Kriminalgeschichte

Frank Hamer stellte Bonnie & Clyde

Francis „Frank“ Augustus Hamer, jener frühere Texas Ranger, der das mordlustige Räuberduo Elizabeth „Bonnie“ Parker und Clyde Chesternut Barrow nahezu im Alleingang stellte und zur Strecke brachte, handelte zwar in Notwehr, aber dennoch nach dem biblischen Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Blut um Blut“.

Am 23. Mai 1934, gegen neun Uhr früh, fuhr ein grauer Ford V8 „Sedan“ in hohem Tempo eine Seitenstraße in Richtung Plain Dealing in Louisiana. Auf einem kleinen Hügel in der Nähe von Gisland angelangt, bremste der Wagen plötzlich und rollte langsam weiter, um schließlich mit laufendem Motor nahe einem im Straßengraben befindlichen Pinienbaumstumpf zu halten.
Auf dem Fahrersitz der schweren Limousine saß ein schmächtiger, schwarzhaariger Mann mit ausgeprägten, abstehenden Ohren. Neben ihm befand sich eine ebenfalls kleinwüchsige, unhübsche und eher unansehnliche rothaarige Frau, die ein rotes Sommerkleid trug und ihre kurze Ponyfrisur mit einer roten Baskenmütze bedeckte.
Aus der Deckung eines nahen Gehölzes heraus trat ein Mann in dunklem Anzug und Hut auf die Straße, brachte ein halbautomatisches Gewehr in Anschlag, deklarierte sich mit lauter Stimme als Polizist und forderte das Paar im Wagen auf, sich zu ergeben. Der Fahrer gab jedoch Gas, während beide Wageninsassen zu schussbereit gehaltenen Waffen langten. Fast zur selben Zeit schoss der Mann mit dem Selbstladegewehr und verletzte mit den ersten Treffern die Wageninsassen schwer.
Der Fuß des Fahrers rutschte vom Kupplungspedal. Der massive „Sedan“ rollte zur Seite und kippte über die Böschung, wo er in einem großen Gesträuch hängen blieb. Die verwundete Frau im Wageninneren rappelte sich hoch und brachte ihre verkürzte Selbstladeflinte erneut in Anschlag. Als sie ihre Waffe abfeuern wollte, krachte eine Schusssalve, deren Treffer sie tödlich verletzt in den Autositz zurückwarfen. Hinter einer laubbedeckten künstlichen Tarnwand, die man am Straßenrand errichtet hatte, kamen jetzt einige mit Selbstladegewehren und Repetierflinten bewaffnete Männer hervor und durchsiebten das Auto und dessen Insassen mit – später – gezählten 187 Geschossen.
Als das Schießen endlich endete, kam der Mann im dunklen Anzug vorsichtig näher heran und öffnete, eine Armeepistole im Anschlag haltend, die Türe auf der Fahrerseite des Automobils. Darauf fiel die zuvor auf das Lenkrad gebeugte Leiche des Fahrers auf die Straße. Der tote Körper der Beifahrerin hingegen war zum Steuer hin eingeklemmt, wobei Kopf und Oberkörper der Frau nach vorne zwischen ihre Knie gesunken waren.

Gnadenlose Menschenjagd

Jener dunkel gekleidete Mann, der dieses mörderische Duo, Elizabeth „Bonnie“ Parker und Clyde Chesternut Barrow, nach einer mehr als 100 Tage dauernden Jagd gestellt hatte, war Francis Augustus Hamer, den seine Freunde entweder „Frank“ oder „Pancho“ nannten. Er war einer der letzten Texas Rangers des alten Schlages und einer der bekanntesten „Verbrecherjäger“ seiner Zeit. Frank Hamer hatte „Bonnie & Clyde“ mehr als drei Monate lang zu Fuß und unter Benützung von Pferden, Automobilen und Luftfahrzeugen verfolgt.
Der Texaner hatte sein Fahndungsnetz um die beiden Gewaltverbrecher immer enger gezogen und schließlich den Hinweis erhalten, dass die beiden Banditen mit ihren Zuträgern unter Benützung eines „toten Briefkastens“ in Verbindung traten. Als er herausbekam, dass dies die Höhlung des erwähnten Baumstumpfes war, legte er sich, von vier Gesetzesbeamten begleitet, in der Nähe auf die Lauer.

