hatte wenige Wochen zuvor eine Ungarin kennen gelernt, die damals 30-jährige Biza N.
Zehn Tage nach seinem Verschwinden erhielt eine Tante Köberls eine Postkarte des Neffen. Wenig später schickte er ihr ein Fax, in dem er sie ersuchte, sein Vermögen auf ein Londoner Treuhandkonto zu überweisen. Geld sei ihm nicht mehr wichtig – er wolle mit seiner Freundin die Welt bereisen, alles hinter sich lassen. Daher habe er einen Wirtschaftstreuhänder in Großbritannien bestellt, der sein Vermögen verwalten sollte – übrigens, ein nicht unbeträchtliches Vermögen. All das sah nicht nach Fritz Köberl aus.
London geriet nicht nur durch das Treuhandkonto ins Visier der Ermittler, es tauchten auch Zahlungen mit Fritz Köberls Kreditkarte in einem Londoner Hotel auf. Laut der österreichischen Botschaft in der britischen Hauptstadt war Fritz Köberl dort persönlich vorstellig geworden und hatte seine Unterschrift auf der Generalvollmacht für den Treuhänder Dr. Gabor P., 43, beglaubigen lassen.

Halten Sie den Dienstweg ein!

Johann Schaffer setzte sich mit Scotland Yard in Verbindung und bekam statt Informationen eine Beschwerde an den Hals, weil er sich nicht an den Dienstweg über Interpol gehalten hatte. Er beschloss, mit einem Kollegen aus seiner Gruppe die Ermittlungen vor Ort selbst in die Hand zu nehmen. Er fühlte bei seinen Vorgesetzten vor – und erhielt statt einer Genehmigung die Androhung eines Disziplinarverfahrens.
„Also, haben wir Urlaub genommen und sind – es war ein Donnerstag – privat nach London geflogen“, erzählt Schaffer. Flug und Aufenthalt bezahlte ein Freund Fritz Köberls, der felsenfest davon überzeugt war, dass dem Filmproduzenten etwas zugestoßen war.
„Ich habe gewusst, wenn ich in London zu ermitteln beginne, und das Scotland Yard bekommt etwas mit davon, blühen mir die größten Schwierigkeiten“, erinnert sich Johann Schaffer. Er riskierte es trotzdem und wurde in jenem Hotel an der Rezeption vorstellig, in dem angeblich Fritz Köberl nach seinem Verschwinden mit Kreditkarte bezahlt hatte. „Aber verraten’S mich bitte nicht bei Scotland Yard, dass ich hier bin“, sagte Schaffer dem Hotelmanager.
Schaffer hatte Glück, denn der Hotelleiter hatte nicht die beste Meinung von den englischen Kollegen der Kriminalbeamten aus Österreich. Er führte sie in das bereits verlassene Zimmer des angeblichen Fritz Köberl. Die Beamten fanden dort eine Perücke und einen aufklebbaren Bart – Verkleidungsutensilien, aus denen jemand zu Fritz Köberl geworden war.
Die Spur des angeblichen Köberl-Treuhänders Dr. Gabor P. führte von der österreichischen Botschaft in London nach Budapest. Dort hatte Gabor P. eine Steuerberatungskanzlei und eine Casting-Firma. Er hatte auch Verbindungen nach Wien, unter anderem zu dem österreichischen Filmproduzenten Helmut F., 34.
Bereits der Freund Fritz Köberls hatte die Polizisten auf Helmut F. aufmerksam gemacht: „Der Fritz hat einmal gesagt, wenn mir etwas zustoßen sollte, schaut euch die F.-Mafia an.“ Helmut F. war ein bekannter ORF-Regisseur und im Begriff, eine erfolgreiche Filmfirma aufzubauen. Durch seinen Lebensstil hatten sich aber Schulden angehäuft.

