Schatten-Seiten im Internet

Das Internet hat den Kinderpornohandel angekurbelt. Noch nie wurden so viele Kinderpornofilme und Fotos hergestellt wie jetzt.

Die ständige, steigende Verfügbarkeit von Kinderpornografie im Internet hat die Nachfrage gesteigert. Sie ist Auslöser dafür, dass immer mehr Kinderpornos produziert werden. Digitale Medien ermöglichen es, Kinderpornos rasch und einfach herzustellen und zu verbreiten.
Das Internet birgt die Gefahr, dass Pädophile (Menschen mit sexueller Neigung zu Kindern) in „Chatrooms“ oder „Newsgroups“ unter falscher Identität und falscher Altersangabe mit Kindern Kontakt aufnehmen, Treffpunkte vereinbaren und sich ihnen sexuell nähern. In allen Chatrooms für Kinder sind auch Pädophile unterwegs. Das „Grooming“ (Anbahnen sexueller Kontakte zu Unmündigen im Internet) ist seit 2012 verboten. Auch das „Betrachten pornografischer Darbietungen Minderjähriger“, etwa über eine Web-Cam ist strafbar. All das gibt es aber und Eltern sollten daher immer wissen, was ihre Kinder am Smartphone, Tablet oder am Computer tun. Sie sollten den Kindern vermitteln, dass nicht alles stimmt, was jemand im Internet behauptet, und sie sollten ihre Kinder über die Gefahren im Internet aufklären.
Ein großer Teil der im Internet verbreiteten Kinderpornos wurden in den vergangenen 25 Jahren aufgenommen. Der Rest ist altes Material, das seit 50 Jahren in der Pädophilen-Szene kursiert. Die Täter tragen bei den Filmaufnahmen oft Gesichtsmasken.
Die missbrauchten Kinder stammen aus allen Erdteilen. Farbige Opfer kommen seltener vor als weiße. Das Durchschnittsalter liegt zwischen sieben und elf Jahren. Für neuere Aufnahmen werden zunehmend jüngere Buben und Mädchen missbraucht. Vor allem bei harten pornografischen Bildern sind sie immer öfter unter fünf Jahren alt. Einige Bilder sind derart sadistisch, dass die Polizei um die Gesundheit der Kinder ernstlich besorgt ist. Die Bedürfnisse der pädophilen Kinderpornokonsumenten steigern sich. Anfangs leben sie ihre Fantasien an harmlosen Bildern aus, in die sie Erotisches hineininterpretieren. Sie ergötzen sich an Bildern mit kindlich aussehenden Fotomodels, an Werbung für Kinderunterwäsche, FKK-Katalogen und an Illustrationen in Zeitschriften mit Berichten über sexuellen Kindesmissbrauch. Die Medien tragen daher besondere Verantwortung, wenn sie über dieses Thema berichten. Aber auch Privatpersonen sollten bedenken, welche Bilder sie von Kindern auf Facebook posten.
In einer späteren Phase fotografieren sie nackte Kinder beim Spielen – aus sicherer Entfernung. Die Wünsche der Pädophilen steigern sich auf Soft-Porno-Aufnahmen und enden in harten Pornos, auch mit sadistischem Anstrich. Auch „Snuff“-Filme gibt es, in denen Kinder gequält und erstickt wurden.
Ein großer Teil der Kinderpornobilder und -filme im Internet sind uralt. Die meisten stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Erst in den letzten Jahren sind immer öfter neue Kinderpornos erschienen. Während erotisches Material aus kommerziellen Quellen stammt, werden harte Kinderpornos meist in Privathaushalten gedreht und unter Pädophilen im Internet vertrieben.
Kommerzielle Kinderporno-Produktionen stammen meist aus Asien, speziell Japan. Japan erließ erst Ende der 1990er-Jahre Gesetze, mit deren Hilfe die Polizei das Problem in den Griff bekommen kann. Häufiger werden Bild- und Filmprodukte von Sextouristen in Asien und Osteuropa, die Kinder vergewaltigen und sich dabei selbst fotografieren oder filmen.
Die Polizei ist auf die Zusammenarbeit mit den Service-Providern und den Hotline-Betreibern angewiesen – ein Verein im Sinne der Sache. Eine der Hürden der Internet-Fahnder ist die unterschiedliche Gesetzgebung in den verschiedenen Staaten. Das Schutzalter bei Kindern beträgt in Österreich und Deutschland 14 Jahre, in anderen Ländern 16 oder gar 18 Jahre.
Der Besitz und Erwerb von Kinderpornografie ist in Europa großteils verboten. In anderen Ländern ist der Besitz nur strafbar, wenn der Betroffene eine gewisse Zahl an Illustrationen besitzt oder das Material zum Weiterkauf anbietet. Für den Besitz von Kinderpornografie droht in Österreich ein Jahr Haft. Allein das Betrachten eines Kinderpornofotos gilt als „Besitz“ des Fotos, weil es in den Zwischenspeicher des Computers geladen wird.
Für organisierten, gewerbsmäßigen und wiederholten Handel drohen sechs Monate bis zu fünf Jahren Haft in Österreich, in anderen europäischen Ländern bis zu fünfzehn Jahre und in den USA bis zu dreißig Jahre für Wiederholungstäter.
Künstlich am Computer hergestellte Kinderpornos sind unter anderem in Kanada, Frankreich, Großbritannien und Österreich (§ 207a Abs. 4 StGB) verboten. In vielen anderen Staaten ist es nicht untersagt, am Computer Kinderpornos, bei denen keine Menschen mitwirken, zu erzeugen. Die Verfolgung der Erzeuger von künstlicher Kinderpornografie ist wichtig: Es ist nicht nachweisbar, ob am Computer manipuliert worden ist, oder ob kinderpornografische Bilder echt sind. Verdächtige könnten die Gesetzeslücke nützen und behaupten, die Bilder am PC erzeugt zu haben.
Zu den Anfangszeiten des Internets wurde Kinderpornografie vorwiegend in Newsgroups gehandelt, später in Chatkanälen. Sie sind schwerer zu überwachen. Mithilfe von Computerprogrammen werden Nachrichten nur für jene sichtbar, an die sie gerichtet sind. Für die Verfolger der Kinderporno-Händler werfen Verschlüsselungen Probleme auf. Auf Web-Seiten sind oft auch Kinderporno-Bilder hinter harmlosen Darstellungen versteckt. Schließlich spielt auch das „Darknet“ eine zunehmende Rolle für die Verbreitung von Kinderpornografie.
Bei Interpol-Wien bearbeitet ein Ermittlerteam die Informationen aus der Bevölkerung.

Kinderpornografie-Meldestelle des Innenministeriums:
meldestelle@interpol.at
Web-Adresse des Bundeskriminalamts:
http://www.bundeskriminalamt.at
Meldestelle des Bundeskriminalamts gegen Internetkriminalität:
against-cybercrime@bmi.gv.at