Autodidaktischer Schütze

Die spektakuläre und finale Ausschaltung des gefürchteten Gangsterpärchens war keineswegs Hamers einziger sensationeller Erfolg, der seinen unorthodoxen Ermittlungsmethoden entsprach. Francis Augustus Hamer war am 17. März 1887 als Sohn eines einfachen Schmiedes in Fairview in Texas, zur Welt gekommen. Früh zur Arbeit herangezogen, verbrachte er seine karge Freizeit meist mit Jagd und Fischerei. Von Natur aus ein ausgezeichneter und vor allem autodidaktischer Schütze, diente er in seinen Jugendjahren immer wieder als freiwilliger und ortskundiger Kundschafter für die Texas Rangers. Am 21. April 1906 trat der nun knapp 22 Jahre alte Mann offiziell in die damals in Sheffield in Texas stationierte C-Kompanie des „Frontier Bataillons“ der Texas Rangers ein.
Der 1,90 Meter große und 90 Kilogramm schwere, kompakt gebaute Hamer war den Rangers sehr willkommen, denn er brachte auch vorzügliche Kenntnisse der örtlichen Topographie und der Tier- und Pflanzenwelt mit. Hamer konnte außerdem ausgezeichnet reiten und schießen und hatte von seinem Vater sogar eine Ausbildung im unbewaffneten Nahkampf sowie im Messerkampf erhalten. Von einem Franzosen hatte er die Kampftechnik „Savate“ erlernt.
Da sich Hamer auch die Kenntnis aller möglichen Schlupfwinkel angeeignet hatte, in die sich die „menschlichen Raubtiere“ zurückzuziehen pflegten, wurde er alsbald zur Banditenbekämpfung eingesetzt.
Er war bald so geachtet und populär, dass ihm der seinerzeitige Bezirksstaatsanwalt Charles Schreiner einen gravierten und vernickelten, mit einteiligem, geschnitzten Elfenbeingriff versehenen Colt M1873 im Kaliber .45 Colt, schenkte. Dieses kurzläufige „Civilian Model“, das er „Old Lucky“ nannte, begleitete ihn sein Leben lang. Weiters führte er anfangs ein Winchester Rifle M1895 im Kaliber .30 Krag/Jörgensen. Damit bewaffnet, erledigte er die ihm erteilten gefährlichen Aufträge binnen kurzer Zeit.
Sein erstes Unternehmen bestand in der Ausforschung und Festnahme einer texanisch-mexikanischen Verbrecherbande, die sich an der Grenze herumtrieb. Hamer machte die Leute einzeln ausfindig und der Reihe nach unschädlich. Unter ihnen befand sich ein Bandit namens Putnam, der sich in einem Haus verschanzt hatte und auf alles feuerte, was sich bewegte, bis ein aus Hamers Winchester abgefeuertes Geschoss seinem Leben ein Ende setzte.