Korruptionsverdacht. F. bewarb sich teils als Partner, teils als Konkurrent Fritz Köberls um Filmaufträge – und gewann das Rennen verdächtig oft und obwohl günstiger Offerte Köberls vorlagen. Köberl schickte im Februar 1992 eine Beschwerde an das Wirtschaftsministerium. Ein Beamter geriet in Verdacht, mit Helmut F. gemeinsame Sache zu machen. Fritz Köberl drohte Helmut F., ihn zu ruinieren. Das war sein Todesurteil. Das Model Biza N. begegnete ihm im Frühjahr 1992 nicht zufällig. Sie hatte Geld dafür bekommen – von Helmut F. Am 21. Mai 1992 sollte sie mit Fritz Köberl nach Budapest fahren, um den neuen Freund ihrem Onkel vorzustellen.
Fritz Köberl traf Biza N. und Gabor P. am Budapester Hauptbahnhof. Die drei fuhren zur Wohnung des angeblichen Onkels. Dort öffnete Helmut F., verkleidet mit Perücke und aufgeklebtem Bart. „Selbst Gabor P. hat uns später erzählt, er war verblüfft von der Kunst des Schauspielers und Stimmenimitators Helmut F.“, schildert Johann Schaffer. „Er hat ungarisch palawert, obwohl er kein Wort ungarisch gesprochen hat.“ Selbst sein langjähriger Bekannter Fritz Köberl habe offenbar nicht den geringsten Verdacht gehegt.
Biza N. wurde weggeschickt, während die Männer Kaffee und Kuchen servierten. Fritz Köberl wurde müder und müder, bald fielen ihm die Augen zu. In dem Kuchen war ein Schlafmittel „verbackt“.
Nach Darstellung Gabor Ps. soll Helmut F. eine Pistole aus der Küche geholt haben und mehrmals auf Fritz Köberl geschossen haben. Nach Darstellung Helmut Fs. war Gabor P. der Mordausführende.
Gemeinsam schleppten sie dann die Leiche in das Badezimmer und begannen, mit einem elektrischen Fuchsschwanz Hände, Füße und Kopf von dem Rumpf abzutrennen. Sechs bis sieben Stunden dauerte die Prozedur. Gabor P. musste sich mehrmals übergeben. Es war das reinste Chaos.
Die Männer sollen es wie in Trance erlebt haben – Gabor P., der an Krebs litt, unter dem Einfluss schwerer Medikamente, Helmut F. unter Alkohol und Drogen.

Zerstückelt und in Müllsäcke verpackt. Die beiden Männer oder einer von ihnen hatte vor dem Mord einen Häcksler besorgt, mit dem die Leiche in kleinste Teile zerhackt hätte werden sollen. Doch die Maschine gab schon früh den Geist auf. Die Männer zerschnitten den Ermordeten in 17 Teile, allein den Kopf zerklüfteten sie in drei Stücke – was später eine Rekonstruktion des Gesichts Fritz Köberls durch ungarische Gerichtsmediziner schwierig machte.
Nachdem Gabor P. und Helmut F. die Leichenteile in Müllsäcken verpackt und in Mülltonnen umliegender Häuser verteilt hatten, war an eine Rückkehr in die Wohnung nicht zu denken. Somit blieben Blut und Fleischreste in der Wohnung des „Onkels“ zurück.
Helmut F. flog nach London, um das Geschäftliche abzuwickeln. Relativ bald nach dem Mord fanden Stadtstreicher in Budapest die Leichenteile in den Mülltonnen und verständigten die Polizei. Diese beschränkte sich vorerst auf eine nationale Fahndung nach den Daten der unbekannten Leiche.
Der Mülltonnen-Neugier einer älteren Dame in Baden war es zu verdanken, dass die Fälle in Wien und Budapest zusammenkamen. Die ungarisch sprechende Frau entdeckte in einer weggeworfenen ungarischen Zeitung die Gesichtsrekonstruktion der unbekannten Leiche und erinnerte sich an das Foto von Fritz Köberl in einer österreichischen Zeitung.
„Das und das ist derselbe“, sagte sie im Wachzimmer, in dem sie die ungarische und die österreichische Zeitung nebeneinander vor Polizisten auf den Tisch legte.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Johann Schaffer und sein Kollege in London. Über Wien setzten sie sich mit Budapester Kollegen in Verbindung. Die Wohnung in der ungarischen Hauptstadt wurde ausfindig gemacht. Im Badezimmer wurden Leichenreste und in fast sämtlichen Räumen Blut gefunden.

Der Ermordete war Fritz Köberl. Als Schaffer und sein Kollege am Samstagabend aus England zurückkehrten, stand fest, dass es sich bei der Leiche in Budapest um Fritz Köberl handelte, dass Helmut F. und Gabor P. die Wohnung in Budapest eigens für die Tat gemietet hatten und dass nicht Fritz Köberl in dem Londoner Hotel und in der österreichischen Botschaft aufgetreten war, sondern Helmut F. Am Sonntagmorgen wurden die beiden Verdächtigen Helmut F. und Gabor P. in ihren Wiener Wohnungen festgenommen.
Beide wurden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Jener Beamte im Wirtschaftsministerium, der sich von Helmut F. bestechen hatte lassen, wurde verurteilt und aus dem Staatsdienst entlassen. Johann Schaffer und sein Kollege wurden für ihre Ermittlungen in London nicht diszipliniert, sondern belobigt. Ein österreichisches Schicksal.

„Nie ein Angenehmer...“ Bald nach der Klärung des Falls Köberl meldete sich Johann Schaffer für eine neue Aufgabe in der damals neu gegründeten OK-Gruppe des Wiener Sicherheitsbüros zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in der Bundeshauptstadt. Schaffer wurde Gruppenführer-Stellvertreter.
„Für Vorgesetzte war er nie ein Angenehmer, weil er sich kein Blatt vor den Mund genommen hat“, sagt sein heutiger Vorgesetzter Thomas Stecher. „Aber er hat immer eine gerade Linie verfolgt.“
Das machte es Johann Schaffer möglich, sich in kriminellen Kreisen zu bewegen, ohne die Grenzen zum Strafbaren zu überschreiten – auch wenn manches nicht immer den Buchstaben der Dienstvorschriften entsprach. „Er kann einfach mit jedem reden“, sagt Roman Prochazka, der ihn seit Anfang der neunziger Jahre dienstlich begleitet. „Ob es jetzt der russische Barbesitzer ist, der jugoslawische, kleine Einbrecher, die Hausmeisterin oder der waschechte Wiener Strizzi.“

Geiselverhandler. Diese Kunst, auf Menschen einzugehen, ist es, die Johann Schaffer zum erfolgreichen Geiselverhandler macht. In insgesamt zwölf Fällen hat er bisher die Täter zum Aufgeben bewegen können. Schaffer ist seit 1989, der Gründung des Verhandlungsteams, dabei. Meist waren die Geiselnehmer Männer, die in Beziehungsstreitigkeiten gedroht hatten, Frauen oder ihre Kinder umzubringen.
Fast berühmt wurde Schaffer für seine Verhandlung mit dem Bawag-Geiselnehmer am 27. Februar 2007. Mehr als sieben Stunden lang hatte er die Höhen und Tiefen des Mannes mitgemacht und am Ende mit ihm die Aufgabe erlebt – die fast in einem Fiasko geendet hätte, was in letzter Sekunde abgewendet wurde.
„Wir haben die erste Meldung in der Früh am Funk gehört, als wir zu einer Erhebung unterwegs waren“, schildert Roman Prochazka. „Mariahilfer Straße, Bankraub“, hatte es geheißen. Doch es war kein Bankraub, wie ihn die Beamten erwartet hätten.
Der Mann kam unmaskiert in die Bawag-Filiale, hielt einer Angestellten eine Waffe vor’s Gesicht und sagte: „Ruft die Polizei und sagt, ihr seid in meiner Gewalt.“ In der Bank befanden sich zu diesem Zeitpunkt sieben Menschen.
Schaffer und Prochazka waren als eine der ersten Kriminalbeamten am Überfallsort. Die beiden übernahmen die Verhandlungen per Handy. „Er hat uns sehen wollen, bevor er mit uns geredet hat“, erzählt Schaffer. Die beiden Beamten stellten sich vor das Schaufenster der Bank – entgegen der Warnungen der Cobra-Führung, die an den Fall Maringer erinnerten. Der Kripo-Offizier war am Ende einer Geiselverhandlung vor ein Kindermodengeschäft getreten, in dem ein Mann Geiseln in seiner Gewalt gehabt hatte, als der Täter nach draußen schoss.