Furchtlos und unerbittlich

Motivforschung und Berücksichtigung mildernder Umstände für die von ihm Festgenommenen überließ er grundsätzlich den Sachverständigen und Gerichten, denn er selbst hatte bereits in seiner Jugend viel zu viele Gräueltaten aufzuklären gehabt, die an unschuldigen Menschen verübt worden waren. Der absolut furchtlose Hamer, der deshalb gegenüber Verbrechern unerbittlich geworden war, setzte sich scheinbar emotionslos auf die Spur der Gesuchten und benützte dazu konsequent die „neuesten“ Mittel und Methoden der Verbrechensbekämpfung.
Nach Beendung seiner Ranger-Tätigkeit legte Hamer die damals übliche zivile „westmännische“ Kleidung ab und trug ab nun meist dunkle Anzüge, Krawatten und dauerhafte Unterbekleidung, dazu weiße Hemden und dunkel gestreifte Westen. Er vertraute auf schwarzes, festes Schuhwerk und zog Reitstiefel nur dann an, wenn er aufgrund des unwegsamen Geländes ein Pferd als Transportmittel benützen musste. Als Kopfbedeckung trug Hamer anstelle eines Sombreros stets einen städtischen Stetson-Hut mit schmaler, vorne heruntergeschlagener Krempe.
In seiner Freizeit machte er sich laufend mit neuartigen Fahndungsmitteln vertraut, übte aber auch regelmäßig das kampfmäßige Schießen mit Hand- und Faustfeuerwaffen aller Art.
Unter Verwendung seines alten Colts war er Zeugenaussagen nach fähig, auf 30 Meter Entfernung einen nur faustgroßen Stein zu treffen. Hamer war aber auch im Umgang mit anderen Waffen geübt, etwa mit Colt „Government“-Selbstladepistolen, und auch beim Schießen mit Flinten, Gewehren und Thompson-Maschinenpistolen nahezu unschlagbar.
Penibel sammelte Hamer auch kleinste Informationen, wertete sie sorgsam aus und pflegte jede seiner „Menschenjagden“ sozusagen „generalstabsmäßig“ zu planen und durchzuführen. Neben strategischem Talent verfügte Hamer über taktische Begabung. So etwa wurde er während des Ölbooms im Jahre 1921, damals in der Funktion eines Hauptmanns und Kommandanten der C-Kompanie des Frontier Bataillons der Texas Rangers, in der texanischen Grenzstadt Del Rio eingesetzt. Dort stellte ihm und seinen Leuten eine Banditenübermacht eine Falle, doch erkannte Hamer sie rechtzeitig. Er umging sie und tauchte mit seinen Männern im Rücken der Verbrecher auf, womit er den Hinterhalt gegen sie umkehrte. Dann kämpften er und seine Leute die Bande erbarmungslos nieder. Während des Feuergefechtes wurden elf Banditen erschossen, darunter auch ihr Anführer, ein Serienmörder und Räuber, den man nur als „Red“ Lopez gekannt hatte.
Um 1922 räumte er mit 22 ausgesuchten Leuten in der Ölstadt Mexia auf, südlich von Dallas, und „kassierte“ in nur zwei Monaten Hunderte Kriminelle, darunter sogar Polizisten und Politiker.

Totale Abschreckung

Die Philosophie der „totalen Abschreckung“, die der kompromisslose Hamer vertrat, der zwar in 50 Feuergefechten 53 Gegner getötet hatte, aber dabei selbst fast zum Krüppel geschossen worden war, darf man nur aus den Bedingungen seiner Zeit heraus sehen. Insbesondere im texanisch-mexikanischen Grenzbereich existierte eine Vielzahl an brutalen, gewalttätigen Verbrechern, hingegen gab es nur wenige Texas Rangers. Diese Miliztruppe war nämlich von jeher für ihre gefahrvolle Tätigkeit schlecht bezahlt und außerdem auch verpflichtet, für alle eigenen Unkosten aufzukommen.
Als große Geldunternehmen wie die „Texas Banker´s Association“ unter der Zunahme von Banküberfällen zu leiden begannen, setzten sie hohe Geldprämien für die Ergreifung von Räubern aus. Unbestritten nutzten viele Rangers dieses Angebot, Francis A. Hamer aber war keineswegs einer dieser „Prämienjäger“. Das wird schon durch seinen erbitterten Einsatz zur Aufdeckung und Verfolgung jener Verbrechen belegt, die von einzelnen „Kopfgeldjägern“ begangen wurden. In den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts bewältigte Hamer mit Bravour und ohne Rücksichtnahme auf seine eigene Sicherheit viele Einsätze gegen „Mobster“, hatte dabei allerdings Rückendeckung durch Soldaten der Nationalgarde.

Der Auftrag

Um 1934 wurde Hamer persönlich mit einer besonders schwierigen Aufgabe betraut. Er sollte die beiden Mörder Elizabeth „Bonnie“ Parker und Clyde Chesternut Barrow unschädlich machen. Zu dieser Zeit gehörte er längst nicht mehr den Texas Rangers an, denn knapp zuvor war er mit der korrupten Staatsführung der neuen texanischen Gouverneurin Miriam Ferguson nicht einverstanden gewesen. Wie viele seiner Kameraden, trat er aus der Ranger-Truppe aus. Der erfahrene Mann wurde von einer großen texanischen Bankorganisation als Fahnder eingestellt. Sein Freund „Mannie“ Gault begleitete ihn bei seinem Bemühen, „Bonnie & Clyde“ zu finden, die eine breite Blutspur durch Texas gezogen hatten.