Eine Frage der Höflichkeit. „Diese Situation war völlig anders als die Bawag-Geiselnahme“, sagt Schaffer. „Die Verhandlungen waren damals bereits zu Ende, die Geiseln schon aus dem Kindermodengeschäft. Der Täter hat nur mehr darauf gewartet, dass er von der Polizei erschossen wird. In unserem Fall haben wir erst mit den Verhandlungen begonnen. Es war noch alles offen.“ Und wenn man etwas von einem Menschen wolle, dann gehörten laut Schaffer die minimalsten Anforderungen der Höflichkeit einfach dazu – etwa dass man sich zeige, damit der andere wisse, wie derjenige aussehe, mit dem er telefoniert.
Obwohl sich im Nachhinein herausstellte, dass der Bawag-Geiselnehmer keine echte Pistole bei sich hatte, bezeichnet Schaffer die Verhandlungen als äußerst schwierig. „Was soll man mit einem Menschen verhandeln, der gar keine Forderungen stellt – außer ein paar Zigaretten, etwas zu essen und zu trinken?“ Ein Gewaltverbrecher sei berechenbar, auch wenn er in Extremphasen durchdrehe. „Ein normaler Verbrecher kehrt auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, weil er überlegt, wie er aus der Situation wieder rauskommen könnte, was er dafür fordern muss, und so weiter“, sagt Schaffer. „Aber wenn jemand ständig auf hundert ist, ist das Verhandeln kein Leichtes.“
Der Mann war in der Bawag-Filiale angetreten, um auf sich aufmerksam zu machen. Er ließ nach und nach Geiseln frei, war am Ende mit der Filialleiterin allein in der Bank und war am Ende bereit, aufzugeben.
Der Mann und die letzte verbleibende Geisel durchschritten bereits das Foyer der Bank in Richtung draußen, da schrie Schaffer ins Telefon: „Halt, bleibt stehen!“ Zu diesem Zeitpunkt hatten noch Scharfschützen der Cobra ihre Sturmgewehre auf den Ausgang der Bank gerichtet. Erst als der Befehl, die Aufgabe abzuwarten, über den Funk gegangen war, gab Schaffer dem Geiselnehmer und der Geisel den Weg frei.
Auf der Straße angekommen, stürzten sich Cobra-Beamte auf den Täter und brachten die Frau aus seiner Gewalt in Sicherheit.

Der Fall Lukas L. Als schwierigste und längste Geiselverhandlung bezeichnet Johann Schaffer die Verhandlung mit Lukas L. im Sommer 1994. Der Mann war inhaftiert und hatte bei einer Ausfahrt in ein Krankenhaus einen Justizwachebeamten überwältigt, war geflohen und hatte in einem Sonnenstudio die Mutter seiner Lebensgefährtin in seine Gewalt gebracht. Lukas L. hielt Johann Schaffer und drei weitere Geiselverhandler 27 Stunden lang auf Trab.
Ab Mitternacht sprach er nur mehr mit Schaffer. 19 Stunden später begann sich die Cobra auf die gewaltsame Beendigung der Geiselnahme vorzubereiten. Kurz bevor der Befehl zum Zugriff gegeben hätte werden sollen, gelang es Schaffer und den drei anderen Verhandlern, den Mann zum Aufgeben zu bewegen.
Schwierig sind laut Schaffer auch Verhandlungen mit ausländischen Männern, die Frauen und Kinder in ihre Heimat verschleppen wollen oder auf ihre Art für das Sorgerecht für die Kinder „kämpfen“. 1992 zum Beispiel Hatte ein Syrer seine Frau und sein 17 Monate altes Kind in seine Heimat bringen wollen. Als sich die Frau weigerte, nahm er das Kind als Geisel. Er hatte zwei Schlagobersflaschen, gefüllt mit je 1,5 Kilo Sprengstoff um seinen Leib geschnallt.
„Im Nachhinein betrachtet, waren wir in diesem Fall zu leichtsinnig“, sagt Johann Schaffer heute. „Wir waren uns der Gefahr nicht bewusst, in die uns der Mann mit seinen selbst gebastelten Bomben gebracht hat.“ Bombenexperten stellten nach der Aufgabe des Geiselnehmers fest, das Selbstlaborat hätte dazu gereicht, das Haus in die Luft zu sprengen – mitsamt den Kriminalbeamten und den teils nicht evakuierten Hausbewohnern.

Kriminelle Strukturen aufgedeckt. „In meiner OK-Zeit hat eine Amtshandlung die andere gejagt“, erinnert sich Johann Schaffer. 1999 wurde er Gruppenführer. „Es war keine einfache Zeit: Man hat von uns wollen, dass wir James Bond spielen, ohne uns darauf vorzubereiten. Und wir haben als erfahrene Kriminalbeamte gewusst, dass wir nicht James Bond spielen dürfen“, sagt Schaffer. „Es ist uns aber gelungen, den Kollegen zu vermitteln, dass wir eine Servicedienststelle sind, an die man sich wenden kann.“
Zwischen 1997 und 2002 verfassten Schaffer und Prochazka drei umfangreiche Zusammenfassungen über die kriminellen Strukturen in Wien. Die Bände wurden von Ermittlungsdienststellen gern genutzt, wenn die Beamten Informationen über Hintergründe benötigten.
Im Mordfall Hodscha Achmedov standen die Hintergrunderkenntnisse Schaffer und seinen Kollegen selbst gut an.
Am 19. September 1994 hatte der Russe seinen dunklen BMW zum Einparken neben ein anderes Auto gestellt, als plötzlich ein Mann von der Fahrbahn aus eine tschechische Skorpio-Maschinenpistole auf ihn richtete. Achmedov war am Handy mit seiner Lebensgefährtin Elena H. verbunden – wodurch sie Ohrenzeugin der Ermordung Achmedovs wurde.
Der Russe legte den Retourgang ein und trat aufs Gas, doch er wurde von 19 Schüssen getroffen. Der Wagen raste indes als Geisterfahrzeug im Rückwärtsgang, mit dem Fuß des Sterbenden am Gaspedal, durch die Peter-Jordanstraße im 19. Bezirk, bis er ungebremst gegen parkende Autos prallte und zum Stillstand kam.
Schaffer und seine Kollegen forschten im Rotlicht und stießen auf eine Gruppe von Männern, denen der Ermordete junge Frauen aus dem Ostblock als Prostituierte zugeliefert haben soll. Dabei soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein und einer der russischen Rotlichtdrahtzieher in Wien gab den Auftrag, Hodscha „umzuhacken“. Dieses Wort wurde später zum Streitpunkt, da es sich laut eines Gerichtssachverständigen um keinen „klaren Mordauftrag“ gehandelt habe.
Der Ausführende, ein junger Russe, der 10.000 Schilling (über 700 Euro) für den Mord erhalten hatte, wurde ein Jahr später bei der Einreise aus Ungarn nach Österreich gefasst. Er hatte die Mordwaffe in der Alten Donau versenkt.
Bei der Gerichtsverhandlung am 1. Februar 1996 wurden die Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. In der Nacht zum 2. Februar 1996 flog der Dienstwagen der Gruppe Gary, zu der Schaffer gehörte, in die Luft. Jemand hatte das Auto mit einer Handgranate gesprengt.

Auftrag zur Liquidierung der Ermittler. Später ermittelten die Kriminalisten in ihrem eigenen Fall, dass insgesamt drei Handgranaten von Moskau nach Wien geliefert worden waren. Damit hätten elf Kriminalbeamte plus die Staatsanwältin liquidiert werden sollen. Zum Glück fand sich niemand, der die Sprengfallen gestellt hätte, bevor die Information über die geplante Tat den Kriminalbeamten zugetragen wurde.