Ein mörderisches Duo

Die mit nur 1,49 Metern Körpergröße kleingewachsene, nur 41 Kilogramm wiegende „Bonnie“ Parker war eine zierlich gebaute Frau mit fuchsrotem, gescheiteltem Haar, harten, kantigen Zügen, stechendem Blick und schmalem, verkniffenem Mund. Sie war im Jahre 1910 in Rowena, Texas, als Kind eines einfachen Maurers geboren worden und besuchte um 1924 die High School in Dallas, Texas. Noch ein Teenager, heiratete sie bereits im Jahre 1925 den Gewaltverbrecher Roy Thornton, für den sie sich zwei Herzen und seinen Namen auf einen Oberschenkel tätowieren ließ. Thornton beging einen Mord, flüchtete, wurde rasch gefasst und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Nachdem er ins Zuchthaus von Eastham eingewiesen worden war, hatte „Bonnie“ sich scheiden lassen und lebte wieder unter dem Namen Elizabeth Parker.
Sie arbeitete einige Zeit als Aushilfe in einem Ausschank in Dallas, wo die Bezahlung zwar schlecht war, wo sich die junge Frau jedoch bald ein lukratives „Nebeneinkommen“ als Prostituierte verschaffen konnte. Dabei machte sie die Bekanntschaft des Räubers Ray Hamilton, wurde dessen Vollzeit-Geliebte und begleitete ihn sogar ab und zu als Helferin bei seinen Straftaten.
Schließlich lernte sie jedoch den grenzbegabten Farmersohn Clyde Chesternut Barrow kennen, einen Autodieb und Räuber. Dieser faszinierte sie nicht nur durch seine krimineller Energie und Rücksichtslosigkeit, sondern vor allem durch seine brutale Gewaltlust. Der schwarzhaarige Clyde Barrow war am 24. März 1909 in Telice, Texas, als drittes von acht Kindern armer Leute, geboren worden. Er war in Houston Heights aufgewachsen und fiel noch in seiner Jugendzeit seinen Nachbarn unliebsam auf, weil er nicht nur arbeitsscheu, sondern auch ein notorischer Tierquäler war. Clyde war schmächtig gebaut, nur 1,69 Meter groß und wog bloß 57 Kilogramm. Dass er homosexuell war, stellte sich für Bonnie erst später heraus, doch tolerierte sie dies, weil auch sie zeitweise gleichgeschlechtliche Interessen pflegte. Mittlerweile hatte Clyde Barrow die Umsetzung seiner Aggressionslust von den Tieren auf die Menschen übertragen.
Er überfiel, mit einem alten Colt M1873 bewaffnet, beide Wacheposten einer ihm bekannten Spielhölle und raubte ihnen neben einer kleinen Geldsumme zwei Revolver, moderne Abzugspanner im Kaliber .38 Special. Danach tat er sich mit seinem ebenfalls geistig minderbemittelten Bruder Ivan Marvin „Buck“ Barrow zusammen, der bereits eine längere Laufbahn als Dieb, Einbrecher und Räuber hinter sich hatte. Nachdem beide Männer eine Reihe weiterer Verbrechen begangen hatten, wurden sie bei einem Überfall auf eine Tankstelle gestellt. Clyde Barrow, der gerade als „Fluchtfahrer“ fungierte, verlor die Nerven und brauste davon, sein angeschossener Bruder „Buck“ wurde festgenommen. Von einem Schnellrichter zu einer Haftstrafe von fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt, wurde „Buck“ ins Zuchthaus von Eastham eingeliefert.

Eine Flucht von kurzer Dauer

Clyde Barrow wurde bald darauf gefasst und wegen des in der Stadt Waco verübten Einbruches zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er verbüßte seine Strafe nicht, da ihm „Bonnie“ bei einem ihrer Besuche im Polizeigefängnis einen kleinen, kurzläufigen .38er Revolver in die Zelle schmuggelte. Damit schoss sich Barrow den Weg frei, konnte aber seine Verfolger nicht abschütteln und wurde in Middleton in Ohio festgenommen, als er gerade auf einen abfahrenden Zug aufspringen wollte. Erneut in Eastham eingeliefert, traf er seinen Bruder „Buck“ nicht mehr an, denn diesem war am 2. März 1930 ein gewaltsamer Ausbruch gelungen. Clyde Barrow hingegen wollte seine rasche Entlassung dadurch herbeiführen, dass er auf „Haftunfähigkeit“ plädierte und hackte sich deshalb eine Zehe des linken Fußes ab. Zu seiner Frustration kurierte man ihn aber im gefängniseigenen Hospital und wies ihm anschließend eine interne Zwangsarbeit zu. Nach wie vor ein unbotmäßiger, aufsässiger Häftling, schlug Barrow einem Mitgefangenen namens Edward Crowder während eines Streits den Schädel ein. Er wurde jedoch interessanterweise nicht angeklagt, sondern nach Verbüßung von nur 18 Monaten Haft vom Gouverneur des Staates Texas begnadigt und freigelassen.
Das hatte er hauptsächlich seiner Mutter zu verdanken, die diesen als „weichen Reformpolitiker“ bekannten Mann unaufhörlich mit Gnadengesuchen bombardiert hatte.
Nun suchte Clyde sofort „Bonnie“ Parker auf. Im März 1932 führten Bonnie & Clyde einen Überfall auf eine Tankstelle durch. Knapp zuvor hatte Clyde Barrow seinen „Lieblings-Automobiltyp“ gestohlen, einen Ford V8 „Sedan“. Als man jedoch das Räuberpaar zu ihrer Überraschung sofort verfolgte und stellte, konnte Clyde Barrow entfliehen, „Bonnie“ Parker aber wurde festgenommen. Trotz der klar erwiesenen Raubbeteiligung wurde sie mit nur drei Monaten Haft bestraft. Sie saß die kurze Strafe deshalb ruhig ab, suchte aber nach ihrer Haftentlassung sofort nach Clyde.