Überfälle auf Wettlokale. Ende April 2003 wurden die OK-Gruppen aller österreichischen Dienstbehörden aufgelassen – auch die Wiener OK-Gruppe Schaffers. Der Gruppenführer kam vorübergehend in das Kriminalkommissariat Zentrum-Ost und im September 2003 zurück in die Kriminaldirektion 1, die mittlerweile das Sicherheitsbüro abgelöst hatte.
Nach einer Überfallsserie auf Wett- und Spielautomatenlokale übernahm die Gruppe Schaffer mit Dezember 2003 zentral die Bearbeitung dieser Fälle. Wenige Monate später klärten die Beamten die Serie auf. 18 Täter wurden überführt. Ihnen wurden 27 bewaffnete Überfälle nachgewiesen, sechs Geschäftseinbrüche sowie eine erpresserische Entführung. Die Straftäter erhielten Gefängnisstrafen im Umfang von 13, 12 und 10 Jahren.
Im Jahr 2006 forschten die Beamten der Gruppe Schaffer eine achtköpfige Bande aus und wiesen den Tätern sieben bewaffnete Überfälle auf Banken und Postämter nach.
Die acht Burschen standen in loser Verbindung miteinander. Teilweise hatten sie sich erst kurz vor den Überfällen kennen gelernt. Zwei kannten einander von der Schule her – jener Textil-HTL, die in einer österreichischen Tageszeitung dann als „Schule der Bankräuber“ bezeichnet wurde.
Den ersten Überfall verübten die Burschen zu dritt. Sie beraubten ein Postamt in Wien 15 aus. Einer der Verdächtigen trug eine „Fantomas“-Maske, die später niemand mehr bei Überfällen trug. Unter der Plastikhaut begann man zu rasch zu schwitzen und die Maske verrutschte – die Verdächtigen hatten vermutlich den Stress unterschätzt, dem Räuber während eines Überfalls ausgesetzt sind.
„Bei den Überfällen, die wir der Bande zugeschrieben haben, hat einer der Verdächtigen ein Fluchtfahrzeug gelenkt“, sagt Roman Prochazka. „Zwei sind in die Bank, in den meisten Fällen sind sie durch ein Durchhaus geflüchtet und dann mit dem Fahrzeug entkommen.“ Die Burschen stahlen vor den Überfällen Kennzeichen und montierten sie auf Pkws, die ihnen gehörten oder die sie gemietet hatten.
Insgesamt erbeuteten die Verdächtigen bei den sechs Überfällen 150.000 Euro. Verwenden konnten sie das Wenigste davon – Alarmpakete färbten die Scheine ein.
„Bei der Beuteaufteilung hat Freundschaft offenbar wenig gezählt“, erzählt der Johann Schaffer. In einem der Fälle sollen zwei der Komplizen den Dritten im Bunde zum Wurstsemmelkaufen geschickt und ihm den Großteil seines Anteils „unterschlagen“ haben.
Ausgeforscht wurden die Burschen auf Grund einer Zeugenaussage. Ein Angestellter einer Sicherheitsfirma hatte die Autonummer des Fluchtfahrzeugs erkannt und der Polizei weitergegeben. Die Bank hatte das Sicherheitsunternehmen mit der Überwachung des Geldinstituts beauftragt. Das war Teil einer Strategie, die zwischen Polizei und Bankenvertretern vereinbart worden war, nachdem die Zahl der Banküberfälle dramatisch gestiegen war.

Juwelierraub geklärt. Einen der größten Erfolge gegen Räuber hatte Johann Schaffer mit seinem Partner Leo Szorger relativ zu Beginn seiner Karriere. Sie forschten 1989 zwei Juwelierräuber aus.
Am 14. April 1989 überfielen drei Ungarn den Wiener Juwelier Laszlo O. in seiner Wohnung in der Wiener Kirchengasse im siebenten Bezirk. Die Wohnung lag über dem Geschäft des Mannes und er bearbeitete großteils dort die wertvollsten Schmuckstücke, die er hatte. Die Männer hatten das Opfer im Stiegenhaus abgepasst, ihn zurück in die Wohnung gedrängt, gefesselt, misshandelt und beraubt. Der Überfallene erlitt ein Schädel-/Hirntrauma Die Täter erbeuteten insgesamt 18 Kilogramm Gold und 1.000 Karat Edelsteine. Einer der drei Männer wurde auf der Flucht gefasst, doch er verweigerte die Aussage.
Am Tag nach dem Überfall hatten die Kriminalisten ein Hotel ausfindig gemacht, in dem die gesuchten Männer offenbar Zimmer bezogen hatten. Schaffer und sein Kollege Leo Szorger legten sich auf die Lauer und prompt kamen um 15.30 Uhr die beiden Gefahndeten. „Wir haben sie von Weitem erkannt, weil sich einer der beiden auf der Flucht bei einem Sprung aus dem zweiten Stock am Fuß verletzt gehabt hat und gehinkt hat“, erinnert sich Schaffer.
Die Männer führten die Kriminalisten dann auch zu jenem Grundstück, wo sie die Beute vergraben hatten.