Eine unfassbare Gangsterkarriere

Nach der Wiedervereinigung des mörderischen Duos begann dessen eigentliche „Gangsterkarriere“, die viele Banküberfälle in Texas, Oklahoma und Missouri einschloss und von einer Reihe unmotiviert begangener Morde durchsetzt war.
Später konnten den beiden schmächtigen Killern 13 Morde nachgewiesen werden. Unter anderem töteten sie den Musikalienhändler John Bucher, weiters einen greisen Fleischermeister, viele Polizisten und einen harmlosen Autofahrer, nur weil Clyde Barrow dessen „Nase“ nicht gefallen hatte. Aus heutiger Sicht scheint es, dass die von ihr verübten Morde für „Bonnie“ einen Ersatz für ihre weitgehend unausgelebte Partnerschaft darstellten, denn diese wurde durch Clydes ausgeprägte Homosexualität schwer beeinträchtigt. Außerdem war die knochig-schmächtige Räuberbraut mit den brennroten Haaren stets der planende und aus reiner Mordlust tötende Teil des Paares. Beispielsweise ermordete „Bonnie“ während einer Fahrzeug- und Insassenkontrolle einen Sheriff und schoss dessen Deputy an. Als der niedergestürzte, schwerverletzte Polizist versuchte, sich mühsam kriechend zum Straßenrand zu schleppen, eilte sie ihm nach und schoss aus ihrer verkürzten, halbautomatischen Selbstladeflinte eine Schrotgarbe in dessen Kopf.
Als Clydes flüchtiger Bruder „Buck“ Barrow zu den beiden Gangstern stieß, verübte dieses Trio weitere Straftaten, fuhr aber dann nach Dallas, wo „Bonnie“ Verwandte hatte.
Nach ihrem Kurzbesuch in Dallas führte das Trio ziellose Raubzüge in den im südwestlichen Texas abgeschieden liegenden Kleinstädten durch. Dann fuhr es nach Norden und Osten, wobei es nach Kansas und nach Missouri gelangte. Oft kam es während der Raubüberfälle zu wilden Verfolgungsjagden und zu Schießereien mit Bürgern und örtlichen Polizisten.

Hamer war bald auf der richtigen Spur

Schon jetzt und nicht erst, nachdem die Polizisten Wesley Harryman und Harry McGinnis erschossen worden waren, kam es zur Anforderung und zum ersten konkreten Einsatz Frank Hamers. Dieser ging gewohnt systematisch vor und war bald auf der richtigen Spur der Gangster, worauf er ihnen eine erste Falle stellte. Obwohl im Verlauf der damit verbundenen Schießerei ihr Fluchtwagen ausbrannte, entkamen die Killer, da sie rasch eine Geisel genommen hatten und damit ihre Verfolger erpressten.
In Missouri gerieten die Banditen in eine weitere Falle Hamers, entkamen aber erneut. Als sie aber schließlich auf dem Ausstellungsgelände von Dexter in Iowa gestellt wurden, löste dies ein wildes Feuergefecht mit der Polizei aus, wobei „Buck“ Barrow von drei Polizeigeschossen tödlich getroffen wurde.
Bonnie Parker & Clyde Barrow entkamen erneut. Für ihre geplanten Unternehmungen benötigten sie dringend bewaffnete Unterstützung. So überfielen sie, durch aufgekommenen dichten Nebel begünstigt, eine Sträflingskolonne, als diese zum Außendienst in einem der Arbeitslager des Zuchthauses von Eastham unterwegs war. Sie befreiten fünf Häftlinge, unter denen sich zufällig ihr alter Ex-Freund Hamilton befand. Daraufhin schloss sich dieser, gemeinsam mit seinem „Zellengefährten“ Henry Methvin, dem Pärchen an. Nach einigen Raubüberfällen setzte sich Hamilton allerdings erneut ab, da sogar diesem „Hartgesottenen“ die Mordlust „Bonnies“ zuviel wurde. Dafür aber ermordete der gefühllose Methvin zwei Polizisten, nachdem ihm „Bonnie“ Parker die Aufforderung „Putz´sie weg!“ erteilt hatte.

Bonnie & Clyde tappen in die Falle

Methvins Vater, der von Henrys Mordtaten nichts wusste, hatte in der Absicht für seinen Sohn Strafmilderung zu erreichen, mit Frank Hamer Kontakt aufgenommen. Durch Äußerungen seines Sohnes kannte er eine Kontaktstelle, an der das tödliche Duo Mitteilungen hinterlegte und empfing. Nur deshalb konnte Frank Hamer endlich jene Falle stellen, in der sich die beiden skrupellosen Verbrecher tatsächlich fingen. In Hamers Begleitung waren fünf mutige Beamte und zwar Hamers früherer Texas Ranger-Kamerad B. M. „Manny“ Gault, der Sheriff Henderson Jordan und sein Deputy Bryan aus Louisiana sowie die Deputy Sheriffs Theodore Hinton und Robert Alcorn aus Dallas in Texas. Dieses Empfangskomitee für „Bonnie & Clyde“ war mit Selbstladeflinten, mit Repetierflinten und halbautomatischen Büchsen (keineswegs aber mit Thompson-Maschinenpistolen) bewaffnet. Wie bereits geschildert, kam es dann zum Ende des Killerpärchens. Francis Augustus Hamer aber wurde durch seinen Erfolg keineswegs zum „reichen Mann“, wie oft fälschlich berichtet wurde.
Während der 102 Tage währenden Nachforschungen war Hamer auf ein eher kärgliches Monatssalär von 180 US-Dollar angewiesen. Außerdem hatte er die auf die Ergreifung der beiden Verbrecher ausgesetzte Belohnung mit seinen Männern zu teilen. Die Staatsverwaltung von Texas schenkte ihm später die persönlichen Waffen des mörderischen Duos, doch überließ Hamer, obwohl ihm die Versteigerung dieser Flinten, Pistolen und Revolver ein kleines Vermögen eingebracht hätte, in den folgenden Jahren nach und nach seinen Freunden.
Im Alter schrieb er seine Memoiren, die unter dem Titel „I'm Frank Hamer“ in Buchform erschienen. Er starb im Jahre 1965 als geachteter und vielfach geehrter Bürger friedlich in seinem Bett. Gottlob war es ihm dadurch erspart geblieben, den Rufmord miterleben zu müssen, der an ihm um 1967 mit dem bekannten Hollywood-Streifen „Bonnie & Clyde“ (Regie Arthur Penn) begangen wurde. Dieses unsägliche Kommerzprodukt, das die historische Wahrheit publikumswirksam verändert, wurde nur aufgrund seiner Hauptdarsteller Faye Dunaway und Warren Beatty zu einem Klassiker der Filmgeschichte.
Die Filmfirma wurde von Frank Hamers Witwe verklagt und in der Folge zur Entschädigungsleistung in Höhe mehrerer Millionen Dollar verurteilt.
Clyde Barrow liegt neben seinem Bruder in einem Grab auf dem Westfriedhof von Dallas in Texas begraben. Das Grab der Elizabeth „Bonnie“ Parker hingegen befindet sich auf dem Friedhof „Crown Hill Memorial Park“. Leider folgt die Inschrift auf dem Grabstein der vielfachen Mörderin der „Legende“ und besteht aus einem schmalzigen Vers, der übrigens keineswegs von „Bonnie“ Parker stammt: „Wie Sonnenstrahl und Tau die Blumen süß erhellen, so wird die Welt erhellt durch Menschen Deiner Art “.
Heinz Hailwax