Dauerklienten. Manche Zeitgenossen begegneten Johann Schaffer mehr als einmal im Laufe seiner Dienstzeit. Gerhard B. zum Beispiel bearbeitete er zum ersten Mal 1988, als dieser nach einem Bankraub auf der Flucht erwischt worden war. Aus der U-Haft gelang ihm die Flucht – und er tauchte unter.
1991 erhielt Schaffer einen Hinweis, wonach der Wiener geraubte Uhren angeboten haben sollte. Schaffer forschte die Wohnung des U-Bootes aus und nahm Gerhard B. fest. Bei der Durchsuchung seines Hauses stießen die Kriminalbeamten auf 18 Raymond-Weil-Uhren, die Unbekannte bei einem Überfall auf einen Juwelier im 6. Wiener Bezirk erbeutet hatten. Die Täter waren maskiert und hatten den Geschäftsinhaber mit einer Pumpgun bedroht. Bei dem Raub war auch ein Cartier-Tiger, besetzt mit Brillanten, erbeutet worden.
Die Beamten der Gruppe Kaltenböck forschten nach der Festnahme von Gerhard B. die Räuber aus. Schaffer war dabei, als der Kopf der Bande festgenommen wurde. Er hatte durch die geschlossene Tür auf die Kriminalbeamten geschossen, konnte aber überwältigt werden. Im Keller seines Hauses fanden die Kriminalisten die gesamte Raubbeute, inklusive des Cartier-Tigers. Insgesamt betrug der Wert der wiedergefundenen Beute acht Millionen Schilling (580.000 Euro). Anfang der 2000er-Jahre begegnete Johann Schaffer Gerhard B. neuerlich. Diesmal hatte der Kriminelle bei einem Raubüberfall den Leiter einer Spar-Filiale erschossen. Gerhard B. hat vor wenigen Jahren in seiner Zelle Selbstmord begangen.

Menschenhandel. Nicht immer liegen die Dinge klar auf der Hand. In einem Fall 2002 hatte die Funkstreife im 22. Wiener Bezirk lediglich einen Raufhandel mit schwerer Körperverletzung angezeigt, nachdem ein Lokalbesitzer fast zu Tode geprügelt worden war. Schaffer erfuhr von dem Fall von einem Informanten, der ihm mitteilte, dass es sich angeblich um einen Mordauftrag gehandelt hätte. Schaffer nahm – damals als Chef der OK-Gruppe – die Ermittlungen auf.
Er kam dahinter, dass ein Teilhaber des Barbesitzers in den Frauenhandel aus Ostblockländern verstrickt war. Es handelte sich um einen Rumänen. Die Spur des Menschenhändlerrings führte nach Gleisdorf in der Steiermark. Dort befand sich die Drehscheibe für den Frauenhandel nach Österreich, in der der Rumäne seine Finger hatte. Es kam zu Zwistigkeiten wegen Geldes und ein Widersacher des Rumänen aus Wien schickte diesem eine Schlägergruppe von vier Mann.
Die Täter kamen mit Baseballschlägern in die Bar in Wien Donaustadt und begannen ohne Vorwarnung, auf den Lokalbesitzer und einen Kellner einzuschlagen. Der Rumäne, um den es ging, war nicht anwesend. Die Schläger glaubten, in dem Barbesitzer ihn vor sich zu haben.
Dem Kellner gelang die Flucht, dem Inhaber der Bar wurde das Gesicht zertrümmert. Als die Schläger das Lokal verließen, mussten sie der Meinung sein, der Mann wäre tot. Er überlebte.
Weil auch die Schläger nicht pünktlich bezahlt wurden, befanden sie sich noch in Österreich, als die Polizei in Gleisdorf an ihre Tür klopfte. Sie und ihr Auftraggeber wurden verhaftet und wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.